Zürich-Schwamendingen

21. Mai 2019 04:52; Akt: 21.05.2019 04:52 Print

Streit um falsch parkiertes Auto endet tödlich

von T. Mathis - Ein Senior starb nach Verletzungen von einem Streit. Grund: ein falsch parkiertes Auto in Zürich. Der Beschuldigte (55) muss wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

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Mit einem weissen Minivan war er nach dem Streit geflüchtet. Doch die Polizei schnappte ihn einen Tag später an seinem Wohnort. Jetzt muss der 55-jährige Schweizer am Donnerstag vor das Bezirksgericht Zürich wegen fahrlässiger Tötung und einfacher Körperverletzung. Der Vorwurf: Er habe im November 2017 bei einem Streit in der Nähe des Schulhauses Saatlen in Zürich-Schwamendingen auf einen 79-jährigen Mann eingeprügelt. Das Opfer verstarb trotz sofortiger Hilfe.

Ein Nachbar vermutete damals, dass der Streit wegen eines falsch parkierten Autos eskaliert sei. Er hatte recht, wie die Anklageschrift jetzt zeigt: Der 55-jährige Schweizer hatte sein Auto vorübergehend ordnungswidrig auf dem Trottoir am Herbstweg abgestellt. Daran störte sich das Opfer. Es wies den Mann zurecht.

Schlüsselbund aus der Hand gerissen

So kam es zur Auseinandersetzung, bei der der Beschuldigte das Opfer «laut und feindselig» anschrie und es mindestens dreimal gegen den Kopf schlug. Wegen der Schläge verlor das Opfer den Stand und stürzte zu Boden. Der Beschuldigte trat dann mindestens einmal gegen den Rumpf des Opfers und riss ihm auch einen Schlüsselbund aus der Hand.

Dann beruhigte sich die Situation laut Anklageschrift allmählich. Der Verprügelte raffte sich auf, stürzte nach weiterer Diskussion aber erneut zu Boden und verstarb. Die Obduktion ergab, dass er an akutem Herzversagen starb. Dafür gibt es zwei Erklärungen.

Embolie oder erhöhte Belastung des Kreislaufs?

Die Quetschungen an den Hüften, die durch Sturz und Tritt entstanden waren, hatten zur Ausschwemmung von Fetttröpfchen geführt. So kam es zu einer Verstopfung von feinen Arterien in der Lunge. Das beeinträchtigte den Sauerstoffaustausch und führte durch Rückstau des Bluts zu einer Belastung des Herzens.

Die zweite Erklärungsansatz hat mit der physischen Verfassung des Opfers zu tun, das Jahre zuvor an den Herzkranzarterien operiert worden war. Der zu grosse Herzmuskel sei chronisch mit Sauerstoff unterversorgt gewesen. Die verbale und körperliche Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten belasteten den Kreislauf noch mehr.

Elf Monate bedingt gefordert

Aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung sei es für den Beschuldigten vorhersehbar gewesen, dass er mit Schlägen und Tritten ein Versagen des Herzens vom Opfer bewirken konnte. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet das Vorgehen als «rücksichtslos und gewalttätig» und fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten.