Regensdorf

14. Oktober 2009 13:52; Akt: 14.10.2009 14:19 Print

Otto Ineichen will Studer Professional retten

Im Konflikt bei Studer Professional springt Otto Ineichen in die Bresche: Der Unternehmer will die amerikanische Studer-Besitzerin Harman davon abhalten, die Produktion nach England zu verlagern. Damit soll der Standort Regensdorf ZH gerettet werden.

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Er werde am Nachmittag ein Gespräch mit den Harman- Verantwortlichen führen, sagte Ineichen am Mittwoch an einer gemeinsam mit der Gewerkschaft Unia durchgeführten Medienkonferenz in Zürich. Dabei wolle er erreichen, dass der Standort Regensdorf weitergeführt werde und die bereits ausgesprochenen 35 Kündigungen zurückgenommen würden.

Die Herstellerin von Mischpulten für Radio- und Fernsehstudios sei eine Perle, sagte Ineichen. Zu den Kunden zählen etwa die BBC, CBS, Fox, Paramount oder Disney. Sogar im Krisenjahr 2008/09 habe Studer Professional noch einen Vorsteuergewinn von über 3 Millionen Franken erzielt, sagte der Geschäftsleiter von Unia Zürich, Roman Burger.

Umsatz eingebrochen

Allerdings brach der Umsatz laut den Angaben im vergangenen Geschäftsjahr 2008/09 von 51,4 Millionen auf 38,8 Millionen Franken ein. Der Vorsteuergewinn schmolz von 11,3 Millionen auf 3,1 Millionen Franken.

Harman, die selber hart von der Krise getroffen ist, hatte Studer im Zuge eines konzernweiten Sparprogramms die Verlagerung der Produktion aus Regensdorf nach England zur Konzerntochter Soundcraft verordnet.

Dies ergebe überhaupt keinen Sinn, betonten mehrere Führungskräfte von Studer. Zwischen den massgeschneiderten Einzelanfertigungen von Studer und den in China produzierten Serienfabrikationen von Soundcraft liessen sich mit der Verlagerung keine Synergien erzielen. Ohne der engen Zusammenarbeit mit der Produktion drohe der Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Regensdorf mit ihren 65 Stellen das Aus.

Ein verkannte Perle

Er sei überzeugt, dass die Harman-Spitze gar nicht wisse, was für eine Perle sie hier besitze, sagte Ineichen: Sehr wahrscheinlich seien die Fakten nicht richtig rübergekommen.

Zudem würde Harman durch eine Verlagerung der Produktion das Label «Swiss made» verlieren. «Ich behaupte mal, dass Studer in den letzten zwei Jahren 70 Prozent der Aufträge nur bekommen hat, weil sie 'Swiss made' sind», sagte Ineichen.

Sein Ziel sei es, die Harman-Verantwortlichen nächste Woche zu einer Medienkonferenz in Regensdorf zu bewegen, auf der der Erhalt des Standortes bekannt gegeben werde, sagte Ineichen.

Ein Übernahmeangebot für Studer will Ineichen, hinter dem bereits weitere Investoren stehen, dem Harman-Management (noch) nicht vorlegen: «Das wäre nur die letzte Lösung.»

(sda)