Zürcher Obergericht

14. Juli 2014 19:48; Akt: 14.07.2014 19:48 Print

Mit gestohlener Diplom-Arbeit Kollegin genötigt

von Attila Szenogrady - Um sie zum Kokainhandel zu zwingen, hat ein Drogendealer seiner Kollegin die Diplomarbeit zur Lehrabschlussprüfung gestohlen. Das Gericht hat ihn nun verurteilt.

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Das Zürcher Obergericht. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Die Vorwürfe gegen den heute 31-jährigen Westafrikaner aus Schlieren gingen auf den Frühling 2012 zurück. Damals verkaufte der arbeitslose Beschuldigte Kokain und wollte eine Schweizer Drogenkonsumentin in den Drogenhandel zwingen. Als sich die Frau weigerte, verlegte sich der Ex-Student auf perfide Methoden.

Laut Staatsanwaltschaft entwendete er ihr absichtlich ihren Laptop, auf welchem sie ihre aufwendig erstellte Diplomarbeit für einen Lehrabschluss gespeichert hatte. Da sie keine Sicherungskopie erstellt hatte, musste sie den Anweisungen des Erpressers folgen. So hatte dieser angekündigt, dass er die Arbeit erst dann zurückgeben würde, wenn sie seine Anweisungen befolgen werde.

Angeklagter habe mit Säure-Attacke gedroht

Die Geschädigte gab nach und setzte über mehrere Wochen hinweg rund 200 Gramm Kokain für ihren fiesen Chef ab. Den Gewinn musste sie abliefern.

Im Mai 2012 hatte die Geschädigte genug und schaltete die Polizei ein. Worauf der Beschuldigte bei ihr mit einer Flasche mit giftiger Säure auftauchte und ihr in Aussicht stellte, das Gesicht zu verätzen. Doch so weit kam es nicht mehr, da die Polizei den Afrikaner festnahm und er für mehrere Wochen in Untersuchungshaft verschwand.

Alles bestritten

Am Montag stand der Westafrikaner vor dem Zürcher Obergericht und stritt alle Vorwürfe ab. Er sprach von einer Racheaktion der Privatklägerin, die ihn zusammen mit ihrem Partner zu Unrecht belastet habe.

Auch der Verteidiger forderte einen vollen Freispruch und stufte die Geschädigte als nicht glaubhafte Person ein. So würde sie heute noch behaupten, dass sie den Laptop nicht mehr zurückerhalten habe. Was aber nicht stimmen könne, da der Beschuldigte inzwischen ihren Computer zurückgegeben haben soll.

Schuldspruch bestätigt

Das Obergericht sah es anders und bestätigte im Wesentlichen ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich. Demnach wurde der Westafrikaner wegen Kokainhandels sowie Nötigung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt.

Die Kosten des Berufungsverfahrens wurden dem Beschuldigten auferlegt. Die Oberrichter stützten sich auf die plausiblen Aussagen der Geschädigten und ihres Freundes ab.