Zollikerberg ZH

10. März 2011 14:00; Akt: 11.03.2011 00:19 Print

Scheidungsvater drohte Gericht mit Massaker

von Attila Szenogrady - Um während einer Kampfscheidung seinen Willen durchzusetzen, hat ein Vater aus Zollikerberg dem Bezirksgericht Meilen wiederholt ein Massaker in Aussicht gestellt. Nun kassierte der Architekt eine bedingte Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 30 Franken.

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Einzelrichter Ferdinand Hürlimann sprach während der Urteilseröffnung in der Anwesenheit einer bewaffneten Polizeieskorte von einem erheblichen Tatverschulden des heute 54-jährigen Architekten. So habe dieser mit seinen massivsten Drohungen ganz einfach seinen Willen durchsetzen wollen, sagte Hürlimann und setzte für den arbeitslosen Schweizer wegen mehrfacher versuchter Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie wegen eines Nebendeliktes im Ausländerrecht eine hohe Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 30 Franken auf Bewährung und 100 Franken Busse fest. Bei einer verlängerten Probezeit von drei Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Franken gefordert.

Immer wieder schriftliche Drohungen

Unbestritten war der äussere Sachverhalt. Demnach stand der Beschuldigte schon seit über zehn Jahren in einer erbittert geführten Kampfscheidung. Wobei sich der Konflikt um das liebe Geld und die gemeinsame Tochter drehte. Als der Vater bei den umstrittenen Punkten zum Sorge- und Besuchsrecht immer wieder unterlag, verlegte er sich ab Oktober 2007 wiederholt auf schriftliche Drohungen, die sich gegen das Bezirksgericht Meilen richteten. So schickte er Zeitungsartikel, welche von einem Blutbad im Gerichtssaal, Schiessereien oder einem Massaker berichteten. Am 5. Juni 2009 ging er noch weiter, als er in einen Bericht der Pendlerzeitung „20 Minuten“ das Foto des Gerichtspräsidenten Jürg Meier hineinkopierte. Mit dem Titel: „Rechtloser Vater tötete korrupten Richter.“

Wenige Tage später nahm die Polizei den Beschuldigten fest. Er sass danach für 93 Tage in Untersuchungshaft.

Freispruch wegen psychischer Ausnahmesituation verlangt

Am Prozess vom Donnerstag wollte sich der Angeklagte nicht äussern und verwies auf das Plädoyer seines Verteidigers Thomas Fingerhut. Dieser verlangte einen vollen Freispruch. Einerseits wegen Verletzung des Anklageprinzips, da die Staatsanwaltschaft See/Oberland ihre Vorwürfe zu wenig konkret formuliert habe. So sei nicht ersichtlich, zu welchen genauen Amtshandlungen das Gericht bewegt werden sollte. Andererseits machte Fingerhut eine entschuldbare psychische Ausnahmesituation seines Klienten zur Tatzeit geltend. Er habe sich von den Behörden überrollt und ihnen hilflos ausgeliefert gefühlt, sagte Fingerhut und fügte hinzu, dass die Ex-Frau den Kontakt zu seiner Tochter sabotiert habe. Der Angeklagte habe erst mit seinen Briefen ein wenig Gehör gefunden. Er habe weder eine Affinität zu Waffen noch sei er gewalttätig, erklärte Fingerhut. Eine Gutachterin habe zudem befunden, dass der heute mit einer Brasilianerin verheiratete Vater eine aufgenommene Psychotherapie nicht mehr besuchen müsse.

Bereits Berufung eingelegt

Das Gericht sah es anders und kam zu Schuldsprüchen. Der Inhalt der Drohungen sei kaum zu übertreffen, führte der Vorsitzende Hürlimann aus. Er sprach auch von einer moderaten bis deutlichen Rückfallgefahr. Die ständige Polizeipräsenz im Gerichtssaal sprach ohnehin bereits Bände. Verteidiger Thomas Fingerhut legte trotzdem noch vor den Schranken Berufung gegen das Urteil ein.