Pinguine und Schwäne

20. September 2018 05:46; Akt: 20.09.2018 05:46 Print

Im Zoo Zürich gehts zu und her wie im Reality-TV

Jungtiere, Dreiecksbeziehungen, Gipseier und skrupellose Kapuziner-Äffchen: Im Zoo Zürich ist derzeit viel los.

Bei den Königspinguinen im Zoo Zürich gabs Nachwuchs. Kurator Robert Zingg erzählt von Dreiecksbeziehungen und Eierklau bei den Pinguinen.
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Vier junge Königspinguine watscheln am Mittwoch durch das Gehege im Zoo Zürich: «Insgesamt legten sie sieben Eier – so viele wie noch nie in der Geschichte der Zürcher Brutkolonie. Leider haben es aber nicht alle geschafft», sagt Robert Zingg, Kurator im Zoo Zürich. Die verbliebenen vier werden nun liebevoll umsorgt. Dabei ist die Aufzucht bei den 19 Königspinguinen im Zoo Zürich gar nicht so einfach:

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Dreiecksbeziehungen bei den Pinguinen:
Ein Männchen hat sich gleichzeitig mit zwei Weibchen liiert, die sich gegenseitig nicht ausstehen können. Beide Weibchen hatten ein Ei. Das eine Weibchen verlor ihr Ei, beim anderen Weibchen schlüpfte ein Küken. Wenn die Mutter des Kükens sich entfernt, darf das andere Weibchen nun das Küken neben ihrem Partner füttern.

Zwei Weibchen und drei Eier:
Bei einem anderen Trio sind die beiden Weibchen schon länger eng befreundet. Auch hier legten beide ein Ei. Das Männchen fand dann noch ein weiteres Ei. So betreuten sie zu dritt drei Eier. Die Probleme begannen aber, als zwei Küken schlüpften und ein Weibchen beide betreuen wollte.

Ein Küken hat nun zwei Mütter:
Die Tierpfleger entschärften die Situation, indem sie dem noch brütenden Weibchen das dritte Ei – das sich als unbefruchtet erwies – wegnahmen und ihr stattdessen das zweite Küken, aus dem gefundenen Ei, unterschoben. Dieses Küken starb aber im Alter von 20 Tagen. Das überlebende Küken des Trios wird nun von drei Elterntieren mit Futter versorgt: «Dieses Küken wird sicher nicht verhungern», sagt Zingg.

Männliche Pinguin-Pärchen erhalten Gipsei: Da sich Königspinguine immer wieder gegenseitig die Eier oder sogar Jungtiere klauen, haben die beiden männlichen Paare je ein Gipsei erhalten. «Das wird den Zuchterfolg nicht erhöhen, bringt aber den Tieren Beschäftigung und Ruhe in die Kolonie», sagte Zingg.

Im Zoo Zürich gehts zu und her wie im Reality-TV

Kapuziner töten junge Schwarzhalsschwäne

Auch das Pantanal des Zoos Zürich hat grosses Drama-Potenzial: «In einem Bereich sind die Inseln der Gelbbrustkapuziner sowie Totenkopfäffchen, und im Wasser rundherum leben Schwarzhalsschwäne», erklärt Zingg. «Wenn die Schwäne also für Ruhephasen, das Brutgeschäft oder die Gefiederpflege an Land gehen, sind sie Gäste bei den Kapuzinern.» Diese sind darüber offenbar wenig erfreut:

Kapuziner klauen den Schwänen die Eier:
In den Jahren 2014 und 2015 verlief alles noch gut. Mehrere Jungtiere konnte das Schwanenpaar erfolgreich aufziehen. «Seit 2016 zeigten die Kapuziner entweder ein gesteigertes Interesse an den Eiern oder das Schwanenpaar wurde bei der Verteidigung des Nestes nachlässiger», so Zingg. Auf jeden Fall klauten die Kapuziner die Eier und zerstörten sie.

Fünf junge Schwäne von Kapuzinern getötet: 2017 schienen die Schwäne daraus gelernt zu haben: «Es konnten fünf Jungtiere schlüpfen», so Zingg. Die Freude dauerte aber nicht lange: «Als die Jungschwäne im Alter von zwei bis vier Wochen waren, schnappten sich die Kapuziner ein Jungtier nach dem anderen und töteten es.» 2018 startete das Schwanenpaar zwei neue Versuche. Aber auch diese waren nicht von Erfolg gekrönt. «Die Kapuziner klauten anfangs Jahr die Eier, und im März töteten sie ein Jungtier», so Zingg.

Gipseier für die Kapuziner:
Daraufhin wurde den Schwänen der Aufstieg zur Kapuzinerinsel versperrt. Das Schwanenpaar fand aber einen anderen Zugang zur Insel. «Im Mai kam es zur dritten Eiablage», erklärt Zingg. Die sieben Eier wurden von der Tierpflege eingesammelt und durch Gipseier ersetzt. «Aber auch die Gipseier klauten und beschädigten die Kapuziner.»

Moschusente als Ersatzmami:
Die eingesammelten Eier wurden in einen Inkubator eingelegt. Kurz vor dem Schlupf wurden die Eier einer Moschusente unterlegt. Am 11. Juli schlüpften schliesslich vier Küken. Sie bleiben nun bei der Ente. Zu den leiblichen Eltern können sie nicht zurück, denn Schwäne dulden nicht alle Wasservögel in ihrer Nähe. Zudem erkennen sie die Jungvögel nicht als eigenen Nachwuchs.

Zwei Jungschwäne überraschend verstorben: Leider blieb es aber nicht bei dem Happy End für die jungen Schwäne. In den letzten beiden Tagen sind zwei der vier überraschend verstorben, so Zingg: «Von der Autopsie erhoffen wir uns nun Aufschluss über die Todesursache.»


Zoo-Kurator Robert Zingg zum Drama bei den Schwarzhalsschwänen.

(mon)

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