Therapie statt Knast

04. Februar 2011 16:06; Akt: 04.02.2011 16:12 Print

Mit Revolver Oralsex erzwungen

von Attila Szenogrady - Nach einer Rückweisung hat ein gekränkter Lagerist aus Volketswil seine von ihm frisch getrennte Ex-Freundin zum Oralsex gezwungen. Mit einem Revolver. Jetzt muss er in die Therapie.

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Der eingeklagte Sachverhalt war vom heute 28-jährigen Lageristen aus Volketswil nicht mehr bestritten. Demnach hatte er sich im Mai 2009 nicht nur der sexuellen Nötigung, sondern auch der Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig gemacht. Fest steht, dass sich der Schweizer Staatsangehörige damals in seiner Wohnung aufhielt und von seiner Freundin einen Korb erhielt.

Oralsex zum Abschied erzwungen

Der Beschuldigte akzeptierte zwar vordergründig das Ende der Beziehung, wollte sich aber zum Abschied noch ein letztes Mal mit seiner Ex-Freundin sexuell vergnügen. Als die Geschädigte dies ablehnte, nahm der Angeklagte plötzlich einen ungeladenen Revolver hervor und setzte damit seine frühere Partnerin unter Druck. So werde er sie erschiessen, falls sie ihn nicht oral befriedige, drohte er. Worauf das Opfer dem Befehl nachkam und sich fügte. Allerdings zeigte es seinen Peiniger nach den erzwungenen sexuellen Handlungen bei der Polizei an.

Therapie statt Freiheitsstrafe

Der geständige Angeschuldigte wurde bereits im letzten Juli vom Bezirksgericht Uster anklagegemäss für schuldig befunden und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Zudem wurde der verpflichtet, seiner Ex-Freundin ein Schmerzensgeld von 8000 Franken zu bezahlen. Nicht zuletzt einen Schadenersatz in noch unbekannter Höhe.

Schon das Gericht in Uster schob aber den Strafvollzug zugunsten einer ambulanten Psychotherapie auf und setzte eine Bewährungshilfe fest. Es stützte sich dabei auf ein psychiatrisches Gutachten über den Angeklagten ab. Demnach lag ein eher niedriges bis moderates Rückfallrisiko vor.

Staatsanwaltschaft vergeblich für Strafvollzug

Die Staatsanwaltschaft sah es anders und legte Berufung gegen den Entscheid aus Uster ein. Es verlangte vor Obergericht den Vollzug der Strafe. Verbunden mit einer Therapie im Gefängnis. Der Prozess vom Dienstag fand unter Ausschluss von Presse und Oeffentlichkeit statt. Am Freitag gab das Obergericht seinen Entscheid bekannt. Es lehnte den Antrag der Staatsanwaltschaft ab und bestätigte das Urteil aus Uster umfassend.

Wesentlich war dabei, dass der Bewährungs- und Vollzugsdienst des Zürcher Justizvollzugs im letzten November eine aktuelle Risikoabklärung über den Volketswiler durchgeführt hatte. Demnach hatte sich dessen Zustand stabilisiert, weshalb die Experten von einer guten Prognose ausgingen. Das Obergericht schob deshalb die langjährige Strafe zugunsten der ambulanten Psychotherapie auf. Die Geschädigte hatte im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft auf eine Berufung verzichtet.