Tötungsdelikt an Italiener F. P.

06. August 2019 17:19; Akt: 06.08.2019 18:06 Print

Schlug die Mafia in Schwamendingen zu?

Der 66-jährige Italiener F.P. wurde am Montag getötet. Hatten seine Geschäfte etwas mit der Tat zu tun?

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«Er hat Geschäfte gemacht, von denen ich nichts wissen sollte», sagt die Tochter des getöteten F.P.* gegenüber Nachbarn. Ihr Vater lag am Montagmorgen in einem parkierten SUV auf dem Parkplatz beim Freibad Auhof in Schwamendingen. Die ausgerückten Rettungskräfte konnten trotz Reanimationsversuchen nur noch den Tod des Mannes feststellen (20 Minuten berichtete). Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus.

P. war laut den Recherchen von 20 Minuten an mehreren Firmen beteiligt oder deren Geschäftsführer – meist in den Bereichen Gastronomie, Bau und Lebensmittel. Während er einige Firmen abtrat, gingen andere in Konkurs. Einige Firmen hatten mehrfach Ausstände – also Rechnungen, die nicht fristgerecht bezahlt wurden.

Geschäftspartnerin löste Firma aus

Ein Mann, der mit dem 66-jährigen P. Geschäfte gemacht hat, sagt: «Ich kannte ihn seit vier Jahren. Er hat sich immer korrekt verhalten und die Rechnungen bezahlt.» Der Mann könnte sich aber durchaus vorstellen, dass sich das Tötungsdelikt wegen Streitereien mit Geschäftspartnern ereignet hat.

Eine andere Geschäftspartnerin, die mit P. eine Firma eröffnet hat, sagt, dass der Italiener zwar ein netter Mensch gewesen sei. «Er hat sich aber nicht gross ums Geschäftliche gekümmert. Ich habe ihn nur etwa zwei- bis dreimal gesehen.» Sie habe schliesslich die Firma aufgelöst, «weil es mir zu stressig wurde».

«Keine Skrupel»

Markus Melzl, ehemaliger Kriminalkommissär aus Basel-Stadt, hat sich während seiner Karriere mit diversen Fällen von Wirtschaftskriminalität befasst. «Ich denke, der Schlüssel zum Fall dürfte bei krummen Geschäften oder ausstehenden Geldzahlungen liegen.» Sollte der Getötete tatsächlich in faule Geschäfte verwickelt gewesen sein, habe er bestimmt mit Leuten zu tun gehabt, die «gar keine Skrupel haben».

Auf die Geschäfte als Grund für die Tötung soll auch das mutmassliche Vorgehen der Täterschaft hindeuten. Eine Anwohnerin berichtete 20 Minuten, dass der 66-Jährige in einem kleinen Bach neben dem Parkplatz unter Wasser gedrückt worden sei. Dann hätten die Täter den toten Mann ins Auto gesetzt. Melzl sagt dazu: «Wenn sich das so zugetragen hat, war das keine spontane Tötung.» Dann seien Leute am Werk gewesen, die Konflikte auf «ihre Art und Weise lösen» und die Justiz nicht einbeziehen würden.

Handschrift der Mafia?

Der forensische Psychiater Thomas Knecht sieht es ähnlich wie Melzl: «Die Tötungsart, wenn es sich wirklich so zugetragen hat, ist gut überlegt. Auch, weil durch das Wasser eventuell weniger DNA-Spuren und Fingerabdrücke gefunden werden könnten.» Hinzu komme, dass es keine Tatwaffe gebe und damit einen Beweis weniger.

Knecht glaubt auch, dass die Täterschaft primär bei den frustrierten Geschäftspartnern zu suchen sei. Dabei könne es sich durchaus um Mitglieder der Mafia, mafiaähnliche Verbände oder einen Clan handeln. «Diese setzen harte Mittel ein, um ihren Standpunkt durchzusetzen oder an ihnen zustehendes Geld zu kommen.» Für Knecht ist klar: «Dieses Verbrechen trägt –zumindest aus der Ferne betrachtet – die Handschrift einer organisierten Tat und somit des organisierten Verbrechens.»

Die Zürcher Staatsanwaltschaft sagt zu den Mutmassungen: «Grundsätzlich werden in einem derart frühen Stadium eines Ermittlungsverfahrens im Zusammenhang mit einem Kapitalverbrechen allein schon aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben zu den Tatumständen gemacht.»

*Name der Redaktion bekannt

«Tötungen sind Präventionsschläge»

Herr Landmann*, gibt es in der Schweiz gefährliche Geschäftsmilieus?
Ja. Es gibt vor allem ausländische Milieus, die hier in der Schweiz wirtschaftlich kriminell tätig sind. Diese Gruppen sind zum Teil gefährlich, vor allem, wenn man nicht in der Lage ist, ihre Erwartungen oder Pflichten zu erfüllen.

Haben Sie schon Fälle erlebt, in denen jemand deswegen getötet wurde?
Ja, solche Fälle kommen vor. Es kommt aber immer auf die Art der Kontrahenten an, wie sie mit Problemen mit in ihren Augen fehlbaren Geschäftspartnern umgehen.

Welche Motive führen zu solchen Tötungen?
Wenn diese Leute das Gefühl haben, sie würden über den Tisch gezogen, oder wenn Versprechungen nicht eingehalten werden. Zwar kann man durch Tötungsdelikte das Geld von der Person nicht mehr eintreiben, aber es ist ein Präventionsschlag.


*Valentin Landmann ist bekannt als Milieu-Anwalt. Er verteidigte schon die Hells Angels, Prostituierte oder Neonazis.

(jen)