Mit SUV attackiert

01. März 2020 14:10; Akt: 02.03.2020 09:40 Print

Polizistin kämpft um ihr Leben – 19-Jähriger in Haft

Eine Stadtpolizistin ist am Freitagabend von einem Fahrzeuglenker in Zürich angefahren und mehrere Meter mitgeschleift worden. Der 19-jährige Täter konnte ermittelt und verhaftet werden.

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Eine Polizistin und ein Polizist der Stadtpolizei Zürich, die zivil unterwegs waren, wollten am Freitag gegen 23 Uhr auf dem Strichplatz im Zürcher Kreis 9 ein Auto und dessen Insassen kontrollieren. Dabei wiesen sie sich als Polizisten aus und forderten den unbekannten Lenker auf, in die vorgesehene Kontrollstelle zu fahren. Der Lenker kam dieser Anweisung vorerst nach und fuhr in Richtung Kontrollstelle, wie die Stadtpolizei Zürich am Samstag mitteilte. Plötzlich und völlig unerwartet, fuhr der Fahrer dann mit seinem Fahrzeug einige Meter zurück und beschleunigte mit seinem grauen SUV, um vorwärts aus dem Areal zu flüchten.

Dabei fuhr er die Polizistin an und schleifte sie mehrere Meter mit. Die 38-jährige Detektivin wurde dabei lebensbedrohlich verletzt und musste in der Folge von der Sanität ins Spital gebracht werden, wo sie notoperiert wurde.

Grauer Hyundai Tucson gesucht

Der unbekannte Lenker des Personenwagens flüchtete via Aargauerstrasse in eine unbekannte Richtung. Beim Fahrzeug handelt es sich um einen grauen SUV der Marke Hyundai, Model Tucson. Im Fahrzeug befanden sich mehrere Personen. Der Lenker trug vermutlich eine weisse Oberbekleidung.

Ein Leser-Reporter (19) fuhr mit Kollegen kurz nach 23 Uhr an den Boxen am Depotweg vorbei: «Es war ein Riesen-Aufgebot, wir sahen mindestens zwei Kastenwagen und einen Streifenwagen. Neben den drei Securitas der Boxen sahen wir überall nur Polizisten und Prostituierte. Viele der Frauen standen draussen. Eine sprach gerade mit einem Polizisten, als wir vorbeifuhren.»

«Einige Prostituierte schauten schockiert»

Die anwesenden Personen hätten alle ziemlich angespannt gewirkt, allen voran die Prostituierten: «Einige standen mit verschränkten Armen dort und schauten schockiert, so als wäre etwas Tragisches geschehen.» Vom Vorfall selbst habe er nichts mitbekommen.

Andreas Moschin, Kommandant Stellvertreter der Stadtpolizei Zürich, sagt am Samstag zu 20 Minuten: «Unsere Kollegin ist nach wie vor im kritischen Zustand. Ich persönlich und das ganze Korps sind tief betroffen und in Sorge um die lebensbedrohlich verletzte Kollegin.»

19-Jähriger war hinter dem Lenker

Die Ermittlungen würden auf Hochtouren laufen und es wird alles daran gesetzt, den Lenker zu ermitteln und ihm habhaft zu werden. Moschin: «Es ist mir kein vergleichbarer Vorfall mit einer solchen Tragweite in unserem Korps bekannt.»

Die Ermittlungen waren erfolgreich, wie die Kantonspolizei Zürich am Sonntagnachmittag vermeldet: Der flüchtige SUV-Fahrer konnte noch am Samstag durch Fahnder der Kantonspolizei Zürich verhaftet werden. Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um einen im Kanton Zürich wohnhaften 19-jährigen Schweizer. Er wurde der Staatsanwaltschaft l für schwere Gewaltkriminalität zugeführt. Der zuständige Staatsanwalt stellte einen Antrag auf Untersuchungshaft.

Nicht der erste Vorfall

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Polizistin angefahren worden ist. Letzten Oktober hat ein Mann (20) in Winterthur eine Polizeisperre durchbrochen und eine Beamtin (39) angefahren.

Nach dem Vorfall vom Freitagabend hat sich auch der Verband Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB) zu Wort gemeldet. In einer Medienmitteilung heisst es: «Wieder ist es passiert. Mit voller Absicht wurde gestern Abend in der Stadt Zürich im Rahmen einer regulären Verkehrskontrolle eine Polizistin angefahren. Als ob das nicht genügt, wurde sie mehrere Meter mitgeschleift und zog sich dabei schwere Verletzungen zu. Der VSPB verurteilt diese Tat – welche an versuchten Mord grenzt – in schärfstem Masse.» Der Verband hoffe, dass der Täter schnell gefasst und hart bestraft werde.

Weiter fordert der Verband, dass die Politik aktiv werde und «Täter in höchstem Mass bestraft». «Der VSPB fordert seit vielen Jahren härteren Umgang und Bestrafung für solche Straftaten.
Der Verband wünscht der Kollegin gute Besserung und dass sie sich schnellstmöglich von ihren Verletzungen erholt.»

(wed/qll)