Zürich

13. Juli 2015 09:22; Akt: 13.07.2015 10:01 Print

Muschelplage steht bevor – Wasserversorger nervös

Wissenschaftler befürchten, dass sich die Quagga-Muschel durch Bootstransporte stark ausbreitet. Das stellt die Zürcher Trinkwasserversorgung vor Probleme.

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Die USA kämpfen schon seit Jahren mit einer Quagga-Muschel-Plage. Das könnte nun auch der Schweiz drohen. (Bild: Andy Cross/ Getty Images )

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Das Erbgut der Quagga-Muschel haben Wissenschaftler der Eidgenössischen Wasserforschungsanstalt Eawag in Dübendorf bis jetzt zwar nur einmal im Rhein in Basel nachweisen können. Doch das wird wohl nicht so lange bleiben, denn sie kann sich in den Seen und Flüssen schnell ausbreiten. «Die Einschleppung der Quagga-Muschel macht die Wasserversorger mit Recht etwas nervös», sagt Lukas De Ventura von der Eawag zum «Tages-Anzeiger».

Diese Muschelart ist nahe mit der Wandermuschel verwandt, die den Wasserversorgern schon seit Jahrzehnten einen enormen Aufwand beschert. Ihre winzigen Larven wachsen auf harten Oberflächen bis zu 2 bis 3 Zentimeter grossen Muscheln. Da sie das auch in den Rohwasserleitungen zu Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen tun, gilt es zu verhindern, dass sie sich an der Leitungsinnenwand festsetzen. Denn sonst breiten sie sich bis zur Aufbereitungsanlage auf, sagt Oliver Köster, Abteilungsleiter Biologie der Stadtzürcher Wasserversorgung.

Noch mehr Aufwand wegen Quagga-Muschel

Die geschieht in Zürich von Mai bis Oktober mit einer monatlichen Stosschlorierung. Dabei wird laut Köster die Seeleitung bei Tiefenbrunnen, die das Rohwasser aus dem Zürichsee zum Pumpwerk führt, während acht Stunden unterbrochen, um die Larven durch eine Chlorfüllung abzutöten. Später wird das Chlor bei der Aufbereitung wieder entfernt.

Breitet sich die Quagga-Muschel einmal in der Schweiz aus, ist es damit wohl nicht mehr getan. Denn diese mag im Gegensatz zur Wandermuschel tiefere Wassertiefen, also dort wo das Trinkwasser entnommen wird wie in Tiefenbrunnen. «Wir müssten wohl schon früher im Jahr mit Massnahmen beginnen – es gäbe noch mehr Unterbrüche», sagt Oliver Köster. Ob allerdings die Chlorstösse allein ausreichen, wisse man noch nicht: «Das müssen wir erst noch austesten.»

Ausbreitung durch Freizeitboote

Das könnte teuer werden. So hat etwa in den USA, wo sich die Quagga-Muschel schon seit 1989 ausbreitet, der Kampf gegen die Tiere den Behörden schon mehrere Milliarden gekostet. Doch das ist nicht das einzige Problem. Laut Eawag-Forscher De Ventura verändern sie wie auch ihre Verwandten Wandermuscheln auch die Nahrungskette in den Gewässern. Sie verhelfen etwa Blaualgen, die Toxine produzieren, zum Wachstum. Das kann die Wasserqualität beeinträchtigten.

Die Wissenschaftler machen nun mit einem Informationsblatt Bootsbesitzer und Platzvermieter auf das Problem aufmerksam. Sie gehen davon aus, dass die Verbreitung der Muscheln hauptsächlich durch den Transport von Freizeitbooten zwischen verschiedenen Gewässern gefördert wird. So gäbe es jährlich etwa 1600 Hochrisiko-Transporte, die der Wandermuschel und künftig vermutlich auch der Quagga-Muschel in der Schweiz die Gelegenheit geben, neue Lebensräume zu finden. Laut den Forschern würde es helfen, vor jedem Transport das Boot mit Hochdruck zu reinigen. Doch vielerorts fehlt es an der entsprechenden Infrastruktur, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alte Frau am 13.07.2015 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ich die Muscheln auf dem

    Bild anschaue, habe ich das Gefühl, dass es die schon seit meiner Kindheit im Zürichsee und in der Limmat gab. Oder gibt es bei uns eine Muschel welche ähnlich aussieht?

