Überraschung in Winterthur

03. April 2019 13:19; Akt: 03.04.2019 15:42 Print

Stadträtin Beutler (SP) tritt zurück

Die SP-Politikerin Yvonne Beutler gibt ihren Rücktritt aus dem Winterthurer Stadtrat bekannt.

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Überraschender Rücktritt im Winterthurer Stadtrat: Finanzvorsteherin Yvonne Beutler (SP) hat genug von der aktiven Politik und tritt per Oktober zurück. Beutler wurde von einem Beratungsunternehmen abgeworben. Sie war seit 2012 für die Finanzen der Stadt verantwortlich.

Ihr Rücktritt habe nichts damit zu tun, dass sie nicht Stadtpräsidentin geworden sei, betonte Beutler vor den Medien. Es sei ihr aber bei den Wahlen im vergangenen Jahr schon klar gewesen, dass das ihre letzte Legislatur werde. «Dass die neue Herausforderung so schnell kommt, habe ich aber nicht geahnt.»

Beutler wechselt in Privatwirtschaft

Die 46-Jährige wurde abgeworben - von einem Beratungsunternehmen. Sie wechselt zur Res Publica Consulting AG mit Sitz in Bern. Dieses Unternehmen berät unter anderem öffentliche Verwaltungen in Sachen Finanzen. Beutler wird auch Führungspersonen der Verwaltung coachen.

Genau diese Res Publica Consulting AG erstellte einst für die Stadt Winterthur eine Studie. Beutler betonte jedoch, dass sie erst nach Abschluss dieses Auftrages angefragt worden sei.

Bierliefervertrag gekündigt

Neben ihrer neuen Aufgabe könne sie sich gut vorstellen, das eine oder andere Verwaltungsratsmandat anzunehmen. Sie sei jetzt etwas nervös, aber freue sich nun auf das Neue.

Die langjährige Gemeinderätin wurde 2012 in den Stadtrat gewählt und übernahm dort die Finanzen. Eine ihrer ersten Amtshandlungen war die Kündigung des städtischen Bierliefervertrages mit Heineken. Seither dürfen die städtischen Restaurants ausschenken, was sie wollen.

Schwierige Zeiten

In den Jahren darauf kam finanziell gesehen wenig Feststimmung auf. Die Finanzvorsteherin musste die Stadt durch schwierige Zeiten steuern, inklusive schmerzhafter Sparprogramme. Ihre «direkte und nicht immer diplomatische Art», wie sie selber von sich sagt, wurde von den Stimmbürgern aber honoriert. Beutler wurde zwei Mal mit gutem Resultat wiedergewählt.

Mittlerweile sehen die städtischen Zahlen wieder viel besser aus. «Dem oder der Nachfolgerin wird es aber bestimmt nicht langweilig.» Dafür sorgen stetig steigende Sozial- und Bildungskosten.

«Wir bedauern das sehr»

Überraschend war Beutlers Ankündigung auch für die Winterthurer SP. «Wir bedauern das sehr», sagte Vizepräsidentin Maria Sorgo. Winterthur verliere eine kompetente Politikerin, die massgeblich zur finanziellen Stabilität der Stadt beigetragen habe.

Die Parteileitung wird nun mit potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern das Gespräch suchen. Die Mitgliederversammlung wird dann im Mai einen Kandidaten oder eine Kandidatin nominieren. Die SP will den frei werdenden Sitz unbedingt halten. Es sei klar, dass die Stadt weiterhin von einer links-grünen Mehrheit regiert werden müsse.

(sda)