Winkel ZH

09. Dezember 2011 08:00; Akt: 08.12.2011 22:18 Print

Rasender Rechtsanwalt muss bezahlen

von Attila Szenogrady - Ein Rechtsanwalt aus Winkel ist mit seinem Personenwagen mit rund 90 km/h statt 50 km/h durch Zürich-Nord gerast. Nun muss wurde der nicht geständige Multimillionär zu einer teilbedingten Geldstrafe von 37'800 Franken verurteilt. Die Hälfte soll er bezahlen.

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Es war in der Nacht auf den 28. Mai 20011, als ein Autolenker mit seinem Personenwagen der Marke Chevrolet vom Zürcher Unterland her nach Zürich fuhr. Kurz nach zwei Uhr raste der Mann in Zürich-Nord mit rund 90 km/h statt den erlaubten 50 km/h über die Dübendorfstrasse stadteinwärts. Er geriet dabei prompt in eine Radarfalle der Polizei. Wenig später war der mutmassliche Täter aufgrund der Kontrollschilder ausfindig gemacht. Es handelte sich um einen heute 45-jährigen Rechtsanwalt aus Winkel bei Bülach. Allerdings wies der Jurist den Vorwurf des Schnellfahrens zurück.

46'200 Franken Geldstrafe gefordert

Am Donnerstag musste sich der Beschuldigte wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln am Bezirksgericht Zürich verantworten. Der zuständige Staatsanwalt Jürg Boll verlangte eine hohe Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 770 Franken, also insgesamt 46 200 Franken. Unbedingt, da der Rechtsanwalt bereits im November 2008 nach einer Blaufahrt und Drogendelikten eine noch bedingte Vorstrafe von 40 Tagessätzen zu 520 Franken sowie eine Busse von 2 400 Franken kassiert hatte.

Lenkerschaft bestritten

Vor den Schranken stritt der verheiratete Angeklagte den Raservorwurf ab. Er sei nicht die Person, die auf dem Radarfoto zu sehen sei, erklärte er und verweigerte ansonsten zur Sache jegliche Aussage. Verteidiger Beat Hauri verlangte einen vollen Freispruch und führte aus, dass der Halter des Fahrzeugs noch längst nicht der Lenker sein müsse. Zudem trage sein Klient eine andere Haartracht, als der abgelichtete Mann auf dem Bild. Hauri beantragte deshalb, die langjährige Coiffeuse des Beschuldigten als Zeugin einzuvernehmen.

Ueber 20'000 Franken bezahlen

Der zuständige Einzelrichter liess sich vom Verteidiger nicht überzeugen und fällteaufgrund der Beweislage einen Schuldspruch aus. Bei der Strafzumessung kam das Gericht dem Angeschuldigten allerdings entgegen und setzte eine teilbedingte Sanktion von 60 Tagessätzen zu 630 Franken fest. Davon soll der Zürcher Unterländer die Hälfte bezahlen. Von insgesamt 37 800 Franken also 18 900 Franken. Hinzu kommt eine Gerichtsgebühr von 2000 Franken. Was bedeutete, dass den Beschuldigten ein kurzer Moment der Unbeherrschtheit über 20 000 Franken kostet. Allerdings wird er den Entscheid wohl kaum akzeptieren. Er kann den Fall an das Obergericht weiterziehen.