Kaltbrunn ZH

03. Februar 2011 08:00; Akt: 03.02.2011 00:41 Print

Rotlicht ignoriert und Polizei angeschwärzt

von Attila Szenogrady - Ein Lastwagen-Chauffeur aus Kaltbrunn hat mit einem Sattelschlepper nicht nur ein Rotlicht überfahren, sondern auch einen Zürcher Kantonspolizisten als Lügner angeschwärzt. Nun wurde der nicht geständige Berufsfahrer verurteilt.

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Es war am 13. Dezember 2007, als ein heute 31-jähriger Berufschauffeur aus Kaltbrunn mit einem über zwölf Tonnen schweren Sattelschlepper in den frühen Morgenstunden durch Zürich fuhr. Der Lenker des Benzintransporters bewegte sich mit rund 40 km/h über die Seebahnstrasse in Richtung Kalkbreite. Bis vor ihm ein Personenwagen auftauchte und vor einer Kreuzung anhielt.

Riskant überholt und Rotlicht missachtet

Laut Anklage unterliess es der Angeklagte, den Laster abzubremsen. Stattdessen verstieg er sich laut Anklage zu einem riskanten Ueberholmanöver. Er wechselte auf den linken Fahrstreifen, bretterte knapp am stehenden Auto vorbei und missachtete ein Rotlicht, das bereits seit vier Sekunden jegliche Weiterfahrt untersagte. Glücklicherweise gab es keinen Unfall. Allerdings handelte es sich beim Lenker des Personenwagens um einen Beamten der Kantonspolizei Zürich. Er merkte sich die Nummer des Lastwagens und erstattete kurz darauf Strafanzeige.

Polizisten als Lügner hingestellt

Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl leitete gegen den angeschuldigten LKW-Chauffeur ein umfangreiches Strafverfahren ein und erhob im letzten Dezember Anklage wegen vorsätzlich grober Verletzung von Verkehrsregeln. Allerdings hatte der Schweizer Familienvater von Anfang an seine Unschuld beteuert. Trotz der belastenden Zeugenaussage eines anderen Lastwagen-Lenkers, der den Vorfall beobachtet hatte.

Vor Gericht stellte der Angeklagte aus Kaltbrunn den Zürcher Polizeibeamten sogar als Lügner hin. Der Ordnungshüter habe ihn widerrechtlich ausgebremst. Deshalb habe er ausweichen müssen, um eine Kollision zu vermeiden. Die Ampel habe noch grün angezeigt. Die Darstellungen seines Berufskollegen stufte der Beschuldigte ebenfalls als falsch ein. So sei der Belastungszeuge vom Polizeibeamten mit Geld bestochen worden, hatte er schon in der Untersuchung geltend gemacht.

Dem Polizisten geglaubt

Die Verteidigung verlangte einen vollen Freispruch und verwies auf widersprüchliche Angaben der beiden Belastungszeugen. Es liege höchstens ein einfaches Verkehrsdelikt vor. Diese sei aber bereits verjährt, plädierte er.

Das Gericht folgte jedoch umfassend der Anklage und erachtete die Aussagen der beiden Zeugen als einheitlich und klar. Die Version des Angeklagten mit den happigen Vorwürfen an die Adresse des Polizisten bezeichnete der Gerichtsvorsitzende Thomas Meyer hingegen als Schutzbehauptung. Der bereits mehrfach vorbestrafte Angeklagte habe mit seinem Verhalten eine grosse Gefahr geschaffen, sagte Meyer und setzte wegen des groben Verkehrsdelikts eine happige Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 70 Franken fest. Auf Bewährung mit einer sehr langen Probezeit von vier Jahren. Mit diesem Entscheid ging das Gericht trotz eines überlangen Verfahrens über den Antrag der Anklage auf 180 Tagessätze deutlich hinaus.

Nun droht der Jobverlust

Der Angeklagte muss nun wegen des Schuldspruchs nicht nur die Gerichtsgebühr von über 2100 Franken tragen, sondern auch mit einem Jobverlust rechnen. Infolge des nun drohenden Entzugs des Führerausweises wird er längere Zeit nicht mehr als Berufschauffeur arbeiten können.