Frauengewalt

03. März 2009 18:01; Akt: 03.03.2009 18:01 Print

Prostituierte prügelte Hochschwangere spitalreif

von Attila Szenogrady - Wiederholt schlug eine junge Prostituierte zu. Den Zenit überschritt sie, als sie mehrmals auf eine hochschwangere Mutter einschlug und diese verletzte. Nun musste sich die Täterin vor Gericht verantworten.

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Das Tabuthema Gewalt von Frauen gegen Frauen gibt es auch in Zürich. Dafür steht der Strafprozess gegen eine 19-jährige Zürcherin, die sich am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten musste. «Ich bin halt ein bisschen impulsiv», gestand die kräftige Täterin vor den Schranken ein.

Spezialität: Faustschläge ins Gesicht

Schon der schräge Blick einer heute 18-jährigen Schülerin genügte, um die leicht reizbare Angeklagte völlig ausflippen zu lassen. An der Haltestelle der Rosengartenstrasse versetzte sie der Jugendlichen einen wuchtigen Faustschlag mitten ins Gesicht. Obwohl das verletzte Opfer den Vorfall der Polizei meldete, schlug die Angeklagte schon bald wieder zu.

Hochschwangere Mutter spitalreif geprügelt

Am 18. Januar 2008 fuhr die Angeklagte am Nachmittag in einem Tram der Linie 14 durch Oerlikon. Dabei geriet sie plötzlich an eine heute 27-jährige Mutter, die mit ihrer vierjährigen Tochter bei der Haltstelle Sternen Oerlikon aussteigen wollte. Dabei stiess die Angeklagte die hochschwangere Mutter ihren Ellenbogen in den Bauch, versetzte ihr mit einem Hüftschwung einen Hieb und schlug ihr mehrere Male mit der Faust ins Gesicht. Die verletzte Hausfrau aus Serbien musste ins Spital, wo die Ärzte erhebliche Augenverletzungen sowie Prellungen an den Hüften feststellten. Die Mutter hatte Glück im Unglück, da ihr ungeborenes Kind später ohne Verletzungen auf die Welt kam.

Schwangerschaft angeblich nicht erkannt

Vor Gericht gab die Angeklagte den ersten Vorfall vom Rosengarten unumwunden zu. Bei der Attacke im Tram machte sie aber Notwehr geltend. So sei sie von der Mutter ebenfalls geschlagen worden. Ausgerechnet gegen ihr blaues Auge, welches ihr damaliger Freund kurz zuvor mit einem Box beigebracht habe. Zudem habe sie nicht erkannt, dass die Geschädigte schwanger gewesen sei, rechtfertigte sie ihr Vorgehen.

Milde Strafe wegen Vorleben

Die Verteidigung sprach von blossen Tätlichkeiten und setzte sich für eine Busse von 500 Franken ein. Das Gericht sah es anders und verurteilte die gewaltbereite Zürcherin wegen mehrfacher Körperverletzung. Mit einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken setzte es trotzdem eine relativ milde Sanktion fest. Der Hauptgrund dafür lag im bisher völlig verpfuschten Vorleben der Täterin. So kam heraus, dass sie sich schon im Alter von 14 Jahren in Zürich als Prostituierte betätigen musste. Ausgerechnet auf Geheiss ihrer eigenen Mutter, die wegen sexuellen Handlungen mit Kindern eine bedingte Gefängnisstrafe von 15 Monaten kassierte und in der Folge das Sorgerecht verlor.
Heute ist die junge Ex-Prostituierte selber Mutter einer vierjährigen Tochter und lebt von der Sozialhilfe. Weshalb das Gericht von einer zusätzlichen Busse und der Auferlegung der Gerichtskosten absah. Die finanziellen Forderungen der verletzten Mutter verwies das Gericht auf den Weg eines Zivilprozesses.