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  • Peter am 13.07.2015 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch-Begründung!

    Quagga Muschel: die paar wenigen Boote sind ein Pappenstiel. Wirkliche Ursache der Verbreitung sind die Kormorane, die zu zehntausenden unsere Seen bevölkern. Dank ihnen verbreitet sich die Muschel rasant. Aber Kormoran-Schwärme dürfen nicht reduziert werden, der Vogelschutz heult sofort auf.

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  • tristania am 13.07.2015 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    jaja die bösen tiere

    und wieder sind die tiere und nicht der mensch schuld ihr macht es euch alle immer so einfach.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alte Frau am 13.07.2015 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ich die Muscheln auf dem

    Bild anschaue, habe ich das Gefühl, dass es die schon seit meiner Kindheit im Zürichsee und in der Limmat gab. Oder gibt es bei uns eine Muschel welche ähnlich aussieht?

    • C. L. am 13.07.2015 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gute Frage!

      Ich war letzte Zeit oft an der Aare in Solothurn... an den ufernahen Steinen war teilweise grossflächiger Bewuchs der kleinen Muscheln anzutreffen. Man kann Sie übersehen aber steht fleiss drauf beim Reingehen. Diese sehen aus wie auf dem Bild... gute Frage ob das der einheimische Verwandte ist???

    • Martin am 13.07.2015 15:51 Report Diesen Beitrag melden

      @alte Frau

      Also ich habe noch nie solche Muscheln gesehen in der CH. Aber es gibt natürlich auch Muscheln bei uns. Ich glaube, die heissen "Miesmuscheln" und kleben auch an den Steinen. Wer drauf tritt, verschneidet sich die ganzen Füsse, da die Schalen sehr scharf sind.

    • Hasler am 14.07.2015 10:13 Report Diesen Beitrag melden

      Lesen hilft

      Liest eigentlich keiner mehr die Texte? Ja es gab schon früher Muscheln die so aussehen. Sie nennen sich Wandermuscheln und sind nahe Verwandte der Quagga -Muschel. Steht im Text.

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  • tristania am 13.07.2015 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    jaja die bösen tiere

    und wieder sind die tiere und nicht der mensch schuld ihr macht es euch alle immer so einfach.

  • Peter am 13.07.2015 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch-Begründung!

    Quagga Muschel: die paar wenigen Boote sind ein Pappenstiel. Wirkliche Ursache der Verbreitung sind die Kormorane, die zu zehntausenden unsere Seen bevölkern. Dank ihnen verbreitet sich die Muschel rasant. Aber Kormoran-Schwärme dürfen nicht reduziert werden, der Vogelschutz heult sofort auf.

    • Weiss de Gugger am 13.07.2015 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      ... 10'000e Kormorane ...

      ...wären ein grosses Problem für den Fischbestand. Es sind aber gemäss Zählung 2014 gottseidank nur ca. 1500 Paare in unseren Seen und ob die die Muschel weiterverbreiten?... 10'000e Freizeitboote wäre übrigens eher richtig; sind doch etwa 100'000 zugelassene Provatboote auf schweizer Gewässern unterwegs.

    • Hans am 13.07.2015 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kormorane sind das übel

      Jop . Die kormorane fliegen 100erte km und im gefieder bringen sie unerwartetes mit. Aber lieber ein paar vögel ( über wasser) und dafuer viele veränderungen unter wasser / frau/mann sieht es ja nicht! Liebe wwf und vogelfreunde aufwachen!!!

    • Hasler am 14.07.2015 10:15 Report Diesen Beitrag melden

      Feindbilder

      Klar, ich sehe auch immer wieder Muschelverkrustete Kormorane..... Der Kormoran: Sozusagen der Wolf des Sees und Flusses.

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