Zürcher Obergericht

13. Oktober 2014 17:33; Akt: 14.10.2014 11:12 Print

Pädophiler muss sechs Jahre ins Gefängnis

von Von Attila Szenogrady - Ein Pädophiler hat in Dinhard ZH einen Schüler entführt und sexuell missbraucht. Das Obergericht bestätigte am Montag eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

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Das Zürcher Obergericht bestätigt ein Urteil gegen einen rückfälligen Sexualstraftäter. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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«Das war der absolute Horror, der einem Kind passieren kann», sagte einer der Oberrichter an der Urteilseröffnung. Tatsächlich hat der 15-jährige Schüler an jenem 13. Juli 2010 Todesängste durchlitten. Er war damals mit seinem Velo in Dinhard zum Schulhaus in Rickenbach unterwegs, als er bei der Waldstrasse plötzlich von einem Autolenker ausgebremst wurde.

Beim Automobilisten handelte es sich um den heute 66-jährigen Beschuldigten, der gezielt auf ein Opfer gewartet hatte. Er fesselte den überraschten Knaben an Händen sowie Füssen und klebte ihm mit einem Band den Mund zu. Danach steckte er den Schüler in den Kofferraum seines Autos und fuhr in ein Waldstück bei Rickenbach. Dort löste der Täter zwar die Fesseln des Minderjährigen, begann ihn aber sexuell zu missbrauchen, indem er dessen Glied massierte und auch in den Mund nahm. Dann musste auch das Opfer das Glied des Peinigers berühren. Als der Schüler einen verlangten Oralverkehr verweigerte, hörte der Pädophile auf und liess den Geschädigten gehen.

Verhaftet und teilweise geständig

Der Schüler konnte in der Folge der Polizei gegenüber eine so gute Beschreibung des Täters abgeben, dass dieser bereits sechs Wochen später verhaftet und überführt werden konnte. Er gab in der Folge die Freiheitsberaubung und die sexuellen Handlungen zu, stellte aber eine sexuelle Nötigung in Abrede. So habe der Jugendliche teilweise freiwillig mitgemacht. Er habe jedenfalls keine Gewalt eingesetzt, erklärte er.

Auch am Montag vor Obergericht konnte sich der Beschuldigte nicht zu einer vollen Einsicht durchringen. Erneut schob er die eigentliche Schuld für die Übergriffe auf ärztlich abgegebene Hormonpräparate ab. Das mit Testosteron versetzte Medikament habe bei ihm erneut sexuelle Fantasien und sexuellen Antrieb geweckt, erklärte der pädophile Schweizer, der bereits in den Siebzigerjahren nach ersten einschlägigen Straftaten chemisch kastriert worden war. Er blieb unauffällig, bis er ab Frühjahr 2000 aufgrund einer Liebesbeziehung zu einem homosexuellen Partner sein Liebesleben wieder aktivieren wollte und Hormone zu konsumieren begann. Die Ärzte wussten dabei nichts vom kriminellen Vorleben des Patienten. «Ich war im Sommer 2010 ein Getriebener», führte der Beschuldigte vor Obergericht dazu aus.

Der zuständige Staatsanwalt lehnte eine Strafmilderung wegen der Medikamente ab und verlangte eine Freiheitsstrafe von neun Jahren. Im Gegensatz zur Verteidigung, die einen Teilfreispruch vom Vorwurf der sexuellen Nötigung und im Hauptantrag fünf Jahre Freiheitsentzug forderte. Der Beschuldigte hinterliess einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits erklärte er wiederholt, dass ihm der Schüler leidgetan habe. Andererseits versuchte er, die Übergriffe zu bagatellisieren. An der Verhandlung kam heraus, dass der Mann in seiner Kindheit sexuell missbraucht worden war.

Sechs Jahre und Psychotherapie

Das Zürcher Obergericht bestätigte zum Schluss das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Winterthur umfassend. Demnach verurteilte es den Täter wegen sexueller Nötigung, Freiheitsberaubung sowie sexuellen Handlungen mit Kindern zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Zudem ordnete es während des Strafvollzugs eine ambulante Psychotherapie an. Das Obergericht ging von einer klaren Nötigung aus. So habe der Beschuldigte das Opfer in dem Waldstück in eine ausweglose Situation gebracht. Eine verminderte Schuldunfähigkeit wegen der Hormone lehnte das Obergericht ab. Allerdings ging es aufgrund einer dissozialen Persönlichkeitsstörung des Beschuldigten von einer leicht verminderten Schuldfähigkeit aus. Was zur Bestätigung der Winterthurer Strafe führte.