Schlieren ZH

16. Juni 2015 21:48; Akt: 16.06.2015 21:57 Print

Randständigen verprügelt – zwei Polizisten verurteilt

von Attila Szenogrady - Zwei Angehörige der Stadtpolizei Schlieren haben in einem Schrebergarten auf einen Randständigen eingeschlagen. Das Zürcher Obergericht hat jetzt eine Geldstrafe verhängt.

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Das Zürcher Obergericht hat zwei langjährige Mitarbeiter der Stadtpolizei Schlieren zu bedingten Geldstrafen verurteilt. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Am Dienstag wähnte man sich am Zürcher Obergericht an einem Prozess des abgeschafften Geschworenengerichts. So sassen mit zwei langjährigen Beamten der Stadtpolizei Schlieren zwei nicht geständige Beschuldigte vor den Schranken.

Sie wehrten sich gegen erstinstanzliche Schuldsprüche des Bezirksgerichts Dietikon, das die beiden Ordnungshüter bereits im Dezember 2013 wegen mehrfachen Amtsmissbrauchs, Freiheitsberaubung, mehrfacher Nötigung, Körperverletzung, Hausfriedensbruchs sowie Sachentziehung zu bedingten Freiheitsstrafen von je 16 Monaten verurteilt hatte.

Verteidiger demontieren Opfer

Die Vorwürfe gingen auf den 24. Juni 2011 zurück. Damals sollen die beiden Stadtpolizisten in einem Schrebergarten in Schlieren einen angetrunkenen Randständigen nach einer Kontrolle massiv verprügelt und verletzt haben.

Nicht zu beweisen, befanden nun die Verteidiger, die einen vollen Freispruch forderten. Sie demontierten dabei in erster Linie die Aussagen des Geschädigten, den sie als geisteskranken Trinker hinstellten. Dieser habe die Beschuldigten aus Hass auf die Polizei zu Unrecht verzeigt und der Staatsanwaltschaft widersprüchliche Märchengeschichten aufgetischt.

Verteidiger Landmann kritisierte auch das Verletzungsbild des Hausarztes, der seine früheren Angaben vor Obergericht allerdings bestätigte. Der Mediziner hatte beim Opfer diverse Hämatome, Druckdolenzen sowie Schürfwunden festgestellt. Diese könnten auch von einer anderen Schlägerei des streitsüchtigen Privatklägers herrühren, zeigte sich Landmann überzeugt. Wir würden unser Polizeiabzeichen nie so beschmutzen», erklärte einer der Beschuldigten in seinem Schlusswort.

Dem Geschädigten und Zeugen geglaubt

Am Ende waren aber auch die Oberrichter bei den Hauptvorwürfen von der Schuld der beiden Polizeibeamten überzeugt. Der Gerichtsvorsitzende Daniel Bussmann sprach von einer sehr grossen Herausforderung, da es sich bei den Beschuldigten um bisher unbescholtene und gewissenhafte Polizeibeamte gehandelt habe.

Der heute 47-jährige Geschädigte sei dagegen bereits öfters negativ aufgefallen und gelte als Polizeihasser. Allerdings habe er schon während des Verfahrens ein beeindruckendes Gedächtnis und erstaunliche prozessuale Fähigkeiten ausgewiesen. Er habe zudem eine Strafanzeige eingereicht, die sehr glaubhaft und authentisch wirke.

Das Obergericht machte aber auch im Gegensatz zum Bezirksgericht Dietikon klar, dass es alleine aufgrund der Belastungen des Arbeitslosen nicht zu Schuldsprüchen gekommen wäre. Entscheidend seien zwei Zeugen und der Arztbericht gewesen. Sie hätten nämlich die Version des Geschädigten bestätigt.

Verstümmelter Bussenzettel als Hauptindiz

Als Hauptindiz werte das Obergericht zudem einen verstümmelten Bussenzettel. So hätten die Polizeibeamten die Busse zunächst ausgestellt und danach zerknüllt. Was die Oberrichter als bewusste Spurenvernichtung einstuften. Dies deute darauf hin, dass der Geschädigte tatsächlich Opfer eines polizeilichen Übergriffs geworden sei. Die Oberrichter stuften die Aussagen der Angeschuldigten dagegen als nicht glaubhaft ein. Auch dass sie die spätere Rückkehr in den Schrebergarten des Klägers unterschlagen hatten, was ihnen den Schuldspruch wegen Hausfriedensbruchs einbrachte.

Das Obergericht sah zudem die Vorwürfe des Amtsmissbrauchs sowie der Körperverletzung als erwiesen an und sprach von brutalen und demütigenden Übergriffen. Dort wo direkte Zeugen fehlten, kam es aber zu Freisprüchen. So bei der Freiheitsberaubung sowie bei der Nötigung, die teilweise schon in den Amtsmissbrauch eingeflossen war.

Aufgrund der Teilfreisprüche setzte das Obergericht neu Geld- statt Freiheitsstrafen fest. Der 54-jährige Ex-Polizist erhielt 270 Tagessätze zu 60 Franken bedingt. Sein freigestellter Ex-Berufskollege kassierte 270 Tagessätze zu 130 Franken auf Bewährung. Auf die Zivilansprüche des Beschuldigten traten auch die Oberrichter nicht ein. Die erneut verurteilten Beschuldigten können den Fall nur noch an das Bundesgericht weiterziehen.