Pilotprojekt

19. Dezember 2017 12:12; Akt: 19.12.2017 17:03 Print

«Wir sehen keinen Bedarf für Leih-Scooter in Zürich»

Helm aufsetzen, losfahren und abstellen, wo man will – so lautet das Prinzip der Leih-Elektroroller, die ab Frühjahr 2018 in Zürich unterwegs sein sollen.

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Bis zu 1000 E-Scooter sollen im ersten Jahr in Zürich platziert werden.

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Die gelb-grauen Leihvelos von O-Bike sorgten im vergangenen Sommer für viel Gesprächsstoff in der Stadt Zürich. Auch weitere Leihvelo-Anbieter wie etwa Limebike aus den USA wollen in der Stadt Zürich Fuss fassen. Wie das Onlineportal Watson.ch schreibt, gibt es ab dem Frühjahr 2018 gar noch mehr Konkurrenz – mit deutlich mehr PS. Nämlich Leih-Systeme für Elektro-Roller.

Das ist bis jetzt bekannt: Tiefbauamt-Vorsteher Filippo Leutenegger (FDP) hat für vier Anbieter und total 1000 E-Roller grünes Licht gegeben. Die Elektro-Scooter sind auf 45 km/h gedrosselt und dürfen nur auf Zweirad-Abstellplätzen parkiert werden – und diese zu nur maximal zehn Prozent belegen. Falsch oder überzählig parkierte Scooter werden von Entsorgung und Recycling (ERZ) kostenpflichtig abgeschleppt.

Voraussetzungen zur Nutzung: Um die Stromroller fahren zu können, muss man sich auf einer App registrieren und Führerschein, Personalausweis sowie Kreditkarte hinterlegen. Die meisten Anbieter werden ein Mindestalter von 21 Jahren verlangen. Dazu werden ein oder zwei Helme in einer Box oder unter den Sitz legen

Der Kritiker: Markus Knauss, Co-Geschäftsführer von der Zürcher Sektion des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS), sieht diesen Pilot-Versuch der Stadt als problematisch. Die Zunahme an Personen, die den öffentlichen Verkehr brauchen, und der Velo-Boom brauchen Platz, den es aber gar nicht mehr gäbe. «Ein Modell, das wieder mehr Platz braucht, passt da nicht hinein», so Knauss. Auch sehe der VCS kein Bedarf an Leih-Scootern: «Für E-Roller sehen wir auch keinen Bedarf, weil Elektrovelos schon diese Nische besetzen.»

Der Verkehrsforscher: Der ZHAW-Verkehrsexperte Thomas Sauter-Servaes ist da anderer Meinung. «Sharing-Systeme sind ein richtiger Ansatz, um unseren Verkehr effizienter zu gestalten.» Speziell der Roller sei eine gute Lösung: «Wir sind immer häufiger allein unterwegs – deshalb hat der Scooter die Ideale Grösse.» Ob dieser Service tatsächlich Mehrverkehr verursache, kann Sauter-Servaes nicht prognostizieren. «Es wird sich zeigen müssen, ob die neue Sharing-Option Autofahrer zum Umsteigen auf die kleinen Scooter bewegen oder nicht doch eher die bisherigen öV- und Velonutzer dieses Angebot nutzen.»

Die Erfahrenen: In verschiedenen europäischen Städten sind die Sharing-Scooters schon präsent, so auch in München. «Wir begrüssen solche Fahrzeuge und Systeme in unserer Stadt, da sie Platz sparen», sagt Johannes Mayer, Sprecher des Münchner Kreisverwaltungsreferats, das für das Verkehrsmanagement zuständig ist. «Bis jetzt haben wir keine negativen Erfahrungen mit den Leih-Rollern gemacht.» Als Stadt solle man auf die Qualität achten und die Zusammenarbeit mit den Anbietern suchen.

In der österreichischen Hauptstadt Wien klingt es ähnlich: «Unsere Erfahrungen mit den Miet-Scootern sind bis jetzt positiv bis nicht auffällig», so Sprecher Andreas Baur. Im Vergleich zu herkömmlichen Autos seien Roller enorm platzsparend, was in einer engen Stadt ein grosser Pluspunkt sei. Auch Vandalismus ist laut Baur kein Thema. Denn: «Der Anmeldeprozess bringt gewisse Verbindlichkeiten, weshalb wir da keine Probleme sehen.»

