Zürich

28. Dezember 2015 14:54; Akt: 28.12.2015 17:23 Print

Polizei stoppt Messer-Angreifer mit 13 Schüssen

Um den Messerangreifer von Zürich-Wiedikon zu stoppen, haben zwei Polizisten aus Notwehr geschossen. Jetzt ist klar: Es waren insgesamt 13 Schüsse.

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An der Ecke Birmensdorfer-/Aemtlerstrasse erblickten Polizisten am frühen Sonntagmorgen einen Mann mit einem Messer in der Hand. Als sie ihn kontrollieren wollten, ging der 42-jährige Äthiopier mit einem 25 Zentimeter langen Fleischermesser auf sie los. Diese schossen in Notwehr und verletzten ihn dabei schwer.

Laut Staatsanwalt Ulrich Weder wurden insgesamt 13 Schüsse aus zwei Schusswaffen der Stadtpolizei Zürich abgegeben. Wie viele pro Waffe, sagt er zu 20 Minuten nicht. Weder ist Leiter der Staatsanwaltschaft IV, die ein Strafverfahren eröffnet hat. Ein solches ist routinemässig nötig, wenn Polizisten von der Schusswaffe Gebrauch machen und es deswegen Verletzte oder Tote gibt.

Umfangreiche Untersuchung

Warum die Polizisten gleich 13 Mal geschossen haben, will Weder nicht sagen: «Der ganze Ablauf ist Gegenstand der laufenden Untersuchung.» Dazu gehöre auch das Abklären des so genannten Rechtfertigungsgrundes. Will heissen: Ob der Einsatz der Schusswaffe in diesem Fall gerechtfertigt war oder nicht.

Gemäss Weder steht eine umfangreiche Untersuchung an. Hierfür wurden sämtliche involvierten Polizisten und bekannte Zeugen befragt. Die Spurensicherung läuft über das forensische Institut Zürich – einer Organisation, die sowohl zur Stadt- als auch zur Kantonspolizei Zürich gehört.

Keine Hinweise auf antisemitischen Hintergrund

Zum Motiv des Angreifers kann Weder keine Angaben machen. Man habe den Mann ohnehin noch nicht befragen können. Konkrete Hinweise zu einem antisemitischen oder terroristischen Hintergrund bestehen laut Weder nicht; auch gebe es keine Anhaltspunkte, wonach der Mann in Begleitung unterwegs war. Nach einer Notoperation liegt der Äthiopier nach wie vor im Spital. Sein Zustand sei stabil, aber kritisch.

Die beiden Polizisten, die geschossen haben, sind nach wie vor im Dienst, wie Stadtpolizei-Medienchef Marco Cortesi auf Tagesanzeiger.ch zitiert wird. Sie seien nicht suspendiert worden. «Wir bieten unseren Einsatzkräften psychologische Betreuung an, wenn sie diese nach einem solchen Vorfall in Anspruch nehmen wollen. Es steht den Polizisten frei, das Angebot zu nutzen. Ob die beiden Männer davon Gebrauch machen, entzieht sich meiner Kenntnis», so Cortesi weiter.

(rom)