Zürich

15. Mai 2014 11:36; Akt: 15.05.2014 16:39 Print

Mobimo darf Labitzke-Areal räumen

Die Besetzer des Labitzke-Areals in Zürich-Altstetten müssen ausziehen. Sie sind mit ihrer Berufung vor dem Obergericht abgeblitzt. Wann geräumt wird, ist noch unklar.

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Das Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten: Deren Besetzer müssen nun wohl definitif ausziehen. Das Zürcher Obergericht lehnt ihre Berufung gegen die vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses ab, wie es am Donnerstag mitteilte. Die Besetzer wollen aber noch nicht gehen. Sie versuchen sich mit rechtlichen Mitteln so lange wie möglich gegen die Räumung zu wehren. Farbenfroh ist das Motto in den besetzten Häusern. Dabei sieht es gar nicht froh aus um die Bewohner des Areals: Im Januar 2014 (Bild) war bereits ein Teil geräumt worden. Um sicherzustellen, dass sich keine Besetzer mehr im Gebäude befinden, ist am Montagmorgen, 20. Januar 2014, viel Polizei vor Ort. Zu einer polizeilichen Räumung kommt es aber nicht: Die Besetzer haben das Gebäude bereits verlassen. Während das Gebäude Albulastrasse 38/40 (links im Bild) abgebrochen wird, bleiben die weiteren zwei Gebäude (rechts im Bild eines davon), für die ebenfalls eine Abbruchbewilligung vorliegt, noch bis Ende März stehen. Die Besetzer dürfen solange dort bleiben. Bis im Frühling will Mobimo zudem die Baubewilligung für die Überbauung des Areals einreichen. Die Immobilienfirma rechnet damit, die Bewilligung bis im Herbst zu erhalten. Bis dann müssen die kontaminierten Gebäude und der mit Altlasten belastete Boden abgetragen sein. Die Besetzer hatten aber Abbruch auf Vorrat gewittert: Als am Freitag, 2. Januar 2014, die meisten Mieter ihre Schlüssel abgaben, besetzten Autonome die frei werdenden Räume. Bis dahin hatte sich die Besetzung des Labitzke-Areals auf Baracken im hinteren Teil des Areals beschränkt. Die Besetzer dort nennen sich Autonomer Beauty Salon. Den Zugang zum Areal haben die Besetzer zum Teil verbarrikadiert. Die Arealeigentümerin Mobimo wollte eigentlich alle Gebäude, deren Mieter Ende 2013 ausziehen mussten, unbewohnbar machen. In diesem Haus, in dem einst der Gayclub Aera untergebracht war, gelang dies ... ... auch die ehemalige Zuckerfabrik konnte man vor einer Besetzung schützen. Dabei gibt es auf dem Areal nicht nur Besetzer, sondern immer noch rechtmässige Mieter, die auf dem Areal wohnen dürfen - dank einer Mieterstreckung bis Ende Februar. So wie diese WG hier. Auch diese WG darf bis Ende Februar bleiben. Bis zu 10 Personen leben und arbeiten hier. Wer hier wohnt, geniesst den tiefen, gesunden Schlaf in einer luftigen Passerelle, die zwei Fabrikgebäude verbindet. Das Gebäude auf der anderen Seite wird nun abgebrochen. Weil die Heizung nicht mehr läuft, müssen die Mieter inzwischen auf Elektroöfen zurückgreifen. «Wo ist die gültige Baubewilligung?»: Dies fragen die Besetzer auf einem Transparent an der Hauswand. Erst wenn eine solche vorliegt, würde die Stadtpolizei Zürich das Areal nach gängiger Praxis räumen.

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Das Zürcher Obergericht lehnt die Berufung der Besetzer der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke in Altsetten gegen die vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses ab, wie es am Donnerstag mitteilte. Das Vertragsverhältnis sei Ende 2013 abgelaufen und nicht erstreckt worden.

Die Berufung werde abgelehnt und das Urteil des Bezirksgerichts bestätigt, heisst es im Entscheid des Obergerichts. Die Vorinstanz hatte im Februar den Ausweisungsantrag der Mobimo AG gegen eine letzte noch auf dem Labitzke-Areal verbliebene Mietpartei gutgeheissen.

«Wir haben nichts anderes erwartet»

Die Besetzer hatten daraufhin geltend gemacht, dass das Gericht den Antrag gutgeheissen habe, obwohl die Mobimo AG noch keine Baubewilligung für ihr Neubauprojekt beantragt habe. Eine vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses widerspreche «dem Geist der gängigen Rechtspraxis in der Stadt Zürich, Leerstände und Brachen zu vermeiden».

