«Schwerer Vorfall»

28. Februar 2018 13:41; Akt: 01.03.2018 08:24 Print

Pilot verwechselt Zürich- mit Bodensee

Beim Flughafen Zürich ist es zu einer Beinahe-Kollision zwischen einem Motorsegler und einer Edelweiss-Maschine gekommen.

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In der Nähe des Flughafens Zürich sind sich eine Edelweiss-Maschine und ein Privatflieger gefährlich nahe gekommen. Der Passagierflieger aus Las Vegas mit 194 Personen an Bord war kurz vor dem Landeanflug auf den Flughafen Zürich. Zugleich befand sich der Motorsegler auf gleicher Höhe – nur 300 Meter entfernt. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust spricht von einem «schweren Vorfall», der sich am 25. August 2016 ereignet hat.

Gemäss Untersuchung ist dem Piloten des Motorseglers das Sprechfunkgerät ausgefallen. Daraufhin schaltete der 70-Jährige auch den Transponder aus, um Strom zu sparen. Schliesslich fiel jedoch auch noch das Tablet mit einer Navigations-App aus, sodass dem Mann nur noch die Luftfahrkarte blieb. «In der Folge steuerte der Pilot direkt auf den Zürichsee zu, den er am dunstigen Horizont für den Bodensee hielt, und nahm einen südöstlichen Kurs ein», heisst es im Bericht weiter.

Den Irrtum bemerkte der Pilot erst, als er die Edelweissmaschine erblickte. Er änderte seinen Kurs, dieses Mal zum richtigen Bodensee, und landete sicher in Biberach. Die Edelweiss-Maschine konnte ohne Ausweichmanöver ihren Anflug auf den Flughafen Zürich fortsetzen.

Gemäss Untersuchungsbericht verfügte der Mann im Motorsegler über «geringe Flugerfahrung». Er hatte den Vorfall nicht gemeldet. Gemäss eigenen Angaben ist er unter Schock gestanden. Ein Pikettoffizier konnte den Privatflieger jedoch identifizieren.

Für Aviatik-Experte Max Ungricht ist klar: Dieser Vorfall hätte sich so nicht ereignen dürfen. «Ein Pilot der auf Sicht fliegt, muss nicht nur mit seinem GPS, sondern auch nach Karte navigieren können.» Beinahe-Crashs seien unter diesem Umständen selten, zumal sich die Piloten in dem von Skyguide streng kontrollierten Nahverkehrsbereich (TMA) befunden hätten.

Der Pilot habe jedoch seinen Transponder ausgeschaltet und sei so für die Controller kaum sichtbar gewesen, weil Flugzeuge dieser Bauart nur sehr schwache Radarsignale erzeugen. Ungricht: «Dieser Unfall hätte für alle Beteiligten schlimm enden können. Ein Kleinflugzeug kann schon durch die Luftwirbel des Passagierjets abstürzen. Wäre das Kleinflugzeug zum Beispiel ins Cockpit des Jets gecrasht, dann wären die Folgen für beide Flugzeuge fatal gewesen.»

(woz/the)