Kokainhändlerin

21. Dezember 2011 23:52; Akt: 21.12.2011 20:25 Print

Putzfrau muss für über vier Jahren ins Gefängnis

von Attila Szenogrady - Eine fünffache Mutter aus Effretikon hat 730 Gramm Kokain verkauft und Drogengelder für 80 000 Franken gewaschen. Nun soll die rückfällige Dominikanerin für vier Jahre und drei Monate hinter Gitter.

Fehler gesehen?

Es war eine Stunde nach dem Prozessauftakt, als der Gerichtsvorsitzende Roland Heimann der Beschuldigten aus Effretikon die wohl wichtigste Frage der Verhandlung stellte: “Möchten sie, dass ihre fünf Kinder auch in der Drogensucht landen?“ Worauf die 47-jährige Mutter mit Tränen in den Augen den Kopf schüttelte, nein sagte und zugab, dass sie wieder einen Fehler gemacht habe. Sie erinnerte sich an das Jahr 1998 zurück. Damals wurde sie wegen der Einfuhr von über fünf Kilogramm Kokain vom Bezirksgericht Bülach zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Mit der Folge, dass die Vormundschaftsbehörde den damals zweieinhalb Jahre alten Sohn der inhaftierten Drogenkurierin entzog und einer Pflegefamilie übergab.

Rückfall nach acht Jahren

Nach ihrer Haftentlassung blieb die Frau zunächst seriös. Sie heiratete einen Schweizer und brachte weitere Kinder zur Welt. Allerdings stieg die Frau nach acht Jahren erneut ins Kokaingeschäft ein. Gemäss den Angaben des Verteidigers war dafür in erster Linie das Scheitern der Ehe verantwortlich. So liess der Mann die Angeklagte sitzen und ging eine neue Beziehung mit einer anderen Dominikanerin ein. Deshalb habe die inzwischen fünffache Mutter keinen anderen Ausweg mehr gesehen, sagte der Rechtsanwalt. Gerichtspräsident Heimann stufte diesen Entscheid als pure Dummheit ein.

730 Gramm «Schnee» verkauft

In der Sache war die Putzfrau umfassend geständig. So war sie ab Sommer 2009 als Gehilfin bei mehreren Kokaintransporten aus der Karibik beteiligt. Dabei war sie vor allem als Übersetzerin für Drogenkuriere zuständig. Zu ihren Kunden zählte auch der kürzlich verurteilte Kokainlieferant von DJ Tatana. Die Anklageschrift schilderte, wie rund zehn Kilogramm «Schnee» den Weg in die Region Effretikon und Turbenthal finden sollten. Davon kam allerdings nur die Hälfte an.

Immerhin konnte die Beschuldigte 730 Gramm Kokain an verschiedene Käufer absetzen und Drogengelder für rund 80 000 Franken waschen. Im Juni 2010 war Schluss. Die Beschuldigte wurde von der Polizei festgenommen und verschwand für mehrere Monate in der Untersuchungshaft.

Kein Pardon

Der zuständige Staatsanwalt Marcel Bötschi und der Verteidiger Jürg Federspiel wollten sich ursprünglich auf ein abgekürztes Verfahren einigen. Mit einem Strafmass von dreieinhalb Jahren Freiheitsentzug. Viel zu milde für die Geschäftsleitung der Anklagebehörde. Sie wies den Untersuchungsrichter an, Anklage zu erheben und vor Gericht vier Jahre Freiheitsentzug zu fordern. Was Staatsanwalt Bötschi auch beantragte. Im Gegensatz zum Verteidiger, der eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren verlangte.

Allerdings kannte das Gericht kein Pardon und ging sogar mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Die Richter verwiesen vor allem auf die massive, einschlägige Vorstrafe der Angeklagten. «Obwohl die Mutter bereits ihren ersten Sohn wegen Drogen verlor, hatte sie nichts Gescheiteres zu tun, als wieder das Gleiche zu begehen», führte der Vorsitzende Heimann aus. Das Gericht verneinte auch eine Strafempfindlichkeit, da die Frau keine innigen Beziehungen zu ihren Kindern aufweise. Fest steht, dass die beiden jüngsten Töchter heute beim Schweizer Vater leben und der älteste Sohn keinen Kontakt zu seiner leiblichen Mutter wünscht. Zwei weitere Kinder leben in der Karibik. Die Frau nahm das Verdikt sichtlich betroffen entgegen. So muss sie nun auch mit einer Ausschaffung aus der Schweiz rechnen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tinu am 24.12.2011 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Sie war schon mal deswegen aufgefallen! Solange muss man schon beinahe ins Gefängnis, wenn man nach einer massiven Geschwindigkeitsübertretung nochmals erwischt wird! Ich finds richtig. Drogenhandel ist und bleibt verboten.

  • K. Omisch am 23.12.2011 03:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schon spannend

    Gleich im Beitrag weiter unten wird von einem Financier berichtet, der Anleger um 1,5 Mio. betrogen hat. Bekommt dafür 18 Monate bedingt.

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  • Tinu am 24.12.2011 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Sie war schon mal deswegen aufgefallen! Solange muss man schon beinahe ins Gefängnis, wenn man nach einer massiven Geschwindigkeitsübertretung nochmals erwischt wird! Ich finds richtig. Drogenhandel ist und bleibt verboten.

  • K. Omisch am 23.12.2011 03:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schon spannend

    Gleich im Beitrag weiter unten wird von einem Financier berichtet, der Anleger um 1,5 Mio. betrogen hat. Bekommt dafür 18 Monate bedingt.