Man habe vom positiven Entscheid des Obergerichts Kenntnis genommen, hiess es bei der Mobimo AG auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. «Wir haben nichts anderes erwartet», sagte Pressesprecherin Christine Hug. Über das weitere Vorgehen in Bezug auf die Räumung des Areals könne sie zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts sagen.

Baueingabe in zwei Wochen

Gemäss Hug will die Mobimo AG in rund zwei Wochen die Baueingabe machen. Das Immobilienunternehmen will Ende Jahr mit der Überbauung beginnen. Auf dem Gelände sollen acht Häuser mit 245 Wohnungen entstehen. Zudem sind Flächen für Gewerbe und Läden sowie zwei Cafés vorgesehen.

Das Bauprojekt der Immobilienfirma sei ohne Baubewilligung nichts als heisse Luft und ein Baubeginn liege noch in weiter Ferne, hatten die Labitzke-Bewohner argumentiert. Sie sind die letzten auf dem Gelände verbliebenen Mieter. Zwei weitere reguläre Mietparteien waren Ende Februar ausgezogen.

Bei den bereits freigewordenen Gebäuden hat die Mobimo AG bereits mit den Abbrucharbeiten begonnen. Das Labitzke-Areal wird seit Jahren besetzt und dient als Labor für eines der grössten Kultur- und Wohnexperimente in der Stadt Zürich.

Besetzer schweigen «aus taktischen Gründen»

Die Besetzer wollen aus «taktischen Gründen» zurzeit keine Auskunft geben, wie sie auf ihrer Website mitteilen – dies im Hinblick auf weitere laufende Rechtsbegehren und die Schlichtungsverhandlung vom kommenden Montag vor dem Bezirksgericht.

Die verbleibenden Mieterinnen und Mieter sind gemäss dieser Mitteilung nach wie vor dezidiert gegen den von Mobimo geplanten «Abriss auf Vorrat» und schreiben: «Wir verlangen mit Nachdruck, dass die Mobimo erst einmal die fehlende Baubewilligung einholt, bevor sie die Gebäude zerstört, in denen wir leben.»

(sda/rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Altstetter am 15.05.2014 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Es wird Zeit, dass dieser Schandfleck, welcher durch die Besetzer nun auch noch zur Müllhalde verkommen ist, geräumt wird. So wird dann auch der Durchgang zur Hohlstrasse für die Bewohner der Flur- und Baslerstrasse wieder möglich. Ich hoffe einfach, dass die Entsorgung des Gerümpels nicht wieder vom Steuerzahler (wir) berappt werden muss, ähnlich wie beim Binz-Areal...

  • Radkappenfrieda am 15.05.2014 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich der Schandfleck weg

    Wird auch Zeit. Diese Sauerei dort ist eine Beleidigung fuers Auge!

  • Thomas am 15.05.2014 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Hat viel zu lange gedauert! Finde es gut das der Saustall endlich abgeräumt wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Klein am 16.05.2014 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Geld gewinnt immer

    Alternative Lebensformen scheinen in Zürich nicht erwünscht zu sein. Und schon garnicht dort, wo man mit einem Neubau einen satten Gewinn machen kann.

  • Altstetter am 15.05.2014 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Es wird Zeit, dass dieser Schandfleck, welcher durch die Besetzer nun auch noch zur Müllhalde verkommen ist, geräumt wird. So wird dann auch der Durchgang zur Hohlstrasse für die Bewohner der Flur- und Baslerstrasse wieder möglich. Ich hoffe einfach, dass die Entsorgung des Gerümpels nicht wieder vom Steuerzahler (wir) berappt werden muss, ähnlich wie beim Binz-Areal...

  • Radkappenfrieda am 15.05.2014 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich der Schandfleck weg

    Wird auch Zeit. Diese Sauerei dort ist eine Beleidigung fuers Auge!

  • Thomas am 15.05.2014 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Hat viel zu lange gedauert! Finde es gut das der Saustall endlich abgeräumt wird.

  • Nase Voll am 15.05.2014 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausbesetzer/Einbrecher

    Ist ja sowieso eine Frechheit, dass Hausbesetzer/Einbrecher sogar noch Berufung beim Gericht machen können!!!! Das geht nur bei uns in der Schweiz!