Bezirksgericht Zürich

27. Januar 2015 22:53; Akt: 28.01.2015 00:01 Print

Rechtsanwalt nach Überfall zu Therapie verurteilt

von Attila Szenogrady - Ein Rechtsanwalt überfällt und bestiehlt zusammen mit einem Kickbox-Kämpfer ein Notar am Zürichberg. Statt ins Gefängnis muss er in eine ambulanten Psychotherapie.

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Der Beschuldigte und sein Leibwächter überfielen einen 65-jährigen Notar. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Der äussere Sachverhalt war am Dienstag vor Gericht nicht mehr bestritten. Demnach begab sich der heute 53-jährige Rechtsanwalt aus Baden am Nachmittag vom 24. März 2013 nach Zürich. In Begleitung eines mazedonischen Kickbox-Weltmeisters, der den Aargauer Juristen an jenem Sonntag mit einem Personenwagen in ein nobles Viertel am Zürichberg fuhr.

Ziel der Reise war ein Haus eines Zürcher Notars, der in einem Erbstreit des Aargauer Anwaltes als Willensvollstrecker amtete. «Die Chemie zwischen uns hat einfach nicht gestimmt», versucht sich der 53-Jährige zu erklären.

Wüste Keilerei im Nobelquartier

Als der Beschuldigte mit seinem Leibwächter unangemeldet vor der Eingangstüre des heute 65-jährigen Notars auftauchte, eskalierte die Situation. Es kam zu einer wüsten Keilerei, wobei beide Seiten den ersten Schlag jeweils der Gegenseite zuschoben. Laut Staatsanwaltschaft war es aber der kampferprobte Mazedonier, der dem Notar einen Faustschlag gegen das rechte Auge versetzte. Dann folgte ein wildes Handgemenge, bei welchem die beiden Juristen gegenseitig mit ihren Schlüsselbünden auf sich einschlugen.

Der verletzte Notar zog den Kürzeren und flüchtete in das Hausinnere. Dicht gefolgt von den beiden unerwünschten Besuchern. Der Badener Anwalt soll dabei seinen Bodyguard aufgefordert haben, seinen Gegner umzubringen. Das Opfer suchte stolpernd das Weite und konnte durch seinen Garten entwischen.

Portemonnaie und Brille gestohlen

Das beschuldigte Duo zog sich kurz darauf vom Tatort zurück. Allerdings nahm der Badener Anwalt sowohl ein Portemonnaie als auch eine Brille des Privatklägers an sich. Kurz darauf wollte der Beschuldigte mit einer Mastercard des Opfers an einem Bankomaten 1000 Franken beziehen. Allerdings ohne Erfolg. daraufhin wurden der Aargauer Jurist und sein Leibwächter von der Polizei festgenommen. Der Badener verbrachte danach 44 Tage in Untersuchungshaft.

Psychisch angeschlagener Anwalt

Am Strafprozess am Dienstag kam heraus, dass der angeschuldigte Anwalt schon seit mehreren Jahren an einer psychischen dipolaren Störung leidet. Die Aufsichtskommission über Rechtsanwälte hat ihm zwar laut der richterlichen Befragung inzwischen nicht das Patent entzogen, jedoch ein vorläufiges Berufsverbot erteilt.

Vor den Schranken führte der Beschuldigte erneut aus, dass der Notar zuerst zugeschlagen habe. Zudem habe er das Portemonnaie im verlassenen Haus nur an sich genommen, um es vor möglichen Dieben zu schützen. Den anschliessend gescheiterten Geldbezug an einem Bankomaten bezeichnete er dagegen als Spass eines dummen Kindes. «Ich habe es einfach probiert», erklärte er.

Auf der Mastercard habe sich sein überfälliges Erbe befunden, soll er der Polizei dazu erklärt haben. Auch vor Gericht führte er aus, dass ihn der Notar um sein Erbe habe bringen wollen. Die Erklärung, dass er Kokain im Portemonnaie des Notars gefunden habe, half ihm auch nicht weiter.

Therapie statt Knast

Am Prozess verlangte der zuständige Staatsanwalt für den Aargauer wegen Diebstahls, Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und weiteren Delikten eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten. Die Hälfte davon unbedingt.

Die Verteidigung setzte sich für Teilfreisprüche und fünf Monate Freiheitsentzug ein. Das Gericht schlug zum Schluss einen Mittelweg ein. Es kam zu weitgehenden Schuldsprüchen und setzte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten fest. Allerdings unter Aufschub des Strafvollzugs zugunsten einer ambulanten Psychotherapie. So ging das Gericht von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit des Anwaltes aus.

Der Beschuldigte soll dem Privatkläger ein Schmerzensgeld von 1000 Franken sowie eine Prozessentschädigung von 8821 Franken bezahlen. Das Gericht sprach von einem aussergewöhnlichen Fall. So hätte der Beschuldigten den normalen Rechtsweg beschreiten können.

Das Zürcher Obergericht hat übrigens bereits im letzten Sommer den mitbeschuldigten Kickbox-Weltmeister in einem anderen Prozess wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruchs zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 40 Franken verurteilt.