Geldstrafe von 75'000 Fr

06. März 2019 05:39; Akt: 06.03.2019 06:52 Print

Autobahn-Rowdy mit Photoshop überführt

Ein Verwaltungsratspräsident ist auf der A3 mit 166 km/h erwischt worden und erhält eine bedingte Geldstrafe. Die Auswertung der Polizei basiert auf Photoshop.

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Mit einem Ferrari ist der Verwaltungsratspräsident eines Finanzdienstleisters im Februar 2017 um etwa 23.30 Uhr auf der A3 nach Hause geflitzt. Die Polizei hat ihn dabei erwischt und gefilmt. Laut Anklageschrift hat er während eines Überholmanövers rund zehn Sekunden die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um durchschnittlich 46 km/h überschritten. Es kam dann zu einem Verfahren wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln.

Das Obergericht Zürich hat den Beschuldigten im Januar 2019 schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 75'000 Franken sowie einer Busse von 3000 Franken verurteilt. Das Urteil liegt 20 Minuten vor. Die Geldstrafe fällt so hoch aus, weil die 25 Tagessätze beim Maximalbetrag von 3000 Franken festgesetzt wurden. Die Höhe richtet sich nach den finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten: Laut dem Urteil verdient der beschuldigte Verwaltungsratspräsident monatlich netto über 48’000 Franken.

Nachfahrmessung oder Videoauswertung?

Strittig war vor Obergericht insbesondere das Verfahren zur Berechnung der Geschwindigkeit. Die Richter hielten wie schon das Zürcher Bezirksgericht fest, dass die sogenannte Nachfahrmessung nicht vorschriftsgemäss durchgeführt wurde. Der Abstand des Polizeifahrzeugs zum Ferrari war am Ende der Messung geringer als zu Beginn. Stattdessen stützt sich das Gericht auf ein Gutachten des Forensischen Instituts Zürich.

Dieses wertete das Video der Nachfahrt mithilfe des Bildbearbeitungsprogramms Photoshop am Computer aus und bestimmte anhand der Pixel die Geschwindigkeit des verfolgten Fahrzeugs in der Höhe von durchschnittlich 166 km/h – inklusive der Berücksichtigung eines Toleranzabzugs von einem Prozent.

Gutachten überzeugt Richter

Die Verteidigung stellte sich auf den Standpunkt, dass trotz des Auffahrfehlers der Polizeipatrouille die Nachfahrmessung herangezogen werden solle. Bei dieser wurde mit einem Sicherheitsabzug von zehn Prozent eine Geschwindigkeit von 144 km/h gemessen. Zudem sei eine Reduktion für den Auffahrfehler zu gewähren.

Dieser Argumentation folgte das Obergericht nicht. Es würdigte das Gutachten als schlüssig und überzeugend. Ohne triftige Gründe sei es dem Gericht nicht möglich, sich über das Fachwissen von Experten hinwegzusetzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann ans Bundesgericht weitergezogen werden.

So funktioniert die Messung mit den Pixeln:

Laut Ralph Hirt, Sprecher der Kantonspolizei Zürich, funktioniert die angewendete Pixelmessung wie folgt: Fährt das verfolgte Auto schneller, wird der Abstand zum Polizeifahrzeug grösser. Dieser Abstand lässt sich am Computer etwa anhand der Anzahl Pixel zwischen den beiden Hecklichtern des verfolgten Autos ermitteln. Da die Geschwindigkeit des Polizeifahrzeugs durch ein geeichtes Messgerät bekannt ist, bedeutet ein zunehmender Abstand, dass das verfolgte Auto mindestens so schnell wie die Polizei unterwegs ist. Von der eruierten Durchschnittsgeschwindigkeit wird die Gerätetoleranz von einem Prozent subtrahiert.

(tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Höllenschlund am 06.03.2019 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Wow er verdient 48'0000 pro Monat.

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  • Photo Shöpli am 06.03.2019 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    Keine bessere Quali möglich?

    Haben die einen Toaster als Kamera Installiert im Auto?

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  • lolo am 06.03.2019 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    übertrieben

    übertreibt doch nicht. 166 kmh ist keine raserei.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kater Mikesch am 06.03.2019 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Merkt ihr es nicht?

    Ihr diskutiert am eigentliche Problem vorbei, die Staatswillkür. Ich beurteile nicht, was er gemacht hat. Aber ein gerichtlich nicht zugelassenes/geprüftes Verfahren wurde akzeptiert, um die Schuld zu beweisen. Wir reden hier von einem wissenschaftlich nicht geprüften Verfahren. Etwas Anderes wäre es bei Dingen, wo der Richter sehr wohl Spielraum hat, wie zum Beispiel Glaubhaftigkeit von Zeugen/Tätern, Reue, etc. selbst zu beurteilen. Und in der heutigen Welt einem Videobeweis mit einer solchen schlechten Qualität zu glauben. Ich könnte die ganzen 10-20 Sekunden komplett virtuell erzeugen

  • Schnellfahrer am 06.03.2019 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz Normal

    Ich habe nur einen 2 Liter Turbo und fahre Nachts auf der Autobahn manchmal mit 200 Km Anzeige am Tacho Aber nur wenn kein Gegenverkehr herscht. Die schnellen Autos sind für hohe Geschwindikeiten Gebaut worden die muss man auch Testen können.

  • E.H. am 06.03.2019 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja...

    ...vermutlich schlich ein Besoffener vor ihm auf der Überholspur, bis er merkte das er rechts auch nach Hause schleichen kann. Dann hat der Ferrari Fahrer kurze 10 Sekunden zum überholen angesetzt und schon war es passiert. Für mich ist er kein Raser.

  • RL am 06.03.2019 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leuenbergers Erbe!

    Ich habe gemeint unser Rechtssystem kenne den Begriff Verhältnismässigkeit? Wahrscheinlich nur bei Verbrechen aber nicht beim Autofahren!

  • Erwin B am 06.03.2019 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    Wiederum eine bedingte Geldstrafe - das bedeutet er muss die Strafe gar nicht bezahlen. Wie lange wollen unsere Gerichte diesen kompletten Unsinn weiter betreiben?