Prostitution in Zürich

08. Juli 2014 19:24; Akt: 08.07.2014 19:24 Print

Schlappe vor Gericht für die Sittenpolizei

von Attila Szenogrady - Eine Prostituierte soll im Zürcher Kreis 4 unerlaubt auf der Strasse Freier angeworben haben. Doch vor Gericht blitzte die Sittenpolizei ab – mangels Beweisen.

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In diesem Bereich der Hohlstrasse im Kreis 4 wurde die Prostituierte verzeigt. (Bild: Google Street View)

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«Soll ich Sie als Herr oder Frau ansprechen?», wollte der zuständige Einzelrichter von der heute 56-jährigen Beschuldigten zum Prozessauftakt wissen. Das sei ihr eigentlich egal, antwortete die elegant gekleidete Transfrau, die im Zürcher Kreis 4 auch als Prostituierte tätig ist und gemäss ihren Angaben wegen der Zuwanderung immer weniger Geld verdient.

Am 30. April 2013 wurde sie an der Hohlstrasse 30 mitten am Nachmittag von einem Angehörigen der Zürcher Sittenpolizei nicht nur zur Rede gestellt, sondern auch wegen unzulässiger Prostitution verzeigt.

Zuerst wegen verbotenen Strichgangs gebüsst

Für das Stadtrichteramt war der Fall klar. Laut Strafbefehl hatte die Beschuldigte auf offener Strasse mittels Handzeichen um Freier geworben. Da die beschuldigte Person ausserhalb der erlaubten Zone aktiv geworden sei, habe sie einen verbotenen Strichgang ausgeübt, schrieb der zuständige Stadtrichter und büsste die umgebaute Sex-Workerin mit 200 Franken. Hinzu kam eine Gebühr von weiteren 250 Franken.

Die gebüsste Beschuldigte protestierte und legte Einsprache gegen den Strafbefehl ein. «Ich habe nur einem Bekannten zugewinkt», wehrte sie sich vor Gericht gegen die Vorwürfe. Ihre Kunden spreche sie nicht auf der Strasse, sondern über Inserate an, empörte sie sich.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Mit Erfolg: So kam der Einzelrichter zu einem umfassenden Freispruch. Er habe wenig Zweifel an der Zuverlässigkeit der Aussagen des Polizeibeamten, erklärte er einerseits. Andererseits würde der Vorwurf an der Beweisfrage scheitern. «Man kann nicht zu 100 Prozent sagen, was die Beschuldigte getan hat», lautete die zentrale Begründung für den Freispruch, der allerdings noch nicht rechtskräftig ist. So kann die Polizei den umstrittenen Fall in den nächsten zehn Tagen an das Obergericht weiterziehen.