10 Jahre Gefängnis

19. Oktober 2018 08:40; Akt: 19.10.2018 17:12 Print

Gericht erhöht Strafe für pädophilen Roland W.

Einer von den schlimmsten Fällen von Pädophilie im Kanton: Das Zürcher Obergericht verurteilt den pädophilen Roland W. zu zehn Jahren Freiheitsstrafe.

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Es ist einer der schlimmsten Pädophilen-Fälle des Kantons Zürich: Der Roland W.* soll zwischen 1994 und 2014 acht Knaben zum Teil über Jahre hinweg immer wieder sexuell missbraucht und genötigt haben. Vom Bezirksgericht Dietikon wurde er im Mai 2017 zu 9 Jahren und 4 Monaten Haft verurteilt – unter anderem wegen mehrfacher sexueller Nötigung, Schändung und sexueller Handlungen mit Kinder sowie mehrfacher Verabreichung gesundheitschädlicher Stoffe an Kinder.

Gegen dieses Urteil legte der Beschuldigte Berufung ein: «Ich möchte, dass meine Strafe reduziert wird. Es ist nicht in Ordnung, was ich gemacht habe, und das muss bestraft werden – aber die Strafe ist extrem hoch», gab er am Freitag vor Obergericht zu Protokoll.

«Kinder schluckten Schlafmittel»

Die Opfer übernachteten beim Mann zu Hause, zum Teil mehr als hundert Nächte, wie in der Anklageschrift steht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er den Buben jeweils vor dem Zubettgehen ein präpariertes Süssgetränk gab. Das bestritt der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht noch.

Vor Obergericht gab er nun zu, den Knaben das Schlafmittel Dormicum verabreicht zu haben, jedoch nicht in einem Getränk. «Ich habe ihnen jeweils gesagt, sie sollen die Tablette schlucken, damit es ihnen in der Nacht nicht schlecht wird.» Er habe ein Wasserbett, auf dem man wie auf einem Schiff schaukle. Die Opfer haben laut Anmerkung einer Richterin bei der Einvernahme aber nicht davon berichtet, eine Tablette geschluckt zu haben, sondern übereinstimmend von einem Getränk erzählt.

Staatsanwaltschaft fordert Erhöhung der Freiheitsstrafe

Durch die Sedierung schliefen die Opfer derart tief, dass sie nichts von den Taten bemerkten. Danach soll sich der Beschuldigte am Genitalbereich der Knaben zu schaffen gemacht haben. Manchmal befriedigte er sich gleichzeitig und filmte die Tat auch noch. Das jüngste Opfer war beim ersten Übergriff acht Jahre alt. Zu seiner aktivsten Zeit hatte der Beschuldigte jede Woche Besuch von einem der Buben.

Die Staatsanwaltschaft legte ebenfalls Berufung ein und fordert eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 12 Jahre. Der Beschuldigte sei über einen sehr langen Zeitraum aktiv gewesen und habe nur aus taktischen Gründen gewisse Geständnisse abgelegt. «Er hat die Kinder durch die Sedierung auf skrupellose Weise gefährdet mit dem einzigen Zweck, seine sexuellen Triebe zu befriedigen.»

Kritik an der Untersuchung

Der Verteidiger des Beschuldigten fordert dagegen nur sieben Jahre Haft. In einem Fall könne dem Mandanten nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden, sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. Weder lägen Filmaufnahmen vor noch könne ausgeschlossen werden, dass das Opfer nur von den Handlungen geträumt habe.

Anzurechnen sei dem Beschuldigten die Kooperationsbereitschaft und die tiefe Reue, die mit der Therapie fortlaufend zunehme. «Es wird ihm bewusst, was er jedem einzelnen Opfer angetan hat», so der Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft dagegen macht geltend, dass die Kooperation während der Untersuchung abgenommen habe.

«Ich schäme mich»

Dennoch entschuldigte sich W. am Schluss der Verhandlung: «Ich schäme mich, das Vertrauen der Kinder schamlos ausgenutzt zu haben.» Er befasse sich eigentlich fast täglich mit seinen Taten und habe erkannt, welche Tragweite seine Handlungen gehabt hätten.

Trotzdem: Das Zürcher Obergericht erhöhte die Strafe um acht Monate auf zehn Jahre und bestätigten das Urteil des Bezirksgerichts weitgehend. Sie begründeten den Entscheid mit der hohen Anzahl Fälle und der hinterhältigen Vorgehensweise bei der Sedierung. «Jede einzelne von den mehreren hundert Handlungen hätte von sich aus eine Freiheitsstrafe nach sich gezogen», argumentierte der Vorsitzende.

Die Richter anerkannten aber, dass die Vorwürfe im vom Verteidiger genannten Fall unsicher sind. In diesem Punkt wurde der Beschuldigte deshalb freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es ist unklar, ob W. das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen will.

*Name bekannt

(tam)