Thema im Gemeinderat

19. Februar 2019 11:18; Akt: 19.02.2019 11:18 Print

Zürcher Polizisten duzen Ausländer

Wer schlecht Deutsch spricht, wird in Zürich von städtischen Angestellten immer wieder geduzt. Die Behörden sind alarmiert.

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Ein Ausländer, der schlecht Deutsch spricht, muss zu den Behörden. Die Verständigung ist schwierig, der städtische Angestellte redet mit ihm, als sei er ein Kleinkind. Im Gespräch wird er geduzt.

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Wurden Sie von Behörden schon mal geduzt?

Etwa so werden ausländische Einwohner von Beamten immer wieder behandelt. Das sagt Christine Seidler (SP), Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission des Gemeinderates der Stadt Zürich (GPK), zur NZZ. Dabei werden laut Seidler nicht nur Kunden am Schalter geduzt, sondern auch bei Polizei- oder Billettkontrollen.

Despektierliche statt einfache Sprache

Auf das Problem wies die GPK in ihrem Tätigkeitsbericht 2018 hin. Man sei der Meinung, auch wenn das Gegenüber nicht gut Deutsch spreche, sollte man der Person von städtischer Seite her immer Respekt entgegenbringen, heisst es.

Die städtischen Angestellten verwechselten eine einfache, adressatengerechte Sprache mit einer despektierlichen Sprache, wie Seidler zur Zeitung sagt. Das sei ein «No-go». Man müsse dieses Thema ernst nehmen und die städtischen Angestellten in diesem Zusammenhang sensibilisieren.

Duzen bei Polizeikontrollen

Die GPK hat sich bereits an den Stadtrat gewandt. Gemäss Seidler sehen nicht alle Mitglieder einen Diskussionsbedarf. Wie Astrid Herrmann, Sprecherin im Präsidialdepartement der Stadt Zürich, sagt, sei man sich der Problematik bewusst. Trotzdem liessen sich Fehler in der zwischenmenschlichen Kommunikation nicht immer vermeiden. Es handle sich um Einzelfälle. Werde ein Fehlverhalten festgestellt, entschuldige sich die Direktion des Bevölkerungsamtes bei den Betroffenen.

Auch die Stadtzürcher Ombudsstelle hat sich schon mit dem Duzen befasst – dabei handelt es sich um Personen, die bei Polizeikontrollen geduzt wurden. In einem Fall rechtfertigte sich die Polizei, dass bei Personen, die schlecht Deutsch sprechen, die Du-Form besser ankomme und die Kommunikation so leichter falle.

Schlechte Deutschkenntnisse rechtfertigen niemals das Duzen

Laut der Ombudsstelle rechtfertigen schlechte Deutschkenntnisse aber niemals das Duzen. Das wirke abschätzig und respektlos. Dieser Meinung ist auch Polizeikommandant Daniel Blumer. Die Geschäftsleitung habe sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt. Trotzdem gehen bei der Ombudsstelle noch immer entsprechende Beschwerden ein.

Wurden Sie von Behörden schon mal geduzt oder behandelt, als wären Sie ein Kleinkind? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen auf feedback@20minuten.ch mit Betreff Duzen.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel Gafner am 19.02.2019 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Vertsändnis

    Was wollen Sie denn? Ich kenne die Situation. Bin Personalvermittler. Zu erst grüsst man freundlich in grammatikalisch korrekter deutscher Sprache und "Siezt" sein Gesprächspartner. Wenn der kein Wort versteht, siezt man zwar weiter aber nimmt immer einfachere Wörter zur Verständigung. Wenn der aber immer noch kein Wort versteht, ja dann bleibt wirklich nichts anderes übrig als sich wie mit einem Kleinkind zu verständigen. Meistens fängt ja das Gegenüber an zu Duzen. Du mir suche, du mir gebe, du mir helfe.. Frau Seidler soll doch mal 2 Wochen Schalterdienst machen.

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  • Karman C. am 19.02.2019 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Sache

    Sich bei der Ombutsstelle beschweren können, aber im Umgang mit den Behörden nichts verstehen wollen, da geht bei mir was nicht ganz auf. Sieht für mich eher nach einem gesteuerten Polizei Bashing aus.....

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  • Beka am 19.02.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    ich auch

    Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich bei Personen mit schlechten Deutschkenntnissen auch schon gesprochen habe wie mit einem Kleinkind. Inklusive duzen. Aber anders hatte mich diese Person einfach nicht verstanden. Ich finde das duzen jetzt nicht so schlimm, vor allem nicht wenn es der besseren Verständigung dient. Nur weil man jemanden duzt, schliesst das höfliche Umgangsformen ja nicht aus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hk am 19.02.2019 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht übertreiben

    Da wurde einfach nur das Baustellen - Deutsch angewandt.

  • Du Sie am 19.02.2019 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zürcher haben noch Probleme

    Erstaunlich, mit welchen Problemen sich die GPK in Zürich auseinandersetzten muss. Uns muss es ja wirklich gut gehen!

  • Justin Case am 19.02.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    X-fach

    Genau, x-fach selbst schon festgestellt: Die Behörde "Sietzte", das Gegenüber "Dutzte" von Anfang an und bedient sich meist noch ausschweifend mit Kraftausdrücken... Aber das wird ja von den "Gutmenschen" dann nicht gesehen bzw. gehört, und falls doch stellt das "Dutzen" gegenüber den Behörden natürlich kein Problem dar... (Was sprichst du/was sprechen Sie, den Holzsplitter in meinem Auge an, und ignorierst du/ignorieren Sie den Holzbalken im eigenen Auge...)

  • Dutsius Dudsindsky am 19.02.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Immer duzen

    Man sollte generell duzen. Allesamt, jeden und jede.

  • Tom Minder am 19.02.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Spielt doch keine Rolle

    Mich duzen Ausländer manchmal auch, also was soll das Geschrei hier.