Machtmissbrauch

11. Mai 2018 04:17; Akt: 11.05.2018 07:43 Print

Wieder Mobbing an der ETH Zürich

Zurzeit laufen Untersuchungen im Umfeld von drei ETH-Professorinnen und -Professoren, die ihre Doktoranden ausgenutzt haben sollen.

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Die Doktoranden kritisieren die Arbeitsverhältnisse mit ihren Professoren: Die ETH Zürich. (Archivbild)

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Ein Vorfall im letzten Herbst brachte der ETH Zürich einen unerwarteten Imageschaden. Eine Professorin des Instituts für Astronomie soll jahrelang Doktoranden schikaniert haben. Sie wurde in ein Sabbatical geschickt, das Institut aufgelöst.

Das soll kein Einzelfall sein, wie Recherchen des «Tages-Anzeigers» zeigen. Es laufen noch weitere Untersuchungsverfahren gegen Professoren – eines im Maschinenbaudepartement. 14 Doktoranden mussten sich eine neue Betreuungsperson suchen, weil die Schulleitung dem Professor die Betreuungskompetenz entzogen hat. Der Grund: gravierende Mängel in der Führungskompetenz.

Professor hat selbst gekündigt

«Wir hatten in den letzten Monaten teilweise unhaltbare Zustände», sagt ein Doktorand der Zeitung, der anonym bleiben will. «Er hatte ein grosses Fachwissen, seine Betreuung war jedoch unterirdisch.» Beleidigungen, übermässige Arbeitsbelastung und Kommunikationsprobleme hätten zur Tagesordnung gehört.

Der betroffene Professor im Maschinenbaudepartement hat derweil selbst gekündigt, wie die ETH-Medienstelle gegenüber der Zeitung erklärte.

Antonio Togni ist seit zwei Jahren Prorektor für das Doktorat an der ETH. Er hatte mit über 40 Doktorierenden aus elf verschiedenen Departementen Kontakt, die Probleme mit ihren Vorgesetzten hatten. Er bestätigte gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass zurzeit Untersuchungen im Umfeld von drei Professorinnen und Professoren laufen. «Grobes Fehlverhalten» sind die Vorwürfe.

ETH-Leitung unter Druck

Togni hat eine Analyse gemacht, die sich mit dem Istzustand des Doktorats an der ETH auseinandersetzt. Darin geht es auch um das «Fehlverhalten in der Betreuung». 24 Prozent der befragten Doktorierenden geben an, dass ihr Professor seine Machtposition bereits einmal missbraucht habe. Am meisten werden lange Arbeitszeiten und Wochenendarbeit kritisiert. Weitere Missstände: Lohn als Druckmittel, keine Ferienplanung oder respektloser Umgang.

Laut dem «Tages-Anzeiger» ist der Druck auf die ETH-Leitung in den letzten Monaten stark gestiegen. Die Mobbing-Affäre könnte die Wiederwahl von Präsident Lino Guzzella gefährden. Seine Amtszeit endet Ende Jahr.

(chk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arbeiter am 11.05.2018 05:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt sicher noch mehr solche Chefs

    Mhh es gäbe da noch andere Chefs welche man auf ihre Führungskompetenz überprüfen sollte!!!

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  • Sabai am 11.05.2018 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mobbing, Bossing, Persönlichkeitsrechte, das ist d

    Jetzt muss man sich nicht mehr fragen, warum unsere jungen CEO keine soziale Kompetenz mehr haben. Irgend wann färbt sich das gelernte auf die Studenten ab und unter Leistungsdruck wird das Mobbing, Bossing und verletzen der Persönlichkeitsrechte zum alltäglichen Problem für die Mitarbeiter. Habe persönlich diese Erfahrung gemacht, nicht mal das Compliance vom Konzern hat reagiert, traurig aber wahr.

  • Yahe am 11.05.2018 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doktorandin

    Das kenn ich sehr gut ! Passiert mir seit 4 Jahren . Demnächst wenn sich keine Wendung ergibt , werden Sie von mir und 2 andere Kolleginnen auch was lesen muessen . Wir werden seit Jahren angelogen bezüglich der Korrektur unserer arbeiten . Es ist zwar nicht eth aber Uni Zürich .

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc Metitpermet am 11.05.2018 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Menschliche Abgründe in IT

    Leider sind die Begebenheiten auch bei Angestellten zu beobachten. Die selbstverliebte Willkür traf mich auch, wurde genötigt zu unterschreiben und konnte in meinem Alter nachher keinen Job mehr finden. HR und Ombudsstelle waren nutzlos. Raus aus der Pensionskasse und mittlerweile Sozialamt. Dreckiger gehts kaum. Wenns um Sozialkompetenz, leben und Zukunft von Menschen geht, ist da Nichts. Man begeht da auch schon mal ohne die Wimpern zu zucken, sozialen Mord mit Freistellungen. Die Verantwortlichen haben keine Ahnung und sind sich der Tragweite solcher Entscheide nicht bewusst.

  • @Prof. Dr. Dr. Wunderlich am 11.05.2018 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer will auch noch?

    Nachdem bald alle doktorieren auf jedem erdenklichen Gebiet, ist es nicht erstaunlich, dass das Niveau in vielen Bereichen auf ein Tiefstniveau gefallen ist. Nicht Bildung und Kenntnis zählen, sondern Beharrlichkeit mit juristischer Unterstützung und Drohen, die Öffentlichkeit zu informieren! Wen wundert es, dass viele Promovierte danach keinen Job finden?

  • Urspeter H. am 11.05.2018 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar...

    liegt es vielleicht daran, dass man viele von ihnen in der späteren Arbeitswelt nicht gebrauchen kann?

  • Fabian R. am 11.05.2018 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sklaventreiberei 

    Noch viel schlimmer läuft es bei gewissen Professoren des Instituts für organische Chemie.

  • Angehende Lehrperson am 11.05.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    In der UZH ist es genau gleich

    Dasselbe geschieht in der UZH ohne Pause. Vor allem erleben wir dies jetzt im Lehrdiplom für Maturitätsschulen. Unglaublich wie leichtsinnig und unfair die Dozent/innen über die berufliche Zukunft der angehenden Lehrpersonen entscheidet.