Zürich

19. Juli 2018 16:57; Akt: 19.07.2018 16:57 Print

Pop-up-Salons boomen bei den Prostituierten

Vorsicht beim Untervermieten der Wohnung. Sie könnte zum Bordell werden. Immer mehr Prostituierte richten einen temporären Sexsalon ein.

Bildstrecke im Grossformat »
Viele Prostituierte richten heute temporäre Sexsalons in Wohnungen ein. Ein solcher Fall ereignete sich Ende 2017 beim Albisriederplatz: Eine Zürcherin (30) hatte ihre Wohnung untervermietet und verreiste nach Hawaii. Statt selber einzuziehen, richtete ihr Untermieter Heiko S. in der Wohnung ein illegales Bordell ein. Eine Mitbewohnerin demonstrierte mit einem Flugblatt dagegen. Ihr Untermieter gab sich als seriöser Geschäftsmann aus. Trotz der Zunahme von Pop-up-Salons hat sich die Situation im Sexgewerbe beruhigt. Gemäss dem neusten Bericht über die Entwicklung des Prostitutionsgewerbes sei etwa auf dem ehemaligen Strassenstrich auf dem Sihlquai keine Prostitution mehr feststellbar. Auch habe sich gemäss Bericht zwischen 2015 und 2017 das Angebot des Strichplatzes Depotweg weiter etabliert. Pro Nacht arbeiten rund 20 bis 30 Prostituierte auf dem Strichplatz. Das sind weniger als früher am Sihlquai. Prostituierte als Piktogramm: Wegweiser zum Strichplatz und zu den Wohnmobilen, in denen Frauen anschaffen. 10er-Zone: Auf dem Strichplatz in Altstetten ist nur langsames Fahren erlaubt. Übersichtsplan: Die Freier werden im Kreisverkehr über den Platz geschickt. Unterstand, um sich zu präsentieren: Regenschutz und Sitzgelegenheit für die Prostituierten. Zufahrt über die Aargauerstrasse: Wegweiser zum Strichplatz, auf dem ... ... Einbahnverkehr gilt. Sollen für die Prostituierten die Sicherheit verbessern: Autoboxen für den Strassenstrich. Werbung für die Zielgruppe: Plakat der Aids-Prävention in der Sexbox. Die neue Infrastruktur erfordert neue Piktogramme: Strichplatzregeln in der grafischen Darstellung. Beratung vor Ort: Büro der Organisation Dora Flora.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Fall sorgte Ende 2017 für Schlagzeilen: Eine junge Frau vermietete ihre Wohnung für ein paar Monate unter, während sie auf Hawaii weilte. Von Nachbarn erfuhr sie, dass ihr Untermieter Heiko S. ihre Bleibe vorübergehend in ein Bordell verwandelt hatte.

Umfrage
Waren Sie schon einmal in einem Bordell?

Das ist kein Einzelfall. Gemäss dem neusten Bericht über die Entwicklung des Prostitutionsgewerbes, ist zwischen 2015 und 2017 die Anzahl kleiner Sexsalons gestiegen, die nur temporär eingerichtet und nicht registriert werden. Robert Soos, Sprecher des Sicherheitsdepartements, sagt: «Die Pop-up-Salon-Betreiber umgehen so die Baubewilligung, die erst nach 30 Tagen nötig ist.» Zudem könnten sie so auch Mietkosten sparen.

Reklamationen wegen Pop-up-Salons

Oft werben die temporären Bordelle im Internet um Kunden, so Soos: «Das Phänomen zeigt, wie auch im Prostitutionsgewerbe gesellschaftliche Entwicklungen wie zunehmende Mobilität und Digitalisierung genutzt werden.»

Zum Ärgernis der Nachbarn der Pop-up-Salons. Bei der Stadtpolizei gehen deswegen zunehmend Reklamationen ein. In den letzten Monaten hat die Stadtpolizei mehrmals wöchentlich Reklamationen wegen Freiern erhalten, die in betroffenen Häusern ein-und ausgehen. Gemäss Bericht beobachtet die Stadtpolizei die Situation aufmerksam. Allerdings ist es nicht einfach, einzuschreiten, da die polizei- und die baurechtliche Handhabe begrenzt sei.

Gefahren für Prostituierte

Auch lauern Gefahren für Prostituierte, wie Kari-Anne Mey, Öffentlichkeits-Verantwortliche bei der Zürcher Stadtmission, sagt. So ist es für ihre Kolleginnen, die Sexarbeiterinnen beraten, viel schwieriger, diese zu erreichen: «Weil wir nicht wissen, wo die temporären Bordelle sind, können wir bei Problemen nicht helfen.» Da diese Frauen dort meistens allein arbeiten, seien sie Freiern viel mehr ausgeliefert: «Wenn diese etwa aggressiv werden, haben sie weniger Möglichkeiten, Hilfe zu holen.»

Generell begrüsse die Stadtmission aber registrierte Kleinstsalons mit bis zu zwei Zimmern, da die Frauen dort meistens selbstständig arbeiten und weniger ausgenützt werden. Obwohl diese seit 2017 nur noch eine Baubewilligung und keine polizeiliche Bewilligung mehr brauchen, ist die Zahl der registrierter Salons leicht zurückgegangen. 2014 gab es etwa noch 105, im Jahr 2017 nur noch 88.

Laut Mey hat das auch mit den steigenden Mieten zu tun: «Es wird immer schwieriger, günstige Räume zu finden – kein Wunder, weichen Sexarbeiterinnen etwa auf Airbnb aus.» Allgemein ist sie aber der Meinung, dass sich die Situation in der Salonprostitution beruhigt hat.

Gesamt-Situation hat sich beruhigt

Zu diesem Schluss kommt auch der Bericht. Sowohl im Bereich der Strassenprostitution als auch bei der Salonprostitution sei eine Stabilisierung erkennbar, heisst es. So habe sich gemäss Bericht zwischen 2015 und 2017 das Angebot des Strichplatzes Depotweg weiter etabliert. Pro Nacht arbeiten rund 20 bis 30 Prostituierte auf dem Strichplatz. Das sind weniger als früher am Sihlquai. Auf dem dortigen Gebiet des ehemaligen Strassenstrichs sei keine Prostitution mehr feststellbar.

Rund um die Langstrasse sind in der wärmeren Jahreszeit dafür 50 bis 60 Prostituierte unterwegs. Zurzeit gelinge es, die Balance und Quartierverträglichkeit zu erhalten, heisst es.

(som/sda)