Wiedikon (ZH)

15. Juni 2011 18:09; Akt: 15.06.2011 18:31 Print

Neun Jahre für Tötung der Ehefrau

von Attila Szenogrady - Wegen vorsätzlicher Tötung muss ein 36-jähriger Heizungsmonteur neun Jahre hinter Gitter. Er hatte seine Ehefrau mit 30 Messerstichen entstellt und brutal erwürgt.

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Das Bezirksgericht Zürich hat am Mittwoch den goldenen Mittelweg eingeschlagen. Unbestritten war, dass der heute 36-jährige Schweizer am 29. November 2008 in seiner Wohnung in Zürich-Wiedikon seine damals 39-jährige Ehefrau nach einem heftigen Streit brutal umgebracht hatte. Er stach dabei 30mal auf den Körper der Geschädigten ein und würgte sie so stark, bis er ihr den Kehlkopf brach.

Dem Verbrechen war eine mehrjährige, zerrüttete Ehe vorangegangen. Der Streit drehte sich vor allem um die drei eigenen Kinder der aus Santo Domingo stammenden Frau. Er wollte von diesen nichts wissen.

Weder Mord noch Totschlag

Laut Staatsanwalt Markus Imholz lag ein Mord vor, der eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren verdient hätte. So habe der Beschuldigte das Opfer voller Hass grausam getötet und dabei eine tiefe Gefühlskälte offenbart. Der Verteidiger sprach dagegen von einem Totschlag, da sein Klient in einem entschuldbaren Affekt gehandelt habe. Im schlimmsten Fall seien fünf Jahre Freiheitsentzug angebracht.

Das Gericht lehnte beide Anträge ab und würdigte die Tat als vorsätzliche Tötung. Die vorgebrachte Gefühlskälte passe nicht zum plötzlichen Wutausbruch des Mannes, erklärte der Vorsitzende Roland Heimann. Auch ein abgrundtiefer Hass sei dem Angeklagten nicht nachzuweisen, sagte er und schloss damit einen Mord aus. Aber ebenso einen Totschlag, da der Affekt des Täters in keiner Weise entschuldbar sei. Ein anderer rechtlich gesinnter Mensch hätte unter denselben Bedingungen nicht so gehandelt, zeigte sich Heimann überzeugt.

Strafreduktion dank Gutachten

Aufgrund eines Gutachtens, welches dem Mann eine verminderte Schuldfähigkeit im mittleren Grade attestiert und dem Geständnis kam es zu einer deutlichen Strafreduktion auf neun Jahre Freiheitsentzug. Grundsätzlich betrug die Einsatzstrafe ursprünglich 18 Jahre.

Während des Strafvollzugs ordnete das Gericht eine ambulante Psychotherapie für den Beschuldigten an.