Sechseläutenplatz Zürich

28. September 2014 11:24; Akt: 28.09.2014 17:03 Print

Opernhaus stört sich an gewissen Anlässen

Tier-Kot, Abfallcontainer und LKW-Anhänger von Zirkussen auf dem Zürcher Sechseläutenplatz stören das Opernhaus-Publikum – und dessen Direktor. Er hätte generell lieber weniger Anlässe.

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Der Kragen ist Opernhaus-Intendant Andreas Homoki am 21. September geplatzt. An jenem Tag ging die Premiere der Wagner-Oper Lohengrin über die Bühne, derweil auf dem Sechseläutenplatz vor dem Opernhaus die letzte Vorstellung des Circus-Monti-Gastspiels stattfand. «Abfallcontainer, LKW-Anhänger, aber auch Tier-Exkremente direkt vor unserem Eingang werden nicht nur vom Opernhaus-Publikum als problematisch empfunden», sagte Homoki der «NZZ am Sonntag».

Deswegen traf er sich vergangene Woche mit Polizeivorsteher Richard Wolff (AL), der für die Bewilligungen auf dem Platz zuständig ist. Homoki weibelte «als einziger direkter Anrainer» für ein Mitspracherecht des Opernhauses bei der Belegung des Platzes. Zudem regte er einen Mindestabstand zwischen den Veranstaltungen sowie seinem Gebäude an. Schliesslich plädierte er dafür, dass das Opernhaus den Status eines ständigen Nutzers erhält – analog etwa zum Sechseläuten oder dem Zurich Film Festival.

Nur an 97 statt 120 Tagen frei

Damit stösst er aber bei der Stadt auf taube Ohren: «Bei der Bewilligung für die Benutzung des öffentlichen Grundes werden in besonderen Fällen Anrainer angehört, sie haben jedoch keine formelle Mitbestimmung», schrieb Pio Sulzer, Sprecher des Tiefbaudepartements, der «NZZ am Sonntag». Auch von einer Statusänderung will die Stadt nichts wissen. Das bedeutet: Wenn das Opernhaus – wie im vergangenen Juni – wieder mal eine Leinwand für eine gratis Opernübertragung auf den Platz stellen will, braucht es auch künftig eine Bewilligung.

Homoki hätte generell lieber weniger Anlässe auf dem Platz – so wie es im Nutzungskonzept der Stadt eigentlich vorgesehen wäre. Demnach hätte der Platz zwischen März und Oktober an 120 Tagen frei sein sollen – effektiv waren es dann nur 97. Zumindest in diesem Punkt erhält er von der Stadt Zustimmung: «Das Problem ist erkannt», schreibt das Tiefbaudepartement dazu.

«Wir haben gar keine Tiere»

Beim Circus Monti reagiert man erstaunt auf die Kritik von Homoki: «Vor allem auch, weil wir gar keine Tiere halten», sagt der Medienverantwortliche Stefan Gfeller zu 20 Minuten. Er habe zwar ein gewisses Verständnis, da es sich tatsächlich um eine Art Vorplatz des Opernhauses handle, «doch schade ist, dass Herr Homoki das Gespräch mit uns gar nicht gesucht hat.» Gfeller wünscht sich weiter, dass sich Homoki «ein bisschen weniger wichtig nehmen und seinen Blick über die Terrasse des Opernhauses richten würde». Schliesslich habe Monti alle Auflagen eingehalten und den Platz der Stadt ohne Beanstandungen zurückgegeben.

Gemäss Gfeller lässt der Stadtrat dort jährlich zwei Zirkusse zu: Im Frühling ist Knie gesetzt, im Herbst wechseln sich mehrere Manegen jeweils ab. Monti war letztmals 2008 an der Reihe. In den anderen Jahren gastiert man auf der Kasernenwiese. Gfeller hofft, dass die Stadt im Herbst weiterhin einen Zirkus bewilligt: «Denn der Standort ist wunderbar – wir hatten in Zürich noch nie so viele Besucher wie dieses Jahr.»

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • globi am 28.09.2014 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Und der Rest der Stadt

    stört sich an den 80 Mio. Subventionen pro Jahr für das Opernhaus, 277 Franken pro Eintritt.

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  • Markus am 28.09.2014 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Neuer Job suchen

    Andreas Homoki sollte sich dann besser einen neuen Job suchen. Auf dem Zürcher Sechseläutenplatz finden Veranstaltungen fürs Volk statt. Das Opernhaus ist nur etwas für Reiche, welche auch noch vom armen Steuerzahler subventioniert werden und sich selbige einen Eintritt trotzdem nicht leisten können. Ich denke es ist weit wichtiger so viele Anlässe wie mögliche auf dem Platz zu haben, als im Opernhaus.

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  • Martin am 28.09.2014 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Dekadenz pur.

