Wegen Corona-Krise

22. März 2020 20:23; Akt: 23.03.2020 11:01 Print

Müssen Schüler jetzt die Klasse wiederholen?

Die oberste Zürcher Schulleiterin schlägt vor, alle Schüler ein Jahr zurückzusetzen – sollte der Unterrichtsstopp bis zu den Sommerferien ausgeweitet werden.

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Was passiert, wenn Schüler wegen des Corona-Virus bis zu den Sommerferien die Schule nicht mehr besuchen können? «Wir können nicht davon ausgehen, dass die Kinder im Sommer so weit sind wie im normalen Betrieb. Sie werden weniger weit sein oder unterschiedlich weit», sagt Sarah Knüsel, Präsidentin des Verbandes Schulleiterinnen und Schulleiter Zürich gegenüber der «NZZ».

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Sollten Schüler die Klasse wiederholen?

Gerade für Schüler der 1. Sekundarstufe würde es sehr schwierig, wenn ihnen ein halbes Jahr fehlen würde. Es werde nicht einzelne Kinder geben, die eine Klasse wiederholen müssten. Das werde eher flächendeckend ein Problem. «Sollte der Unterrichtsstopp bis zu den Sommerferien ausgeweitet werden, müssen wir uns überlegen, ob wir nicht alle Schüler ein Jahr zurücksetzen.»

«Ausnahmezustand ist auch eine Chance»

Die Mutter einer Viertklässlerin, die anonym bleiben möchte, findet den Vorschlag gut: «Meine Tochter hat schon während des normalen Schulbetriebs Mühe, mitzuhalten.» Homeschooling sei für das Mädchen schwierig. «Ich befürchte, dass sich ihr Rückstand in diesen Wochen zu Hause vergrössert. Damit könnte ihre Versetzung plötzlich in Frage gestellt werden.»

Skeptisch ist dagegen Meret Schneider (Grüne), die Mitglied der Bildungskommission des Nationalrats ist. «Ich sehe das Problem, den Stoff durchzubringen. Eine Wiederholung des Schuljahres ist aber eine sehr radikale Massnahme.» Die Lehrpersonen seien extrem gefordert, es nicht so weit kommen zu lassen: «Der Ausnahmezustand ist auch eine Chance. Die Schule kann neue Online-Formate ausprobieren, etwa Podcasts.» Zudem seien auch Online-Tests möglich, um den Lernfortschritt zu überprüfen. Ein solches Experiment könne lehrreich sein, auch wenn es für Lehrer eher noch mehr Aufwand bedeute. «Schüler können losgelöst vom Stundenplan lernen.»

Wiederholung nach Probezeit

Auch Sek-Lehrerin Lea Schaad fände es falsch, alle Schüler repetieren zu lassen: «Wenn die Schüler nach dieser langen Zeit ohne regulären Unterricht etwas Wesentliches nicht können, sollten Lehrpersonen in der Lage sein, dies aufzufangen. Sie können einen Gang zurückschalten und das Thema ad hoc repetieren.»

Schaad schlägt vor, alle Schüler nach der Coronakrise wieder normal in ihren Klassen zu empfangen und während einer Probezeit zu schauen, wie gut sie mitkommen. «Wenn es nicht gelingt, sollte ihnen unkompliziert und ohne viel Aufhebens die Chance gegeben werden, die Klasse zu wiederholen.»

Derzeit kaum Aussichten auf Lehrstellen

Sek-Lehrer Sammy Frey sieht die von Sarah Knüsel erwähnten Probleme. «Gerade für schwächere Schüler, die auf eine enge Betreuung der Lehrperson angewiesen sind, ist das Fernlernen eine riesige Herausforderung.» Schon jetzt zeichne sich ab, dass viele Schulen ihre Ansprüche heruntersetzen müssten. «Wir sind erst in Woche 1. Das Problem wird sich noch verschärfen, etwa wenn Lehrpersonen oder Eltern am Virus erkranken.»

Der Ball liege nun bei der Bildungsdirektion und beim Berufsverband. «Sie müssen Lösungen wie ein späteres Schuljahresende diskutieren.» Jugendliche, die am Ende ihrer Schulzeit stehen und den Übertritt in das Berufsleben machen müssen, leiden unter der jetzigen Situation besonders stark und sind verunsichert. «Sie finden zurzeit kaum eine Lehrstelle.»

