Lehrer wird Bankräuber

06. Dezember 2011 12:17; Akt: 06.12.2011 14:50 Print

Mit Bratpfanne 400'000 Franken erbeutet

von Attila Szenogrady - Er bewaffnete sich mit einer Bratpfanne und überfiel barfuss eine Bank in Zürich-Seebach. Nun stand der geistig verwirrte Gymnasiallehrer vor dem Zürcher Bezirksgericht.

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Es war am letzten Gründonnerstag, als der heute 70-jährige Gymnasiallehrer um 14 Uhr in der Filiale der Zürcher Kantonalbank an der Schaffhauserstrasse in Zürich-Seebach auftauchte. Trotz der kühlen Witterung war der Pädagoge barfuss und in kurzen Hosen unterwegs. Er setzte sich zunächst in einen Sessel und wartete, bis der letzte Kunde die Schalterhalle verlassen hatte.

Dann begab sich der Beschuldigte mit einer Bratpfanne zu einer Schalterangestellten und sagte ihr, dass dies ein Überfall sei. Wenn sie nicht spure, passiere etwas, erklärte er und führte aus, dass er eigentlich eine Milliarde Franken brauche. Für den Anfang würden aber auch 400 000 Franken reichen.

Der Traum von einer Weltreise

Die verängstigte Geschädigte versuchte zunächst vergeblich, mit einem Code die Kasse zu öffnen. Danach begab sie sich in den Tresorraum und wollte von dort aus die Polizei alarmieren. Was die Angestellte jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht fertig brachte. Kurz darauf kehrte sie mit den geforderten 400 000 Franken zurück und übergab das Geld dem Lehrer, der die Beute in einen Rollkoffer verstaute und sich vom Tatort absetzte.

Wenig später erschien der gesuchte Bankräuber beim Bahnhof Oerlikon, wo er sich ein Generalabonnement für 4000 Franken sowie zwei Armbanduhren kaufte. Dann erkundigte er sich im Reisebüro der SBB nach einer Weltreise und leistete dafür eine Anzahlung von 100 Franken. Kurz darauf liess sich der Täter von der Polizei widerstandslos festnehmen.

Schuldunfähig

Eine Begutachtung ergab, dass der ehemalige Zoologe psychisch erkrankt war und unter einer manischen Episode litt. Er wurde im letzten Juni aus der Haft entlassen und lebt heute verbeiständet in seiner Wohngemeinde.

Heute Dienstag musste sich der Angeschuldigte vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Obwohl die Staatsanwaltschaft den ledigen Schweizer aufgrund des Gutachtens als schuldunfähig einstufte, waren zwei Polizeibeamte im Gerichtssaal erschienen. Sie sollten den geistig angeschlagenen Bankräuber nach der Verhandlung im Hinblick auf eine Einweisung in eine stationäre Massnahme festnehmen.

Die zuständige Staatsanwältin Xenia Roduner stützte sich dabei auf den Psychiater ab. Dieser hatte eine stationäre Behandlung des Beschuldigten verlangt. Im Gegensatz zum Verteidiger, der sogar eine gänzliche Einstellung des Verfahrens forderte. So habe sein Klient den Straftatbestand des Raubes aufgrund fehlender Merkmale grundsätzlich nicht erfüllt, plädierte er. Im schlimmsten Fall sei eine ambulante Massnahme anzuordnen. Diesem Ansinnen schlossen sich auch der Angeklagt und sein im Gerichtssaal anwesender Beistand an.

Zusatzgutachten angeordnet

Um seine Nerven zu beruhigen, nehme er täglich Medikamente ein, versicherte der Patient, den auch sein Beistand als liebenswürdigen Menschen lobte. Eine Einweisung in eine stationäre Klinik stufte der Verteidiger als unverhältnismässig ein.

Da sich zum Schluss selbst die Staatsanwältin nicht mehr abgeneigt im Hinblick auf eine ambulante Therapie zeigte, setzte das Gericht die Verhandlung aus. Einzelrichter Jean-Paul Bozzone ordnete stattdessen ein Zusatzgutachten zur Abklärung einer allfälligen ambulanten Massnahme an. Das Urteil soll danach mündlich eröffnet werden. Das Gericht verzichtete damit auch auf eine Festnahme des Beschuldigten, der den Heimweg als freier Mann antreten konnte.