«Scheinehe»

03. Februar 2014 14:51; Akt: 25.02.2014 09:10 Print

Rosenkavalier muss die Schweiz verlassen

von Roman Neumann - Kubeysi Genoglu ist der beliebteste Rosenverkäufer der Stadt Zürich. Seit zehn Jahren verkauft er seine Ware, zieht durch Bars und Pubs. Seine letzte Hoffnung: eine Petition.

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Wer sich in Zürichs Nachtleben bewegt, kommt an ihm nicht vorbei: Kubeysi Genoglu (51) trägt einen Bund roter Rosen mit sich und versucht, diese am Abend und in der Nacht in Bars und Pubs zu verkaufen. Dabei bleibt der in Anzug und Krawatte gekleidete Kurde stets höflich und zuvorkommend – und gewinnt so die Herzen der Nachtschwärmer.

Jetzt der Schock: Genoglu muss die Schweiz verlassen – und zwar schon bald. Im Entscheid des Migrationsamtes des Kantons Zürich heisst es: «Wir setzen hiermit die Frist zum Verlassen der Schweiz neu auf den 24. Februar 2014 an.» Genoglu zog den Entscheid bis vors Bundesgericht – und verlor.

Vorwurf Scheinehe

Die Begründung: Er habe eine Scheinehe geführt. Drei Jahre lang lebte er mit seiner Schweizer Frau zusammen – trotzdem glaubte ihm das Gericht nicht. Genoglus Anwalt Willy Blättler präzisiert: «Die Frau war drogenabhängig und sass einige Zeit im Gefängnis ein – dennoch hat er sie stets unterstützt, auch wenn es schwierig mit ihr wurde.»

Genoglu sagt zu 20 Minuten: «Ich bin enttäuscht. Ich liege dem Staat nicht auf der Tasche, beziehe keine Sozialleistungen.» Er habe das Gefühl gehabt, in Zürich geschätzt und willkommen zu sein. Sein Leben finde hier statt: «Ich habe hier meine Wurzeln geschlagen und fühle mich sehr wohl.»

Seine letzte Hoffnung: Regierungsrat Mario Fehr. Die ehemalige Gemeinderätin Rose Zschokke hat eine Petition für Genoglu gestartet. Die Unterschriftensammlung wird sie am Samstag in der Bar Daniel H. abholen und am Montag Mario Fehr übergeben. Auf Facebook wird der Aufruf zur Unterschrift bereits fleissig geteilt.

«Chancen stehen schlecht»

Rose Zschokke sagt: «Ich kenne Herrn Genoglu schon lange. Er ist einer der anständigsten und höflichsten Menschen, der mir je begegnet ist.» Die Petition zu lancieren, sei ein reiner Bauchentscheid gewesen. «Jemand, der zehn Jahre hier gelebt hat und stets auf eigenen Füssen unterwegs war, kann dem Land nicht schaden.»

Genoglus Anwalt Willy Blättler ist skeptisch, ob die Petition etwas nützt. «Die Chancen stehen sehr schlecht für ihn.» Wenn sich Mario Fehr jedoch überzeugen liesse, könne er dies mit einem wohlwollenden Vermerk an die Härtefallkommission übergeben.

In der Türkei hätte Genoglu zwar noch Familie. Eine Schwester und seine Mutter sind noch in seinem Heimatland. Doch er würde viel lieber hier bleiben. Kubeysi Genoglu ist traurig: «Ich bin doch keine Last für die Schweiz.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. G. am 03.02.2014 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    So ihn schafft man also aus. Aber Gewaltverbrechern lässt man auf Kosten des Steuerzahlers hier bleiben.

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  • Carol am 03.02.2014 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt!

    In der Schweiz hat man lieber hochkriminelle Ausländer, als einen, der auf eigenen Füssen steht und keiner Mücke etwas zu Leide tut.

  • Michi am 03.02.2014 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich....

    dass die Scheinehe "aufflog". Ich kenne mehrere Leute, die Scheinehen geführt haben und nicht mal zusammengelebt haben. Aber die Ämter haben da nie was bemängelt... Der Arme hat halt Pech gehabt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MENSCH am 05.02.2014 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    SCHEIDUNGEN GIBT TÄGLICH

    Hallo CH-geht noch aj aj aj,wollt ihn dass Leben zerstören. ich unterschreibe sofort für ihn

  • gentlemen am 05.02.2014 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Genoglu

    Herr Kubeysi Genoglu wenden sie sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Brüssel

  • Feri G. am 04.02.2014 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Härtefallkommission

    Die Härtefallkommission ist ja nicht einfach so vorhanden. Herr Rosenkavalier sollte die Hoffnung nicht verlieren, denn auch in dieser Kommision gibt es sicherlich Menschen mit Verstand. Eine Scheinehe trotz zusammenleben? wie geht das?

  • R. Nidi am 04.02.2014 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Im Alter

    Bitte hört endlich auf mit diesen Berichterstattungen. Wer weiss genau weshalb dieser Türke ausgeschafft wird. Sobald alle Fakten auf dem Tisch liegen bin ich bereit ein Urteil zu fällen. Ohne Grund wird kein Mensch ausgewiesen. Alle seine Kosten mit dem Rosenverkauf zu decken ist natürlich unglaubwürdig. Bin Selbständig und weiss ganz genau was für Ausgaben mit einem KMU entstehen. Auch die Altersvorsorge muss gesichert sein. Kaum möglich für diesen Mann!! Sollte er dann ausgeschafft werden kommen mit Recht viele Kommentare!!

  • Thomson am 04.02.2014 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kenne...

    Herrn Genoglu recht gut...in allen Bar's in dehnen ich verkehre verkauft er seine Rosen. Er ist auch der einzige Verkäufer der noch reingelassen wird. Der Grund dafür ist sein Anstand und sein Auftreten. Dazu kommt, das seine Rosen immer Spitzenqualität haben...ich finde nicht korrekt was ihm angetan wird, einem der immer arbeitet...!