Wallisellen ZH

15. Dezember 2011 08:00; Akt: 14.12.2011 23:58 Print

Paniklenker kommt frei

von Attila Szenogrady - Nach einer Schlägerei hat ein verängstigter Autolenker vor dem Walliseller Club «Indigo» einen der Gegner angefahren und erheblich verletzt. Das Obergericht hat eine Bülacher Strafe von 32 Monaten auf 20 Monate gesenkt. Damit kommt der Lenker frei.

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Am Mittwoch konnte der heute 32-jährige Maschinist aus Frankreich aufatmen. Er wurde zwar vom Zürcher Obergericht wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln sowie pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall für schuldig befunden, jedoch nur noch mit einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten bestraft. Was bedeutete, dass der Mann bald frei kommt.

Das Bezirksgericht Bülach hatte den Beschuldigten im letzten Juni noch zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 32 Monate verurteilt. Laut Obergericht eine krass überhöhte Strafe für diese Verkehrsdelikte.

Zuerst ein Tötungsversuch eingeklagt

Der Entscheid des Obergerichts bedeutet eine Schlappe für die Staatsanwaltschaft. Diese hatte noch am Bezirksgericht Bülach wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine hohe Freiheitsstrafe von neun Jahren gefordert. Der Angeschuldigte sass seit der Nacht auf den 27. Mai 2010 im Gefängnis. Er hielt sich damals mit einigen Kollegen im Walliseller Club «Indigo» auf. In den frühen Morgenstunden wurde er in eine Schlägerei mit einigen Westafrikanern verwickelt.

Gegner in Panik angefahren: Kein Tötungsversuch

Kurz darauf startete der Angeschuldigte vor der Disco seinen Personenwagen und wollte nach Hause fahren. Dabei lenkte er das Fahrzeug in die Richtung eines Gegners, der vom Auto erfasst. Der heute 25-jährige Nigerianer erlitt dabei erhebliche Verletzungen. Der Angeklagte setzte die Fahrt trotz einer demolierten Windschutzscheibe fort. Er stellte sich aber später freiwillig bei der Polizei.

Schon das Bezirksgericht Bülach sah einen Tötungsversuch aufgrund des panischen Zustandes des Beschuldigten als nicht erwiesen an. Es hielt ihm eine Ausnahme- und Angstsituation zugute.

Da die Staatsanwaltschaft den Freispruch akzeptiert hatte, stand der Tötungsversuch vor Obergericht nicht mehr zur Debatte. Nur noch die Strafe, welche von den Oberrichtern erheblich gesenkt wurde. Sie unterboten sogar den Antrag des Verteidigers, der sich für eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten, die Hälfte davon unbedingt, eingesetzt hatte.