Abstimmung im Aargau

05. Februar 2018 05:51; Akt: 05.02.2018 05:51 Print

Studenten sollen Teil von Stipendien zurückzahlen

von T. Mathis - Die Aargauer stimmen im März über ein geändertes Stipendien-Gesetz ab. Demnach sollen Studenten einen Drittel des Beitrages zurückzahlen. Das sorgt für Zündstoff.

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Studenten sollen einen Drittel der Stipendien als Darlehen erhalten und nach Abschluss ihrer Ausbildung in Raten zurückzahlen. Diese Neuerungen, über die die Aargauer Bevölkerung am 4. März abstimmt, ärgert die Jungsozialisten. Sie sehen die Chancengleichheit gefährdet.

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Sollen Studenten ein Teil der Stipendien zurückzahlen müssen?

«Gerade jene Studierenden, die Stipendien erhalten, kommen aus finanzschwächeren Familien. Ihnen noch zusätzlich Schulden aufzubürden, ist unfair», sagt Juso-Co-Präsidentin Mia Jenni, die selbst nicht auf Stipendien angewiesen ist. Untersuchungen aus anderen Kantonen hätten gezeigt, dass sich die Anzahl Studenten erhöhe, die ihr Studium abbrechen, wenn sie gezwungen wären, neben dem Studium zu arbeiten.

«Aargau würde zum Schlusslicht»

Die Gesetzesänderung sei ein erneuter Abbau im Bildungssystem im Namen des Sparprogramms. «Der Spareffekt ist aber gering, weil die Studierenden mehr arbeiten und so länger studieren müssen, was den Aargau zusätzlich mehr Ausgleichszahlungen an die Hochschulkantone kostet», so die 23-jährige Studentin. Stimme das Volk der Änderung zu, würde der Kanton Aargau zum Schlusslicht in der Stipendien-Statistik. «Das ist ein trauriges Zeugnis.»

Die Aargauer Jungfreisinnigen sind anderer Meinung: «Es ist den Studenten zumutbar, ein Drittel des Stipendiums später wieder zurückzuzahlen», sagt ihr Präsident Stefan Ammann. Nachdem der Grosse Rat für das zinslose Darlehen gestimmt habe, biete die Vorlage eine ausgewogene Lösung. Letztlich hätten die Studenten nach Abschluss zwölf Jahre Zeit für die Rückzahlung.

«Chancengleichheit bleibt gewährleistet»

Für ihn ist das auch eine Geste der Dankbarkeit. «Das Studium wird finanziell schwächeren gestellten Personen nach wie vor ermöglicht», so der 25-jährige Student. Eine Rückzahlung sei zudem fair gegenüber den Lernenden. Im Auge behalten müsse man, ob es tatsächlich zu einer Verlängerung der Studienzeit komme.

Anlass zur Anpassung des Stipendien-Gesetzes war der Beitritt des Kantons Aargau zum kantonalen Konkordat über die Stipendien. Im Rahmen der Umsetzung mussten die Regeln für die Vergabe von Ausbildungsbeiträgen an Ausländer verschärft werden. Dabei beschloss der Grosse Rat auch die Einführung des sogenannten Splitting-Modells, das vorsieht, dass Studenten ein Teil der Stipendien zurückzahlen müssen. Davon betroffen sind rund 1200 Studenten.

Jährlich 2,4 Millionen Franken einsparen

Gegen diese Neuerung haben 49 der 140 Mitglieder des Grossen Rats das Referendum ergriffen. In der Abstimmungsvorlage argumentiert die Regierung, dass die Anpassung einen Beitrag zur Stabilisierung des Staatshaushalts leiste. Laut Rechnung der Regierung kommt es zu jährlichen Einsparungen von 2,4 Millionen Franken.

Sind Sie von der Änderung des Stipendienwesens betroffen? Hat die Neuerung Folgen auf Ihr Studium? Dann melden Sie sich mit Betreff STIPENDIEN bei feedback@20minuten.ch.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Student am 05.02.2018 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    Geben ist seliger denn Nehmen

    Habe selber auch Stipendien bekommen und bin auch bald mit dem Studium fertig. Bin absolut dafür, dass man die Stipendien nach dem Studium zurückzahlt, wenn man einen guten Job danach hat. Kann die Meinung als Betroffener mit der Juso überhaupt nicht teilen, schliesslich besteht das Leben nicht nur von Nehmen, sonder auch von Geben.

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  • Zhch89 am 05.02.2018 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Analog deutschland

    Gutes beispiel voran, in deutschland ist auch ein teil des bafögs rückzahlungspflichtig. Vor allem verdienen studienabgänger meist mehr. Die anzahl jahre an stipendienzahlungen sollte zudem eingegrenzt werden, dass die regelstudiumszeit meist eingehalten wird!

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  • TheRealSchnauz am 05.02.2018 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lol

    Aber dann lieber fertig studierte aus DE holen da billiger. Bravo. Liegt ja in der Nähe.

Die neusten Leser-Kommentare

  • xerox am 05.02.2018 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Berechnung?

    Wurde da alles berechnet? Denn Schulden werden von den Steuern abgezogen, und schlussentlich muss der ehemalige Student weniger Gemeine, Kantons und Bunessteuer bezahlen. Mit Glück gleich eine Progression weiter unten.

  • Büezer am 05.02.2018 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Heute will ja jeder...

    Heute will jeder Doktor, Jurist usw. werden... Leute es braucht auch die einfachen Büezer. In der Schweiz wollen die Jungen nur noch studieren, dem Büezer auf der Tasche liegen und danach gross absahnen. So nicht ! Für viele wärs glaub lehhreicher mal wieder richtig anzupacken. Sehe es im Betrieb. Super Zeugnisse und was weiss ich nicht alles für Diplome aber zu blöd für einfachste Arbeiten. Das ist meine Meinung.

  • Broetli am 05.02.2018 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparen sparen sparen

    Die nächste Schlappe für das - noch - bürgerliche Parlament.

  • Jonas Achermann am 05.02.2018 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Moral der Bünzlis

    Na klar meine klugen Schweizer. Milliarden für Kapfflugzeuge ausgeben und dann aber von den armen Studenten das Geld zurück verlangen? Wie tickt ihr eigentlich?!

  • j.w. am 05.02.2018 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so ein Quatsch

    Bein selber Student, erhalte keine Stipendien da meine Eltern Eigentum besitzen (Haus). Zahle alle meine Ausgaben selber und arbeite in den Ferien 100% und während dem Vollzeitstudium 20%. Ich finde es fair, dass Studenten welche Stipendien erhalten einen Teil nachdem Studium zurück zahlen sollen!