Bundesgerichtsentscheid

22. Februar 2019 07:41; Akt: 22.02.2019 13:42 Print

Detektive erwischen IV-Bezüger in Club, Rente weg

Jahrelang kassierte ein Aargauer eine IV-Rente. Dies wurde geändert, nachdem der Mann von Privatdetektiven überwacht worden war.

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Ein Aargauer IV-Rentner wurde von Privatdetektiven überwacht. Wegen der Infos der Ermittler wurde dem Mann die IV-Rente gestrichen. Der Aargauer legte Beschwerde beim Bundesgericht ein. Dieses liess ihn allerdings abblitzen. Doch es gibt noch viele weitere Betrüger im IV-Bereich. Die dreisten Fälle finden Sie nachfolgend. Fall 1: . Seit dem 1. August 2000 bezieht A. wegen Schulter- und Kniebeschwerden nach zwei Unfällen eine IV-Rente. Später sagt er, er befinde sich in psychiatrischer Behandlung. (Symbolbild) Die Zürcher IV-Stelle geht mithilfe einer Observation den anonymen Hinweisen nach, A. spiele auf hohem Niveau Golf und verbringe bei jeder Witterung mehrere Stunden auf dem Green. Gegenüber der IV-Stelle gibt A. als Hobby einzig das Spielen auf der Playstation an. Nachdem sich der Verdacht bestätigt hat, sistiert die IV die Rentenzahlung und fordert die zu viel ausbezahlten Renten zurück. (Symbolbild) Fall 2: . Laut einem ärztlichen Gutachten leidet der Walliser Schreiner L. unter einer «inkompletten, linksbetonten Tetraplegie mit neurogener Blasenfunktionsstörung». Er sei zwingend auf einen Rollstuhl angewiesen. Damit erstreitet er sich vor Gericht eine ganze Rente. (Symbolbild) Im Sommer 2013 lässt ihn die IV-Stelle Wallis observieren: Jemand hat gemeldet, dass L. sich in der Öffentlichkeit im Rollstuhl fortbewege, bei sich zu Hause aber mit Schaufel und Pickel arbeite, Holz säge und Bäume schneide. Die Detektive filmen ihn, wie er auf eine Leiter steigt und dabei nach vorne gebückt auf einem Bein stehend Aprikosen pflückt. (Symbolbild) Fall 3:. Der gelernte Strassenbauer Z. erhält eine ganze Invaldidenrente. Er gibt an, häufig auftretende Blockaden in der Wirbelsäule sorgten dafür, dass er sich nur mit der Hilfe seiner Frau anziehen könne. Wegen Rückenbeschwerden könne er nicht mehr Velo fahren und höchstens noch leichte Gegenstände wie eine Tasse heben. (Symbolbild) Die IV-Stelle des Kantons Graubünden lässt ihn im Spätsommer 2013 mit einer Standkamera observieren. Z. setzt sich ohne Anzeichen auf einem rund 600 Kilo schweren Töff und fährt los. Auch kann er Pneus mit einem Gewicht von 15 Kilogramm aus dem Auto heben und sie vor dem Haus abstellen. Die IV-Stelle hebt die Invalidenrente rückwirkend auf. Z. muss 55000 Franken zurückerstatten. (Symbolbild)

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16 Jahre arbeitete ein heute über 50-jähriger Mann auf dem Bau. Nach mehreren Unfällen musste er sich nach der Jahrtausendwende in eine Reha-Klinik begeben. Wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, wurden seine Schmerzen von den Ärzten als «subjektiv empfunden und nicht durch die Befunde erklärbar» beschrieben.

Gestützt auf diesen Befund erhielt der Mann ab 2002 eine halbe IV-Rente. Zweimal wurde dieser Anspruch überprüft und bestätigt. Beim dritten Mal kam die Wende: Die Aargauer IV-Stelle liess den Mann an neun Tagen durch Privatdetektive überwachen.

Mann legte Beschwerde dem Bundesgericht vor

Bei den bisherigen Überprüfungen hatte der Mann angegeben, dass ihm jegliche Lust fehlte, im Alltag etwas zu unternehmen. Die Arbeit der Detektive zeigte allerdings ein anderes Bild. Der Mann fuhr ins Einkaufscenter, ging in Clubs und suchte sogar ein Erotik-Etablissement auf. Das Besondere daran: Er hatte keine körperlichen Einschränkungen. Beim Treffen mit dem Psychiater und den IV-Beamten hinkte er noch.

