Dielsdorf

12. September 2019 13:53; Akt: 12.09.2019 14:05 Print

Mutter soll Kind (1) mit Bügeleisen verletzt haben

Eine junge Mutter soll ihrem 13 Monaten alten Sohn ein heisses Bügeleisen ans Gesicht gehalten haben. Der Fall wurde am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Dielsdorf verhandelt.

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Eine 24-jährige Mutter musste sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Dielsdorf verantworten. Sie soll im November 2013 ihrem 13 Monate alten Sohn ein heisses Bügeleisen an die Wange gedrückt haben. Es erlitt Verbrennungen zweiten Grades. Die Tat bestreitet die Frau, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Den Ärzten, der Polizei und der Staatsanwältin habe sie verschiedene Versionen erzählt. Einmal schilderte sie den Vorfall so, dass ihr Kind das Bügeleisen vom Bügelbrett heruntergezogen habe, es eingeschaltet und sich verbrannt habe. Ein anderes Mal erzählte sie, dass ihr Mann das Bügeleisen eingeschaltet stehen gelassen habe. Als es passierte sei, habe er aber geschlafen und sie selbst die Post geöffnet. Erst als ihr Sohn geschrien habe, bemerkte sie, dass etwas passiert sei.

Sie kann sich nicht mehr erinnern

Ihre unterschiedlichen Aussagen gegenüber den Ärzten, der Polizei und der Staatsanwaltschaft erklärt die 24-Jährige so, dass sie zum Zeitpunkt sehr verwirrt gewesen sei. Laut dem Bericht habe sie sich nicht mehr erinnern können, was sie genau gesehen habe. Ob das Kind das Bügeleisen in dem Moment in der Hand gehabt habe oder ob es auf dem Boden gelegen habe, ob das Kind gestanden habe oder gesessen oder gekrabbelt sei – all das konnte die Mutter nicht sagen. Was sie sicher wisse, sei, dass es einen Unfall gewesen sei.

Gutachten halten laut «Tages-Anzeiger» klar fest, dass das Verletzungsbild überhaupt nicht mit dem angeblichen Unfallhergang übereinstimmt. Die Backe sei zweimal mit dem heissen Eisen in Kontakt gekommen. Auch habe ein Kleinkind nicht die Kraft, ein Bügeleisen sich selbst ans Gesicht zu halten – und das noch zweimal.

Schwere Körperverletzung

Es sei nur ein glücklicher Zufall, dass die Wunde ohne bleibende Schäden verheilt sei, so die Staatsanwältin. Sie verlangte eine Strafe von 36 Monaten wegen versuchter schwerer Körperverletzung, davon 18 Monate unbedingt. Der Verteidiger forderte einen Freispruch. Er stützt sich vor allem auf die Akten der Kesb, die von der Kinderschutzgruppe am Kinderspital Zürich alarmiert wurde, weil die Eltern den Unfallhergang im Spital nicht schlüssig erklären konnten.

Die Behörde ordnete eine Intensivabklärung an, dann eine Familienbegleitung, die vor einem Jahr beendet wurde. Der Verteidiger sagt, dass es nie Gründe für Kritik an der Mutter gegeben habe. Seine Vermutung: Das Kind zog das heisse Bügeleisen am Kabel vom Brett auf den Boden, krabbelte hin und verletzte sich dann.

Die Verhandlung ging ohne Urteil zu Ende. Der Richter konnte laut dem Bericht den Aussagen der jungen Frau nicht grossen Glauben schenken. Aber er will ein weiteres Gutachten erstellen lassen, das klären soll, ob die These des Verteidigers plausibel sein könnte.

(lar)