Gestohlene Luxuskarossen

28. Juni 2011 08:00; Akt: 27.06.2011 19:11 Print

Polnischer Autoschieber verurteilt

von Attila Szenogrady - Die europaweit berüchtigte «Mercedes-Bande» hat von Kloten aus diverse gestohlene Luxusautos für über eine Million Franken nach Osteuropa verschoben.

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Die international tätige «Mercedes-Bande» aus Polen wurde ab Herbst 2009 auch in der Deutschschweiz aktiv. Als wichtige Drehscheibe der Organisation galt das Parkhaus am Flughafen Kloten. Aus einem ganz einfachen Grund: Eingeflogene Chauffeure der Bande konnten unmittelbar nach ihrer Ankunft die kurz zuvor gestohlenen Luxuskarossen dort in Empfang nehmen und für eine Belohnung von rund 500 Euro nach Polen fahren. Wo die Empfänger die Fahrzeuge schnell umbauten und danach im mittleren Osten gewinnbringend absetzten.

Deliktsbetrag in Millionenhöhe

Am Montag musste sich ein erwischter polnischer Chauffeur der Gruppe wegen gewerbsmässiger Hehlerei vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Angesichts des hohen Deliktbetrags von über einer Million Franken forderte der zuständige Staatsanwalt Christophe Bodmer eine hohe, unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.
Der geständige Angeklagte hatte zwischen September 2009 und Februar 2010 mindestens neun Luxusfahrzeuge im durchschnittlichen Wert von rund 120 000 Franken nach Polen gelenkt. Mit wenigen Ausnahmen handelte es sich bei den gestohlenen Personenwagen um Karossen der Marke Mercedes. Meistens war der Ort der Uebernahme im Klotener Parkhaus. Womit die Diebstähle sehr schnell über die Bühne gingen.

Geständig und reumütig

Vor Gericht zeigte sich der polnische Familienvater geständig und reumütig. Der Arbeitslose gab finanzielle Not als Tatmotiv an. Er sei von einem mit ihm verwandten Bandenchef überredet worden, sagte er. Der Staatsanwalt ergänzte dazu, dass dieser Boss im letzten Mai in Oesterreich von einem Wiener Gericht zu einer hohen Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt worden sei. Danach soll er an die Schweiz ausgeliefert werden.
Der Chauffeur gab auch zu, dass er schon früher von Dänemark aus gestohlene Fahrzeuge nach Osteuropa überführt habe. Dafür habe er bereits in Polen eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr kassiert.

Teilbedingte Strafe

Die Verteidigung plädierte auf Milde und setzte sich für eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 32 Monaten ein. Die Hälfte davon auf Bewährung. So tieft wollte das Gericht nicht gehen. Allerdings kam es aufgrund des Geständnisses ebenfalls zu einer deutlichen Strafsenkung. Es legte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren fest. Die Hälfte davon unbedingt. Für den Rest auf Bewährung setzten die Richter eine lange Probezeit von vier Jahren fest. Der Beschuldigte nahm den Entscheid sichtlich bewegt entgegen. Er wolle nur nach Haus zu seiner Familie, schluchzte er während seines Schlusswortes.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lex Auto am 28.06.2011 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kriminalität nimmt zu....

    Geständig und Reumütig? Nur damit das Urteil milde ausfällt, neue Wege definiert werden können und danach das Ganze von vorn.Einreisesperre? von wegen....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lex Auto am 28.06.2011 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kriminalität nimmt zu....

    Geständig und Reumütig? Nur damit das Urteil milde ausfällt, neue Wege definiert werden können und danach das Ganze von vorn.Einreisesperre? von wegen....