Das Versicherungsgericht verfügte, dass seine Rente rückwirkend auf den 1. November 2016 aufgehoben wird. Dagegen klagte der Rentner – ohne Erfolg. Vor dem Bundesgericht blitzte er ab. Jetzt muss er die Verfahrenskosten zahlen.

Es ist nicht die erste Wunderheilung, die Sozialdetektive aufdecken. 20 Minuten berichtete im November von zwei IV-Bezügern, die durch Detektive entlarvt worden waren.

Ein Mann verlässt steif und langsam eine Arztpraxis. Er stützt sich einseitig auf eine Krücke. Dann der Szenenwechsel: Am selben Tag bewegt sich der Mann vollkommen normal und frei fort, von Beeinträchtigungen oder Schmerzen keine Spur.

In einem anderen Fall filmte ein Detektiv einen Mann bei seiner Arbeit auf einer Baustelle. Auch dieser Versicherte galt zum besagten Zeitpunkt seit längerem als vollkommen arbeitsunfähig. Doch im Video ist zu sehen, wie er ohne Probleme schwere Gegenstände durch die Gegend trägt.

Die dreisten Fälle finden Sie hier.

(fss/jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Harry Beierer am 22.02.2019 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Recht so, unser Sozialsystem wäre gut, aber es gibt leider überall Schmarozer. Es gibt aber Personen die die Leistungen von der IV bräuchten aber nix bekommen.

    einklappen einklappen
  • Stänzler am 22.02.2019 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtig so

    wenn alle IV- Betrüger auffliegen würden dann könnte man Millionen sparen und dieses Geld den efektiv Bedürftigen abgen

    einklappen einklappen
  • Gastgewerbler am 22.02.2019 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    IV von wegen

    Absolut korrekt

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ajrook Ajro am 22.02.2019 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    IV-Detektive-Awälte

    Ja am besten ist wenn einer IV Bekommt sollte man in einem gefängnis schicken dann braucht die IV Keine Detektive mehr. Ja wenn man eine IV von 100% kriegt dann muss man ja gar nicht leben das heisst man darf keine Spass mehr haben nich in kubs gehen nicht in Einkaufszentren gehen nicht draussen gehen kein Auto fahren sondern am besten sich aufhängt damit die IV Nicht mehr bezahlt die Schmerzen von dem person ist ja nichts und alles andere was der Person hat!? Ich kann verstehen wenn so einer wie dieser in diesem aufnahme gezeigt wird das dieser Mann arbeitet das ist nicht korrekt aber!?

  • Martin Fürst am 22.02.2019 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Betrug ist nicht zu beweisen

    Wenn ich 50% invalid bin, muss ich ja trotzdem noch 50% auf die Baustelle. Und selbst wenn ich 100% invalid bin, gibt's beschwerdefreie Tage, wo ich noch lache, meine Einkäufe selber schleppen MUSS, Hobbies pflege etc. in meiner Freizeit, weil die SPITEX nicht kommt. (bin ja nur 8 Std/Tag im "Dienst", 5 Tage/Woche) Ein Betrug kann nur selten ohne Zweifel nachgewiesen werden. Es müsste schon ein riesiges Lügengebäude einstürzen. Fröhlich zu sein, 50% auf Baustelle bei 50% Invalidität, Einkäufe schleppen etc. sind kein Betrug, sondern überlebensnotwendig.

  • H. U. Gaffner am 22.02.2019 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Hart bestraffen

    Richtig hart bestrafen. Ich finde jeder kann irgendwie arbeiten. Man muss es nur wollen. Die das nicht wollen sollten auch kein Geld erhalten. Wir müssen die IV ALV abschaffen. Jeder ist für sich selber verantwortlich

  • Dr. No am 22.02.2019 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrug darf sich nicht lohnen

    An alle die schreiben, dass die Aufklährung von Sozialbetrug (Detektive etc.) mehr kostet als der Betrug Schaden anrichtet. Stimmt vielleicht. Aber auch der Strafvollzug kostet mehr als wenn man die Leute freilassen würde. Betrug darf such einfach nich lohnen.

  • Karin am 22.02.2019 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so !

    Rcihtig - beobac hten und Rente weg - diese wird in der AHV gebraucht - Schmarozer haben keine Gnade verdient !