Zürich

30. Juni 2018 09:15; Akt: 30.06.2018 09:21 Print

Magazin von Baufirma strotzt vor Sexismus

Frauen und Angestellte werden in Heften der Agir AG herabgewürdigt. Die Leser wüssten damit umzugehen, heisst es von Seiten der Firma.

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Die Zürcher Baufirma Agir AG hat 350 Mitarbeitende und acht Tochterunternehmen – drei davon im Ausland. Das Unternehmen gibt ein Mitarbeitermagazin heraus, das für Schlagzeilen sorgt, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Zu einem Bericht über eine Kiesgrube wurde beispielsweise eine leicht bekleidete Frau mit Schaufel montiert, nackte Brüste erschienen zu einem Beitrag über ein neues Bier und «Überall am Lochen!» stand zu einem Text über die Limmattalbahn, an der die Agir AG mitbaut. Über den Mitinhaber der Firma, Hans-Martin Meyer (genannt Hama), stand in einem Magazin: «Hama weiss wirklich, wie abfiggen geht.» Dazu ein angewetzter Pneu und ein Frauenhintern: «Beides ohne Cellulite.»

Betroffene Firma sieht kein Problem

In diesem Stil geht es im ganzen Heft weiter, das der «Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern» am Donnerstag öffentlich machte. Gegenüber dem Anzeiger erklärte Geschäftsleitungsmitglied und Verwaltungsrat Marino Crescionini, man wolle frisch und frech auftreten. Das Heft sei im Wesentlichen für die Mitarbeiter gedacht und hätte nicht auf die Homepage gelangen sollen. Mittlerweile wurden sie wieder gelöscht.

Mitinhaber Hans-Martin Meyer sagte auf Anfrage des «Tages-Anzeigers», mit Sexismus habe das Magazin nichts zu tun. Die Leser könnten damit umgehen und verstünden die Botschaft. Das Gleichstellungsgesetz sehe er nicht verletzt.

«Magazin ist frauen- und menschenverachtend»

Bei der kantonalen Fachstelle für Gleichstellung tönt das ganz anders: «Agir pflegt eine diskriminierende Betriebskultur und verstösst gegen das Gleichstellungsgesetz», sagt Helena Trachsel. Frauen würden im Magazin ausschliesslich wegen ihres Geschlechts auf sexistische Art und Weise herabgewürdigt. Doch damit nicht genug: «Die Zeitschrift ist nicht nur frauen- sondern auch menschenverachtend», so Trachsel. Offensichtlich herrsche im Betrieb aber kein Bewusstsein für das Problem.

Immer wieder realisiert die Agir AG Aufträge für die öffentliche Hand – beispielsweise für das Bundesamt für Strassen im Milchbucktunnel oder die Durchmesserlinie der SBB. Gemäss Submissionsverordnung des Kantons Zürich muss die Vergabestelle sicherstellen, dass die Anbieter die Gleichbehandlung von Frau und Mann einhalten. Wenn ein Anbieter diesen Grundsatz missachtet, wird er aus dem laufenden Verfahren ausgeschlossen.

(scl/nk)