Bezirksgericht Zürich

02. Juli 2014 21:48; Akt: 03.07.2014 14:26 Print

Politiker brutal verprügelt – Täter teilweise reuig

von Attila Szenogrady - Seit Mittwoch stehen vier junge Männer vor Gericht. Im Oktober 2011 haben sie den Zürcher Politiker Alexander Peske spitalreif geprügelt. Jetzt drohen ihnen Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren.

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Prügel-Opfer Alexander Peske: «Ich war auch einmal jung und hatte Raufereien, aber als Blut floss, hörten wir auf.» (Bild: Reto Oeschger)

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«Ich verspüre heute keinen Groll mehr, wenn ich die Beschuldigten sehe», sagte der heute 35-jährige Alexander Peske am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich.

Der ehemalige russische Flüchtling erinnert sich allerdings ungern an den 8. Oktober 2011 zurück. Damals wurde der heutige Politiker der Grünliberalen auf dem Zürcher Bahnhofplatz von mehreren Jugendlichen aus einem nichtigen Anlass attackiert und brutal verprügelt.

Der zuständige Staatsanwalt sprach von Feigheit, Niedertracht und Rücksichtslosigkeit der Täterschaft, die das Opfer niederschlug und auch noch am Boden mit zahlreichen Fusstritten traktierte.

Peske erlitt ein Schädel-Hirntrauma und diverse weitere Verletzungen. Seine Tochter sei damals gerade eine Woche alt gewesen, erinnerte sich das Opfer zurück und verlangte vor Gericht eine Genugtuung von 1000 Franken. «Ich war auch einmal jung und hatte Raufereien, aber als Blut floss, hörten wir auf», sagte Peske.

Täter grösstenteils geständig

Vor Gericht mussten sich vier 22-jährige Männer aus Wetzikon und Brütten wegen versuchter schwerer Körperverletzung verantworten. Drei von ihnen zeigten sich geständig, einer verweigerte zur Sache sämtliche Aussagen.

Die Beschuldigten präsentierten sich geläutert und gehen heute einer geregelten Arbeit nach. Vor drei Jahren war das Gegenteil der Fall.

Zur Tat macht einer der Beschuldigten geltend, dass Peske vor der Keilerei auch provoziert habe. Ein zweiter Täter entschuldigte sich dagegen beim Opfer und sprach von einer reinen Dummheit.

Hohe Strafen verlangt

Der zuständige Staatsanwalt sprach von einem schweren Verschulden und verlangte hohe Strafen. Für einen Rädelsführer forderte der Ankläger eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. Zehn Monate davon unbedingt.

Sollte das Gericht eine versuchte schwere Körperverletzung verneinen, liege ein Angriff vor, plädierte der Staatsanwalt und verlangte in diesem Fall eine zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung. Die weiteren Anträge lauteten auf 30 Monate, 28 sowie 24 Monate Freiheitsentzug. In den meisten Fällen teilbedingt.

Urteile im Herbst erwartet

Die Verteidiger setzten sich für deutlich mildere Strafen ein. Der Beschuldigte mit dem höchsten Strafantrag sollte nur 20 Monate bedingt erhalten. Ein Anwalt verlangte sogar aus formellen Gründen und angeblich krassen Verfahrensfehlern einen vollen Freispruch.

Das Gericht kam noch zu keinem Entscheid, da gegen einen weiteren Angeschuldigten erst später verhandelt wird. Sämtliche Urteile sollen im kommenden Herbst eröffnet werden.