13. Mai 2008 11:45; Akt: 13.05.2008 12:06 Print

Nobelrestaurant erlässt Kinderverbot

von Marius Egger - Wer einen Abend im noblen Restaurant L’O in Horgen verbringen will, muss sein Kleinkind zu Hause lassen. Man wolle kein Geschrei, hiess es dort, sehr zum Erstaunen einer hungrigen Mutter.

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Eigentlich wollte sich Paola Dalla Nave mit ihrem Partner und der dreijährigen Tochter einen schönen Abend machen und im Restaurant L'O in Horgen ZH gediegen essen gehen. Doch der geplante Abend wurde abrupt beendet.

«Als ich einen Tisch reservieren wollte, teilte man mir mit, wir seien nur willkommen, wenn ich garantieren könne, dass meine Tochter nicht schreien werde». Ein Versprechen, das die verdutzte Dalla Nave bei einem dreijährigen Kind schwer abgeben konnte. Kaum hatte sie dreimal leer geschluckt, teilte man ihr weiter mit, dass das Restaurant weder Kinderstühle noch Kindermenüs bieten könne und Kinder erst ab acht Jahren willkommen seien. «Mir wurde mitgeteilt, dass die anderen Gäste einen Babysitter organisieren und die Kinder zu Hause lassen würden», so Dalla Nave.

Die feurige Italienerin ist empört. «In Mailand wäre so etwas undenkbar. Dort sind die Kinder mehr als willkommen.» Sie frage sich, wie die Kleinen lernen sollten, sich in einem Restaurant richtig zu benehmen, wenn man sie gar nicht erst hineinlasse.

«Wir stehen dazu»

Der Inhaber des Restaurants L’O, Douglas A. Bopp, bestätigt auf Anfrage die Praxis. «Am Abend wollen wir im Restaurant keine Kleinkinder.» Die Entscheidung sei «auf mehrfachen Wunsch unserer Gäste» erfolgt. Viele hätten sich ob des Kinderlärms gestört gefühlt, sagt Bopp. «Wir mussten einen Entscheid fällen und stehen dazu, weil sich die Mehrheit der Kundschaft ohne Kinder wohl fühlt.»

Laut Bopp kamen in den letzten drei Jahren nebst «zahlreichen positiven Reaktionen nur drei konkrete Reklamationen. Wir können es leider nicht allen recht machen.» Die Regelung gelte nur am Abend, sagt der Geschäftsführer.

Für Paola Dalla Nave ist trotzdem klar: «In dieses Restaurant gehe ich nicht mehr. Selbst wenn ich ohne Kind unterwegs bin.» Die Italienerin ist enttäuscht: «Es ist wirklich traurig, wie intolerant gewisse Schweizer Bürger sind. Kein Wunder, gibt es hier so wenig Kinder.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.K. am 13.05.2008 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    naja...

    Wer unbedingt in ein Nobelrestaurant will, muss mit solchen Nobeln Regeln halt leben... Ich kenne viel besser Restaurants in Zürich, wo man fürs Geld auch was kriegt.... Ach, immer die lieben Bonzen....

  • Kathy am 13.05.2008 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    wozu diskutieren?

    Auch der perfekt erzogene 3jährige Knirps kann nicht stundenlang stillsitzen. Man tut den Kleinen so oder so keinen Gefallen, wenn man sie zum Essen mitschleppt. Und schon gar nicht abends in einen Gourmet-Tempel, wo man stundenlang sitzt... Das Benehmen wird im Übrigen daheim beigebracht...

  • Marc am 13.05.2008 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch!

