Gaza-Demo in Zürich

18. Juli 2014 16:30; Akt: 18.07.2014 16:59 Print

Religionsvertreter sind «tief beunruhigt»

Vor der Zürcher Demo für Gaza gab es heftige antisemitische Drohungen. Der Interreligiöse Runde Tisch im Kanton Zürich befürchtet eine Eskalation – und ruft zu Besonnenheit auf.

storybild

In Lausanne fand bereits am Donnertag eine Demonstration für Palästina statt. (Bild: Leser-Reporter)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf Facebook-Seiten, die zur Teilnahme an der Kundgebung in Zürich für Gaza aufriefen, gab es zahlreiche antisemitische Äusserungen – und Aufrufe, die Demonstration ins Zürcher «Judenviertel» zu verlegen und dort Gewalttaten gegen «Zionisten» zu verüben.

Nicht nur beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund ist man besorgt um die Sicherheit von Zürichs jüdischer Bevölkerung, auch beim Interreligiösen Runden Tisch im Kanton Zürich ist man «tief beunruhigt». Dem Runden Tisch gehören Vertreter des Judentums, des Islams, der reformierten und katholischen Kirche und des Buddhismus an. In einem am Donnerstag veröffentlichten Appell teilen sie mit, man befürchte eine Eskalation der Situation – wie in Frankreich, wo es in den letzten Tagen zu Übergriffen bei verschiedenen Synagogen gekommen sei.

«Sich nicht von Spirale der Gewalt anstecken lassen»

Man unterstütze die Demonstrationsfreiheit. «Aber wir verurteilen es dezidiert, wenn die hier lebenden Jüdinnen und Juden für die politische Situation im Nahen Osten verantwortlich gemacht werden und zu Hass und Gewalt gegen sie aufgerufen wird.»

Es sei nachvollziehbar, dass der aktuelle Konflikt im Nahen Osten beidseits zu Angst, Verbitterung und Rachegefühlen führe. «Wir dürfen uns aber von der Spirale der Gewalt nicht anstecken lassen.» Der religiöse Friede hierzulande dürfe unter keinen Umständen gefährdet werden.

Der Runde Tisch ruft alle, die sich mit Palästina verbunden fühlen, dazu auf, unter den gegebenen Umständen auf eine Teilnahme an der heutigen Demonstration zu verzichten – oder sich an der Kundgebung «für Besonnenheit, Gewaltfreiheit und Respekt gegenüber Andersgläubigen» einzusetzen. Die Stadtzürcher Behörden müssten den Schutz und die Sicherheit der hier lebenden jüdischen Gemeinschaft voll und ganz sicherstellen.

Organisatoren gegen Rassismus und Diskriminierung

Auch auf Websites, die zur Teilnahme an der Demonstration aufrufen, heisst es, diese solle friedlich verlaufen – Rassismus sowie Diskriminierung aufgrund der Ethnie, Religion, Nationalität oder des Geschlechts werden nicht toleriert. Die bewilligte Kundgebung findet am Freitag ab 19 Uhr auf der Gemüsebrücke statt.

Die Stadtpolizei Zürich hat mittlerweile Ermittlungen gegen die Urheber der antisemitischen Äusserungen und Drohungen aufgenommen.

(lüs)