Schlieren ZH

23. Juni 2015 05:40; Akt: 24.06.2015 11:29 Print

Schimmel an den Wänden – Mieterin will nicht zahlen

Da Jessica A. in einer schimmligen und kalten Wohnung wohnt, zahlt sie nur noch die Hälfte ihrer Miete. Die Verwaltung kündigte ihr deshalb.

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Schimmlige Decken und undichte Fenster: Die 28-jährige Jessica A. findet die Zustände in ihrer 2,5-Zimmer-Wohnung in Schlieren eine Zumutung. Seit April 2014 wohnt sie dort. «Im Januar fiel mir auf, dass die Stiefel neben meinem Kleiderschrank plötzlich nass und mit pilzartigen Flecken übersät waren», so A. Als sie hinter ihren Kleiderschrank blickte, traf sie der Schlag: Die Wand und die Rückseite des Schranks waren mit einem Schimmelpilz befallen. Auch im Eingangsbereich der Wohnung, in der Küche und im Bad entdeckte sie Schimmel.

«Ich habe es sofort der Hausverwaltung gemeldet», so A. Diese rief einen Spezialisten, der den Schimmel beseitigte, und übernahm auch die Kosten. «Die Verwaltung sagte mir jedoch, dass ich falsch gelüftet hätte und dass der Schrank zu nahe an der Wand stünde», so die Deutsche. Sie glaubt hingegen, dass das kaputte Dach der Grund für den Befall sei. «Es müsste schon längst erneuert werden», sagt A. Nun musste sie neue Kleider, Bettwäsche und Handtücher kaufen: «Das hat mich etwa 1000 Franken gekostet.» Zudem seien die Fenster undicht: «Meine Freunde kommen mich nicht mehr besuchen, weil es saukalt ist.»

«Mieter dürfen nicht einfach von sich aus weniger einzahlen»

Im Internet machte sie sich zum Thema schlau: «Dort stand, dass ich bei Feuchtigkeitsschäden im Wohnbereich nur die Hälfte der Miete zahlen muss», sagt A. Da ihrer Meinung nach das Dach und nicht das angeblich falsche Lüften schuld an der Misere ist, zahlt sie seit März nur noch 700 anstatt 1415 Franken. Die Verwaltung habe sie daraufhin aufgefordert, den Betrag zu begleichen. Da sie das nicht tun wollte, erhielt sie letzte Woche die Kündigung.

Laut Walter Angst, Sprecher des Zürcher Mieterverbands, muss Arens die ausstehenden Mietbeträge unbedingt begleichen: «Mieter dürfen nicht einfach von sich aus weniger einzahlen.» Richtig wäre, beim Melden des Schimmels eine Herabsetzung des Mietzinses einzufordern. Angst: «Wenn man sich mit dem Vermieter auf einen Betrag einigt, wird dieser dem Mieter ausbezahlt. Sonst muss man die Herabsetzung bei der Schlichtungsbehörde einfordern.»

Bauliche Massnahmen seien erforderlich

Im Übrigen sei es wichtig, bei Schimmelbefall einen Experten beizuziehen. «Er kann die Ursache klären und so entscheiden, wer dafür verantwortlich ist», so Angst. «Zudem sollen die Mieter vom Spezialisten eine schriftliche Bestätigung verlangen und diese der Verwaltung zukommen lassen.» Damit vermeide man unnötige Forderungen des Vermieters und erhöhe die Chancen, eine Herabsetzung des Mietzinses zu erhalten.

Ein Experte hat A.s Wohnung bereits begutachtet. «Ihre Wohnung befindet sich direkt unter dem Flachdach – dieses ist undicht», sagt Andy Schwendimann, Geschäftsführer von AS Bauvisionen. Eine Sanierung sei deshalb dringend notwendig. «Zudem ist die Fassade nicht isoliert, so dass sich während der Heizperiode Feuchtigkeit ansammeln kann – vor allem in den exponierten Aussenecken», so Schwendimann. In diesem Fall seien bauliche Massnahmen erforderlich. Früher oder später würde der Schimmel sonst wieder zurückkehren.

Das Haus werde in naher Zukunft renoviert

Bei der Hausverwaltung ist das Problem bekannt. «Die Fassade wird renoviert und das Dach sowie die Fenster werden in naher Zukunft ersetzt», so ein Sprecher.

(fro)