    Das ist typisch für unser Land. Fröhliche Kinder, nota bene, spätere Gäste dürfen nicht ins Restaurant. Wo sind wir denn hier? Im falschen Film, gut zu wissen, wie dieses Lokal geführt wird. Hier fällt es einem schwer, nicht beleidigend zu werden. Pfui!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel am 21.04.2012 01:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ich begrüsse das

    Familien werden dermassen bevorzugt gegenüber den kinderlosen arbeitenden Paaren. Familien Rabatt hier und da. Aber wir als arbeitende Doppelverdiener wollen auch gerne mal in ein Restaurant oder den Wocheneinkauf erledigen ohne das und ein Kinderwagen in die Hacken fährt und wir auch einmal in Ruhe Essen können ohne das sich ein Paar mit seinem Wurf in der Öffentlichkeit brüsten muss. Klar, Elternstolz über alles, aber müssen Sie gleich rücksichtslos zu zweit einkaufen mit einem zusätzlichen Einkaufsspezialwagen, alles blockieren und die Ladenpassage zum persöhnlichen Spielplatz erklären?

  • Daniel am 18.06.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Sind das unsere Probleme?

    Ja stimmt, wir Schweizer sind intolerant... gegenüber denen, die andere Bedürfnisse haben. Will man mit einem Kind in ein Restaurant, dann läuft man in ein x-beliebiges und hat gute Chancen, gerne und freundlich bedient zu werden. Erfährt man von EINER Adresse, wo man eine ruhige Atmosphäre hat, muss man gleich zum Boykott aufrufen. Ist man so arrogant, dass man unter allen Umständen und überall freien Einlass verlangen will? Muss man das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung gleich als "Kinderfeindlichkeit" bezeichnen und sich in pindarischen Flügen über Rente / Zukunft verlieren?

  • Stefan am 29.03.2010 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    typisch Schweiz halt....

    Der Werbespruch der Zürcher Polizei "Erlaubt ist, was nicht stört" bringt das Vorgehen des Restaurants und des Bünzlis Seelenzustand auf den Punkt. Nirgendwo anecken und selbst ja in Ruhe gelassen werden...der Kult des gemeinsam gepflegten Egoismus halt eben! Diejenigen, die sich so über Kinder nerven, scheinen vergessen zu haben, dass gerade die heutigen Kinder (vorab älteren) Frustrierten mal ihre Rente zahlen werden. Nur schon deshalb wäre etwas mehr Nachsicht gegenüber Kindern wünschenswert, denn sie sind die Zukunft!

  • Andrea Mordasini, Bern am 05.03.2010 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Kinderfeindlichkeit ist traurig!

    Noch schlimmer sind jene, die Kinder tatsächlich mit Rauchern und Hunden gleichsetzen und alle aus den Restis verbannen wollen. Dass Raucher ihre Gesundheit und jene Dritter durch Passivrauchen gefährden, ist hinlänglich bekannt. Dass Kinder ebenfalls gesundheitsschädigend sein sollen, ist mir jedoch neu. Da stellen sich mir, einem sehr toleranten zweifachen Mami die Nackenhaare. Liebe Antikinderleute: seid bitte ein wenig toleranter und schaltet zuerst einmal, falls vorhanden, Euren (gesunden) Menschenverstand und Euer Hirn ein, bevor Ihr solch dämliche und verletzende Sprüche klopft, merci

  • Andrea Mordasini, Bern am 05.03.2010 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte mehr Toleranz + Rücksicht - merci!

    Die vielen kinderunfreundlichen Kommentaren machen mich, ein Mami zweier Kleinkinder, traurig und wütend! Natürlich gehe ich mit meinen Kids nicht zwingend in Nobel-Restis, soviel zum Thema gesunder Menschenverstand. McDonalds und Co. sind aber auch keine Alternativen! Wart Ihr denn nie Kinder, nie laut oder seid Ihr gleich als ruhige wohl Erzogene Erwachsene zur Welt gekommen? Wohl kaum! Also, dann überlegt doch zuerst ein wenig, bevor ihr solch verletzenden Unsinn schreibt! Kinder gehören zum Alltag und zum Leben - sie sind unsere Zukunft, die Gäste von morgen! Vergesst das bitte nicht, merc