(zos/daw)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Röschu am 23.03.2020 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht?!

    Das kann ich gut verstehen. So daneben ist diese Frage nicht. Da nützen die So vielen Daumen nach unten nichts. Wenn ein viertel Jahr fehlt, fehlt auch der Stoff für die nächte Klasse. Gar nicht mal so auszuschliessen, die Klasse zu wiederhohlen. Wäre ja nicht weiter schlimm. Hat ja nichts mit schwacher Bildung zu tun, sondern mit einer nicht vorhergesehener sonderlage. Kann sogar Vorteile bringen!

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  • Brushmonkey am 23.03.2020 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Panik und angst schüren

    Die schule und ihre vertreter nehmen sich wieder so wichtig. Alle zurücksetzen. Der stoff kann in einer guten zusmmenarbeit der betroffenen lehrkräfte aufgearbeitet werden. Aber auch hir panik panik panik.

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  • mama40+ am 23.03.2020 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Individuell

    Ich hoffe ja sehr, falls dies in Betracht gezogen wird, dass das individuell pro Schüler entschieden wird. Für ein Kind wäre eine Wiederholung dieses Schuljahres eine Katastrophe, weil es schon jetzt unterfordert ist. Für das andere Kind könnte es die absolut richtige Entscheidung sein, damit es nicht am Leistungsdruck kaputt geht. Aber alle wissen, dass bei 20 Schülern 20 verschiedene Niveaus da sind. VIELEN DANK AN DAS LEHRPERSONAL FÜR EURE GRANDIOSE ARBEIT, DIE IHR IM MOMENT MACHT. BEI UNS FUNKTIONIERT DAS HOMESCHOOLING SUPER. UND DAS BEI DIESER KURZEN VORBEREITUNGSZEIT. BRAVO

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rübli am 01.04.2020 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schule

    jetzt müssen halt die eltern mal lehrnen mit den kinder und zu ihnen schauen und nicht immer nur arbeiten das man sich alles leissten kann und immer die eltern für dumm und faul ansieht woh selber auf die kinder schauen

  • Armin Löwe am 01.04.2020 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Für unsere Kinder währe es Sinnvoll ein Jahr zu wi

    Laut offiziellem Schreiben durch die Schule betreffend den Massnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Corona-Virus steht deutlich geschrieben: Ziel ist es nicht im Lehrplan fortzufahren sondern das erlernte zu vertiefen. Jedoch sehe ich es jeden Montag anlässlich der wöchentlich eintreffenden Wochenpläne: Rechnen: Neues Thema beginnen Seite XY Deutsch: Neues Thema Beginnen Seite XY Usw. Sehr gerne nehme ich mir die Zeit meine Kinder zu unterstützten und zu fördern, jedoch liegt es fern meiner Kompetenz die Kinder im Rahmen des Lehrplans 21 zu unterrichten.

  • oma am 01.04.2020 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schule

    Ich lasse im Moment alles durch . Sie haben schon genug .Keine Kollegen kein Sport bei uns nicht mal Kontakt zu den Eltern also was soll der Stress? Hauptsache er überlebt es ohne Schaden

  • Armin Yaman am 31.03.2020 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Wie auch immer die Unis und Lehrbetriebe dann ohne einen ganzen Jahrgang auskommen sollen, dort ist nämlich das Ende des ganzen Rattenschwanzes. Ein ganzer Jahrgang fehlt dann beim Output, was natürlich erhebliche Folgen hätte...

  • anonym am 30.03.2020 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Last uns doch ein bisschen Zeit

    Ich bin 15 und ich denke, dass es gar kein Problem ist das Von 70-80 Lebensjahren eines wiederholt wird last uns mal alles ruhig angehen man fängt mit 15-16 Jahren (Nicht etwas früh?) eine Lehrstelle an. Das Leben darf ruhig mit 17-18 anfangen dann sind es immer noch 45 Jahre die man arbeitet da sehe ich kein Problem. Denkt nicht nur daran das Einige mit dem Homeschooling unterfordert sind sondern auch daran das es Kinder gibt die keine Unterstützung der Eltern haben an die Sollte man denken für die wäre es eine Chance das Jahr zu wiederholen, genau wie für solche die bis Jetzt schlechte Noten