Millionen abgezweigt

05. Dezember 2011 16:50; Akt: 05.12.2011 22:21 Print

Präsident des Rennvereins verhaftet

Der Präsident des Rennvereins Zürich, der Financier Martin Gloor, ist heute Morgen am Zürcher Paradeplatz von der Polizei abgeführt worden. Ihm wird Unterschlagung vorgeworfen.

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Martin Gloor, Präsident des Rennvereins Zürich. (Bild: Homepage Rennverein Zürich)

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In den Büros von Martin Gloors Finanzgesellschaft an der Zürcher Bahnhofstrasse wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt, Computer und Unterlagen wurden beschlagnahmt. Der Inhaber selber, Martin Gloor, Präsident des Rennvereins Zürich, dem ältesten Pferderennsport-Verein der Schweiz, wurde verhaftet. Peter Pellegrini von der Zürcher Staatsanwaltschaft sagte gegenüber «10vor10»: «Ich kann das als richtig bestätigen. Es ist eine Strafanzeige wegen Vermögensdelikten eingegangen. Wir stehen aber erst am Anfang unserer Abklärungen.»

Der ehemalige Rennreiter und Financier Martin Gloor hatte als Präsident des Zürcher Rennvereins Grosses vor: Er versprach, die 1,5 Millionen Franken Schulden zu tilgen und versprach sogar, eine Investition von 20 Millionen Franken für eine neue Rennbahn, schreibt das Onlineportal des Schweizer Fernsehens sf.tv.

Geld unterschlagen?

Gloor ist laut «10vor10» wegen Wirtschaftsdelikten mehrfach vorbestraft. «10vor10»-Recherchen zeigen, dass das Obergericht Zug Gloor 2007 wegen «Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug» zu 14 Monaten Freiheitsstrafe bedingt verurteilt hatte.

Bereits im Jahr 2006 soll Gloor in Monaco vom Appelationsgericht für ähnliche Vergehen verurteilt worden sein - «wegen Betrügereien und geschäftlicher Tätigkeit ohne Bewilligung». Deswegen war er mit einer Einreisesperre belegt worden. Von dieser Verurteilung habe allerdings selbst das Obergericht Zug keine Kenntnis gehabt.

Gloor ist Inhaber der Core Capital Partners AG an der Bahnhofstrasse. Gloor vermittelte Kunden Investments in Start-Up-Firmen. Rund 50 Prozent der Investments, die in die Start-Up-Firmen fliessen sollten, blieben angeblich bei Core Capital. Laut «10vor10» wird geschätzt, dass Gloor über «10 Millionen Franken abgezweigt» hat. Ein Anwalt, der mehrere Geschädigte vertritt, schätzt, dass noch mehr Millionen unterschlagen wurden.

Geschädigte aus Pferderennszene

Der «10vor10»-Bericht spekuliert, dass möglicherweise einige der Geschädigten aus der Pferderennszene stammen würden und stellt die Frage, ob diese durch positiv gefärbte Artikel der NZZ geblendet worden seien. Im Bericht werden mehrere Titel der NZZ zitiert, die Gloor eine glaubwürdige und positive Aura verliehen. Auffällig war für den Redaktor, dass all diese Artikel vom selben Sportredaktor der NZZ verfasst waren, der offenbar auch in einem PR-Video ein Interview mit Gloor geführt habe.

Gloor selber war für «10vor10» wegen der überraschenden Festnahme nicht mehr zu sprechen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

(kub/jam)