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredi am 19.12.2017 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Haben wir nicht schon genug Fahrräder und Roller welche sich zum Teil nicht an das Strassenverkehrsgesetz halten in der Stadt Zürich. Anscheinend nicht. Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 kmh sind wiederum ein Hindernis mehr. Jedermann/frau ab 21 Jahren darf diese fahren. Ohne Fahrpraxis einfach so, ein Witz.

  • Bättig, Zürich am 19.12.2017 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz!

    Wer kontrollt jeweils den technischen Istzustand dieser Roller. Eher gefährlich. Und Herrn Stadtradt P.L. lege ich nahe, nicht künstliche Populariät aufzubauen mit dieser mobilisierenden Schnapsidee beim (krampfhaften) Erobernwollen des Stapi-Sessel.

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  • Nationless am 19.12.2017 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welten zwischen Züri und Mailand

    Als ich kürzlich in Milano Centrale ankam, sah ich eine herkömmliche Car and Scooter Share Agency welche man hier im HB nirgends finden kann, weil es für Stadtzürcher eine Sünde wäre mit Verbrenner ihre schöne Stadt zu verpesten. So will man sogar weniger Parkplätze am HB, so das man Besucher nicht begleiten kann. Viele sind gar ideologisch so verblendet, dass sie nicht einmal E-Autos tolerieren weil sie anscheinend zu viel Platz brauchen. Für mich brauchen die Grünen zu viel Platz und weniger die Autos.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nationless am 19.12.2017 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welten zwischen Züri und Mailand

    Als ich kürzlich in Milano Centrale ankam, sah ich eine herkömmliche Car and Scooter Share Agency welche man hier im HB nirgends finden kann, weil es für Stadtzürcher eine Sünde wäre mit Verbrenner ihre schöne Stadt zu verpesten. So will man sogar weniger Parkplätze am HB, so das man Besucher nicht begleiten kann. Viele sind gar ideologisch so verblendet, dass sie nicht einmal E-Autos tolerieren weil sie anscheinend zu viel Platz brauchen. Für mich brauchen die Grünen zu viel Platz und weniger die Autos.

  • Marius Fisch am 19.12.2017 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    F.L. neuster Streich gegen die Stadt

    Falsch oder überzählig parkierte Scooter werden von Entsorgung und Recycling (ERZ) kostenpflichtig abgeschleppt. Das wurde uns doch schon bei den O-Bikes versprochen und nix passiert. Der Schrott steht buchstäblich im Weg rum.

  • A.a. am 19.12.2017 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tzz

    Für was? Wieder Müll der rumstehen wird.

  • Martin S. am 19.12.2017 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Prinzip des Sharing ist grundsätzlich gut...

    ...aber wir haben Züri-Velo, oBike. Diese zwei sind umweltfreundlich und sind wahre Helfer wenn man kurz irgendwo hin will aber kein Velo besitzt. Mobility ist als Sharingprinzip sicher umweltfreundlicher als das jeder sein eigenes Auto hat. Personen die den neuen Service in Anspruch nehmen, haben sicherlich mehrheitlich keine Motorrad-Erfahrung. Und das in der Stadt Zürich mit dem vielen Verkehr, ob Autos, Lastwagen, andere Motorräder, Velos und vor allem Fussgänger. Da macht mir die Vorstellung das jeder über 21 Jahre mit 45 km/h durch die Stadt kurvt schon ein wenig Angst!

  • Merlin am 19.12.2017 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chaos pur

    Schon die an allen Strassenecken abgestellten gelben und grünen Bikes nerven und verschandeln das Stadtbild.

    • Karl Karli am 19.12.2017 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Merlin

      Sie regen sich auf über diese. Aber mich nerven die Tausende Velos am HB. Alles verrostete Velos? Chaos pur! Die bezahlen nicht mal eine Parkgebühr!

    • Chrümel am 19.12.2017 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl Karli

      Da sollten Sie einmal nach Amsterdamm gehen.

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