Krimineller Rentner

18. Februar 2011 18:25; Akt: 18.02.2011 18:34 Print

Pneustecher muss ins Gefängnis

von Attila Szenogrady - Aus purer Boshaftigkeit hat ein 67-jähriger Senior in Zürich-Nord die Reifen von zahlreichen Autos zerstochen. Nun muss der dank einer Profilerin erwischte Schweizer für acht Monate hinter Gitter.

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Im Frühling 2009 hielt ein Serientäter die Zürcher Polizei auf Trab. Es handelte sich um einen unheimlichen Pneustecher, der innert weniger Monate in Seebach, Oerlikon und Schwamendingen nicht weniger als 264 Personenwagen beschädigte und einen Sachschaden von über 200 000 Franken anrichtete. Besonders fies war dabei, dass die Täterschaft jeweils mit voller Absicht zwei Reifen zerstach und damit einen Radwechsel am Tatort verunmöglichte.

Geoprofilerin im Einsatz

Die Polizei leitete umfangreiche Ermittlungen ein. Sie setzte dabei auch eine professionelle Geoprofilerin ein. Die Expertin war in der Lage, von den Tatspuren auf den Täter zu schliessen. Am 14. Mai 2009 schnappte die Falle zu. Die Fahnder erwischten einen heute 67-jährigen Rentner, der gerade bei sieben parkierten Personenwagen die Pneus zerstochen hatte. Der x-fach vorbestrafte Senior-Gangster wohnte in der Nähe des Tatortes an der Schaffhauserstrasse.

Vieles bestritten

Der erwischte Schweizer gab die Anschläge vom 14. Mai zu, stritt aber weitere Sachbeschädigungen konsequent ab. Als Tatmotiv gab er Wut an, da ihm die Behörden in Aussicht gestellt hatten, seinen Hund wegzunehmen. Die Staatsanwaltschaft erhob in 29 Fällen Anklage und verlangte für den Gewohnheitskriminellen eine unbedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten.

Bereits im Mai 2010 kam das Bezirksgericht Zürich umfassend zu Schuldsprüchen und setzte eine unbedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten fest.

Verteidigung für Geldstrafe

Die Verteidigung legte Berufung ein, verlangte diverse Teilfreisprüche und setzte sich für eine Geldstrafe ein. Allerdings vergeblich. So stützte sich das Obergericht auf eine starke Indizienkette ab und bestätigte das erstinstanzliche Urteil. Gegen den Angeklagten sprachen nicht nur entlarvende Videoaufnahmen in einem Parkhaus, sondern auch seine DNA-Spuren an sechs Fahrzeugen sowie die Tatorte, die allesamt in der Nähe seines Wohnortes lagen.

Schweres Verschulden

Die Oberrichter sprachen von einem schweren Verschulden und sprachen von einer Boshaftigkeit des Täters. Er habe seine Luft an unschuldigen Opfern abgelassen, sagte ein Oberrichter. Damit blieb es bei den acht Monaten Freiheitsentzug. Ohne Bewährungschance.