Hooligan getötet

04. September 2019 09:40; Akt: 04.09.2019 14:54 Print

Mordprozess gegen Jeton G. wird verschoben

Der Prozess gegen Jeton G. ist verschoben worden. Der 35-Jährige wird beschuldigt, den Kampfsportler B. R. von hinten erschossen zu haben.

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Jugendlicher Intensivtäter, Schläger, Hanfdealer, Dieb – und auch Mörder? Tagelang stand Jeton G.* in den Schlagzeilen. Er soll am 1. März 2015 in Zürich-Affoltern den Hooligan und Kampfsportler B. R.* auf offener Strasse erschossen haben. Den Schüssen ging ein langer Streit zwischen den beiden voraus. Jeton G. war nach der Tat zunächst auf der Flucht.

Am 7. März klickten die Handschellen, seither sitzt der heute 35-jährige Schweizer mit Wurzeln im Kosovo hinter Gittern. Der Prozess gegen ihn hätte am 11. September begonnen und mehrere Tage gedauert. Doch der Termin wurde wegen eines Verschiebungsgesuchs eines amtlichen Verteidigers abgesagt, wie das Bezirksgericht Zürich am Mittwoch mitteilt.

Das Gericht habe das Gesuch gutgeheissen. Bei der Anwaltskanzlei des amtlichen Verteidigers heisst es auf Anfrage, dass dieser krank geschrieben sei. Die neuen Verhandlungsdaten stehen derzeit noch nicht fest.

Streit eskaliert mit Facebook-Post

In der Anklageschrift kamen neue Details zum Familienvater und seinen mutmasslichen Taten ans Licht. Der Familienvater muss sich wegen insgesamt sieben Anklagepunkten verantworten, unter anderem wegen des Mordes, wegen Mordversuches Irreführung der Rechtspflege und wegen Hinderung einer Amtshandlung.

In der Anklageschrift wird detailliert geschildert, wie Jeton G. sein Opfer B. R.* mutmasslich ermordet haben soll. Der Beschuldigte und R. hatten seit längerer Zeit Streit und Auseinandersetzungen miteinander. Ende Februar schrieb Jeton G. auf Facebook: «b* ich fick dis läbe du gasch uf i*los du ehrelose hund chum zu mir chum zu dim albtraum ich wird die letzte sekunde si wo du i dim läbe wirsch ha du hundesohn.»

Faust ins Gesicht

Es kam zu einem Treffen zwischen den beiden – das für R. tödlich endete. Jeton G. habe zuvor einen geladenen Revolver eingepackt, den er in seinem schwarzen Ledersofa versteckt gehabt habe, so die Anklage. Er habe die Waffe seinem Kollegen übergeben, der mit einem anderen Freund Jeton G. zum Treffen begleitet habe.

Als die Gruppe auf R. und seinen Begleiter traf, eskalierte die Situation. Es sei zu verbalen und tätlichen Auseinandersetzungen gekommen. Ein Kollege von Jeton G. schlug dabei R. mit einer Faust ins Gesicht, heisst es in der Anklageschrift. Dabei brachen R. drei Schneidezähne ab.

R. verblutete

Der Freund von R. habe darauf Pfefferspray gegen die drei Kontrahenten eingesetzt. Der Kollege von Jeton G. zog seinen Revolver aus der Hose, streckte de Mündung nach oben und gabe einen Schuss ab, so die Anklage.

B. R. und sein Begleiter ergriffen die Flucht. Jeton G. griff nach der Waffe und gab drei Schüsse auf die «wehrlosen Flüchtenden» ab, heisst es weiter. Der Hooligan und Kampfsportler R. wurde dabei von einem, eventuell gar zwei Projektilen, von
hinten getroffen, «wobei er infolge des Rumpfdurchschusses sofort, noch am Tatort, verblutete und verstarb».

Laut der Anklage handelte Jeton G. «besonders skrupellos» in einem Moment, indem sein Opfer wehrlos und in Panik auf der Flucht war.

Auch Kollegen angeklagt

Am Prozess, der auf vier Tage angesetzt ist, müssen sich auch die beiden Kollegen von Jeton G. verantworten. Jener Freund, der Jeton G. den Revolver gab, muss sich unter anderem wegen Gehilfenschaft zur mehrfachen vorsätzlichen Tötung verantworten. Der andere Kollege soll sich unter anderem wegen der mehrfachen Körperverletzung schuldig gemacht haben.

Die Anträge der Verteidiger und der Staatsanwaltschaft werden erst an der Verhandlung bekannt gegeben.

Sozialhilfe erhalten

Der Fall Jeton G. machte 2015 schweizweit Schlagzeilen. Nicht zuletzt, weil G. der Polizei und Jugendanwaltschaft als Intensivtäter bekannt war. Als Minderjähriger soll er wiederholt vor dem Jugendgericht gestanden haben – wegen Raubes, Diebstahls und Drohungen.

Für Diskussionen sorgte der Fall auch, weil Jeton G. trotz seines langen Strafregisters Sozialhilfe bezog. Der mutmassliche Todesschütze von Zürich-Affoltern besass einen Jaguar, baute illegal Hanf an und hatte für sich und seine Familie in den sechs Jahren vor der Tat insgesamt 200'000 Franken Sozialhilfe erhalten.

*Namen der Redaktion bekannt

(tam/jen)