Zürcher Europaallee

08. August 2017 10:15; Akt: 08.08.2017 10:15 Print

SBB bestellt Material für Luxuswohnungen in China

Die SBB setzt bei der Fassade für die Europaallee auf «Made in China». Die Schweizer Konkurrenz wäre rund 5 Millionen Franken teurer gewesen.

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171 Wohnungen, Büros sowie Platz für Läden und Gastronomie wird es auf dem Baufeld F bei der Europaallee geben. (Bild: SBB)

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171 Mietwohnungen, Büros, Ladengeschäfte und auch Restaurants werden bis 2019 auf dem Baufeld F der Europaallee gebaut. Der 53 Meter hohe Rohbau des Turms steht bereits und auch an der Fassade wird schon fleissig gearbeitet – in der 8000 Kilometer entfernten Stadt Shenyang in China. Laut dem «Tages-Anzeiger» werden derzeit 3500 Tonnen Fassadenelemente in den Werken der Yuanda Group zusammengebaut, anschliessend per Schiffscontainer nach Basel verfrachtet und schlussendlich mit Lastwagen ins Stadtzürcher Zentrum gefahren.

Einige Bauelemente legen die Strecke von Shenyang nach Zürich gleich zweimal zurück. So werden die Gebäude beispielsweise mit 145 Millionen Franken teuren Naturstein-Platten verkleidet. Diese stammen aus einem deutschen Steinbruch. Auch die Sonnenstoren kommen aus Deutschland, werden mit Schiffen nach China transportiert, dort montiert und wieder zurück nach Zürich verschifft.

«Das schadet der Schweizer Wirtschaft»

Die Yuanda Group mit Europa-Sitz in Basel hat auch schon die Fassaden für die Allmend-Hochhäuser in Luzern oder das Fifty-One-Geschäftshaus in Zürich hergestellt. Dort wurden die Häuser aber von Privaten gebaut und nicht von der SBB, die zu 100 Prozent dem Schweizer Bund gehört. Das sorgt für rote Köpfe: «Das schadet der Schweizer Wirtschaft – und damit dem Bund, der von unseren Steuern lebt», sagt Fabio Rea, Direktor des Verbands der Schweizer Fassaden- und Fensterbauer, zum «Tages-Anzeiger».

Roman Aepli, Geschäftsführer von Aepli Metallbau, hatte auch Interesse am Auftrag für die Europaallee-Fassade. Aber: «Unser Vorschlag belief sich auf 27 bis 28 Millionen Franken. Yuanda hat für etwa fünf Millionen weniger offeriert, heisst es.» In China betrügen die Monatslöhne wenige Hundert Franken, die Auflagen seien viel lascher, Lehrlinge würden keine ausgebildet. «Gegen chinesische Preise haben wir keine Chance», so Aepli.

SBB darf einheimische Anbieter nicht bevorzugen

Bei der SBB heisst es, dass bei der Vergabe nicht allein der Preis entscheide. «Nicht immer gewinnt die billigste Eingabe, die Qualität spielt ebenfalls eine Rolle», so Sprecher Oliver Dischoe. Zudem dürfe man einheimische Anbieter nicht bevorzugen – das verbiete das öffentliche Beschaffungsrecht.

Die SBB, die den ganzen Bauprozess an den österreichischen Generalunternehmer Porr abgetreten hat, hätte die Auftragsvergabe von Porr an Yuanda stoppen können, doch: «Alle Kriterien wurden zum Teil sehr gut erfüllt», so Dischoe. Man wehre sich ausserdem gegen den Vorwurf, das Schweizer Gewerbe zu benachteiligen. «Die SBB stellt einen starken Motor für die Schweizer Volkswirtschaft dar», so der SBB-Sprecher.

Jährlich würde man für 4,8 Milliarden Franken Güter und Dienstleistungen einkaufen – 98 Prozent dieser Aufträge würde die SBB an Schweizer Firmen oder Firmen mit Schweizer Niederlassungen abgeben.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 08.08.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Bundesunternehmen,

    das von Steuergeldern subventioniert ist und durch Schweizer töglich finanziert wird, sollte in erster Linie die Schweizer Wirtschaft unterstützen. Basta

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  • Bür Ger am 08.08.2017 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist Leuthard?

    Unglaublich, dass der Staat und Bundesrat hier nicht interveniert. Zuerst bekommt der Staatsbetrieb Flächen an bester Lage - was damals ja auch notwendig war. Anstelle diese nun nicht mehr benötigten Flächen an den Staat zurückzugeben, darf die SBB nun hier gewinnträchtige Immobilien bauen. Dann auch noch in China bestellen geht gar nicht!!!

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  • Ueli am 08.08.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht

    Wieso nur SBB Wieso Chinesische Bauuternehmen anstatt der eigenen Wirtschaft zu helfen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • luapsong am 09.08.2017 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab sofort Billet-Preise wie in China

    dann ist dieser Einkauf ok. Sonst ist es nur beschämend für die SBB. Übrigens in Kiew kostet 1 Tag U-Bahn nicht ein Mal 10 Rappen. In China vermutlich nicht viel mehr !

  • Dario. am 09.08.2017 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Zuerst Kanadier, nun die Chinesen :(

  • CH-Meinung am 09.08.2017 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wird Leuthard nicht an den Pranger

    gestellt ? Wo es unangenehm ist, wird sie einfach von den Medien ausgeblendet und noch geschützt

  • Marcel am 09.08.2017 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Heutiges China

    @ Knuschti Was für billige China Fassaden? China hat in nur 2 Jahrzehnten mehr super moderne Luxus-Bauten in den vielen Riesen-Städten errichtet als ganz Europa zusammen. Das Meiste ist Made In China. Glauben Sie mir, China hat da jetzt reichlich Erfahrungen vorzuweisen. Der Bedarf steigt, denn noch vor wenigen Jahrzehnten mussten alle ums überleben kämpfen. Heute steht China bei der Anzahl der Millionäre bereits auf Platz 2 weltweit und das Reich der Mitte hat auch gleich hunderte Millionen Menschen in die Mittelschicht gebracht.

  • Empörte Leserin am 09.08.2017 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige Aufträge

    Unglaublich!! Wir Schweizer werden fast an den Pranger gestellt, wenn wir für ein paar hundert Franken ennnet der Grenze einkaufen, bei Staatsbetrieben und Bundesrätinnen ist das aber gar kein Problem, die dürfen der Schweizer Wirtschaft durch solch unsinnige Aufträge Millionen von Franken vorenthalten.