Gewalt im Klassenzimmer

13. Mai 2019 13:55; Akt: 13.05.2019 15:04 Print

«Gib ihm Geld, sonst schlägt er dich»

An einer Zürcher Schule wurden zahlreiche Jugendliche von einer Bande systematisch eingeschüchtert, verprügelt und erpresst. Dem Anführer waren alle regelrecht hörig.

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Mobbing und Zürcher Schulen – eine nicht gänzlich unbekannte Kombination. Über einen besonders schweren Fall berichtet jetzt die NZZ: Über ein halbes Jahr lang sollen 2015 vier Teenager ihre Schulklasse terrorisiert haben. Allen voran ihr Anführer, ein 14-Jähriger, dem seine Mitläufer regelrecht hörig waren.

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In seinem Auftrag wurden zahlreiche Schüler systematisch eingeschüchtert, verprügelt und erpresst: «Ich werde dich umbringen, wenn du das Geld nicht schleunigst auftreibst», soll der Teenager laut NZZ etwa einem seiner Opfer gedroht haben. Ein anderes Mal soll er während einer Prügelattacke versucht haben, einen Mitschüler mit den Knien gegen den Kopf zu treten – als Einschüchterung und Machtdemonstration.

«Er ist gross und stark»

Das Geld, das vor allem seine drei Freunde in seinem Auftrag für ihn eingetrieben haben, soll der Teenager hauptsächlich für sich und seinen Marihuanakonsum verwendet haben. «Ich musste sagen: ‹Gib ihm Geld, sonst schlägt er dich›», erzählte ein Mitglied der Gruppe während einer Befragung durch die Zürcher Staatsanwaltschaft.

Der gewalttätige Teenager, der sich gegenüber Erwachsenen stets wohlerzogen und angepasst gegeben haben soll, sei «der Chef» gewesen. Er war es, der ihnen gesagt hat, was zu tun war. Zu seinem Mitläufer wurde der Schüler, weil er Angst hatte: «Er ist gross und stark», beschrieb er seinen Anführer.

Trotzdem war wohl seine Furcht nicht der einzige Beweggrund, den Erpresser zu unterstützen. Gegenüber der Staatsanwaltschaft gab ein anderes Mitglied der vierköpfigen «Gang» zu, dass die Machtposition der Gruppe in ihm «ein gutes Gefühl» ausgelöst habe. «Wir benahmen uns wie Bosse», sagte der Teenager.

«Einsam und in seiner Altersgruppe nicht eingebunden»

Als schliesslich eines der Opfer den Mut fand, gegen seine Peiniger Strafanzeige einzureichen, kam die Wende: Die Schulleitung reagierte und warf drei der Jugendlichen, darunter auch ihren Anführer, von der Schule. Zudem wurden sie von der Polizei verhaftet und kurzzeitig in U-Haft gesteckt. Der Bandenführer wurde in einer Erziehungseinrichtung untergebracht und musste sich einer Therapie unterziehen.

Wie die Zeitung schreibt, bezeichnete eine psychologische Einschätzung den damals 14-Jährigen als «einsam und in seiner Altersgruppe nicht eingebunden», denn: «Die Drohkulisse und die Gewalt bringen ihm zwar Macht und Erfolg, aber keine wirkliche Zuneigung.»

Der einstige Schläger scheint einen Weg aus der Gewaltspirale gefunden zu haben. Er soll ein Praktikum absolviert haben und bis heute straffrei geblieben sein.

(rab)