    Diese elende Cervelat Prominenz! Das Seefeld und den Zürichberg zu besiedeln genügt ihnen offensichtlich nicht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Christi am 29.09.2014 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuviele Anlässe auf dem schönen Platz

    Ich habe mich sehr auf diesen neuen Sechseläuten-Platz gefreut. Auf einen grosszügigen und freien Platz zum flanieren. Leider ist er immer mit einem Anlass besetzt. Warum müssen zeitlich fast nacheinander Zirkuszelte stehen. Ein Knie reicht doch. Ich finde auch die Touristen sollten diesen Platz ab und zu frei erleben, denn der Blick auf das schöne Opernaus und den See ist ein tolles Erlebnis.

  • Lüthi 28,09,14 am 28.09.2014 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Sechsi Platz

    Der Zirkus gehört schon lange nicht mehr auf den Sechsi Platz, alles ist Grösser geworden, den könnte man Gegenüber bei oder neben der Badi Plazieren da sind auch die Wohnwagen und Tiere, Laute Musik am See auf die wiese füe was ist die Landi Wise zum Angucken, es wäre weniger Laut und weniger Autos,

  • Anne am 28.09.2014 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feinheiten fürs Grobe

    Ein Opernhaus ist seit mehreren hundert Jahren auch ein Statusobjekt für eine kulturvolle Stadt. Warum nicht? Ein entsprechend ansprechender Platz davor, gehört nun auch mal dazu. Siehe auch andere Opernhäuser z.B.Dresden. Warum geht das nicht auch in Zürich? Ein Zirkus ist ebenso wichtig: welches Kind geht schon in die Oper! Warum wird gestritten? Weil die Stadt offenbar kein Gespür dafür hat, was Unmut schaffen kann, was wohin gehört und was gar nicht geht. Also: ruhig bleiben und die Stadt ins Visier nehmen, schliesslich werden sie ja auch durch Steuergelder für ihre Arbeit bezahlt!

  • Robert am 28.09.2014 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wer will das Opernhaus?

    Wer will eigentlich das Opernhaus? Das soll sich bitte zuerst einmal selbst finanzieren oder über die Tickets anstatt über unsere Steuern, und dann ist es einfach ein Veranstaltungshaus wie jedes andere. Die haben gar nichts zu sagen bezüglich Sechseläutenplatz. Vielleicht mal eine Unterschriftensammlung starten um das Opernhaus anzuschaffen oder dass es sich zumindest selbst finanziert... Noch Fragen?

  • K. K. am 28.09.2014 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Platz

    würde dieses Jahr definitiv übernutzt. Es sind ja nicht nur die Tage an denen ein Anlass stattfindet sondern auch die Tage des auf und Abbaus. Somit scheint der Platz nie wirklich das zu sein, was er sollte, ein grosszügiger Platz auf welchem man gemütlich einwenig ruhen kann.

    • Enttäuschter am 28.09.2014 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      Missbrauch

      Richtig! Es geht nicht eigentlich um das Opernhaus, denn was davor ununterbrochen abgeht, ist und war nicht das, wofür wir uns so vehement einsetzten. Wir wollten keinen permanenten Chilbiplatz, sondern einen grosszügigen Freiplatz, der uns allen dienen und gefallen sollte. Diese Überbelegung über Wochen ist zuviel des Erträglichen, welches Recht hat z.B. der Knie sich hier breit zu machen? Auch die Berner haben sich mit ihren Versprechungen zum Bundesplatz in die Finger geschnitten, er ist selten einmal wirklich frei, im Winter sogar ein Eisstadion. Das wollen wir hier in Zürich nicht!

    • Bellevue am 29.09.2014 09:04 Report Diesen Beitrag melden

      Gut gesagt

      Hervorragende Antwort, der ich mich voll anschliesse. Auf dem Bild ist der "Monti" zu sehen, auch der macht sich auf dem gesamten Platz breit. Zirkus ist doch von gestern, Zelt abbrechen und ab die Post - für immer!

    • PW Kaufmann, Locarno-Monti am 29.09.2014 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      leer ist der Platz groß

      Der Platz zeigt alleine leer seine Größe

    • Ton Ton am 29.09.2014 20:09 Report Diesen Beitrag melden

      Angst vor der Leere

      In Zürich hat man panische Angst vor leeren Plätzen. Zusehen an allen Plätzen, die man Plätze nennt, die aber eigentlich möbierte Verkehrsinseln sind (Bellevue, Bürkliplatz, Bahnhofplatz, Central) und selbst die Bahnhofshalle wurde bis zur Hälfte mit allerlei Gerümpel wie Gruppentreffpunkt oder Anzeigetafeln verstellt. Darum kommen wir immer begeistert von italienischen Städten zurück. Dort gibt es noch Plätze, die einfach schlicht gepflastert (nicht geteert oder mit Schicki-Micki-Platten belegt) sind und leer. Einfach LEER! Aber rentiert das denn auch, ein leerer Platz?

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