Messerstecherin

21. Dezember 2011 23:55; Akt: 22.12.2011 15:30 Print

Schuldspruch bestätigt – Strafe erhöht

von Attila Szenogrady - Eine heroinabhängige Chilenin hat in Fehraltorf ihrem Freund bei einem Streit ein Messer in die Brust gerammt. Das Obergericht erhöhte die erstinstanzliche Strafe von fünf auf sechseinhalb Jahre.

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«Es ist im Affekt passiert, es war keine Absicht», beteuerte die 34-jährige Beschuldigte kürzlich vor dem Zürcher Obergericht. Grundsätzlich war die Bluttat vom 8. Mai 2009 nicht bestritten. Demnach stand die heroinabhängige Mutter unter Drogen und machte um Mitternacht ihrem betrunkenen Schweizer Freund in der gemeinsamen Wohnung massive Vorwürfe. Der Streit drehte sich um die gemeinsame Tochter, die sich seit der Geburt wegen Entzugserscheinungen in einer Klinik aufhielt.

Messer in die Brust gestochen

Fest steht, dass die Chilenin plötzlich zu einem offenen Taschenmesser griff und mit diesem ihrem auf dem Sofa sitzenden Partner in die Brust stach. Danach alarmierte sie die Ambulanz, welche den lebensgefährlich am Herzen verletzten Geschädigten noch rechtzeitig ins Spital überführen konnte. Der heute 28-jährige Mann überlebte dank einer Notoperation. Die Frau wurde von der Polizei festgenommen und sitzt seither im Gefängnis.

Keine Affekttat

Im März 2011 musste sich die Beschuldigte zunächst vor dem Bezirksgericht Pfäffikon verantworten. Schon die Landrichter machten klar, dass keine Affekttat vorlag. Vielmehr handelte es sich laut Urteil um eine Impulstat, welchen sie als versuchte vorsätzliche Tötung werteten. Das Gericht setzte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren fest und schon den Strafvollzug zugunsten einer stationären Massnahme für psychische Störungen auf. So hatte ein Gutachten bei der langjährigen Drogenabhängigen eine instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus mit dissozialen Merkmalen festgestellt.

Markante Straferhöhung gefordert

Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft waren mit dem Pfäffiker Entscheid nicht zufrieden und gingen in die Berufung. Vor Obergericht sprach der Verteidiger von einem versuchten Totschlag und machte erneut einen entschuldbaren Affekt geltend. Das Gutachten kritisierte er als nicht verwertbar und forderte eine neue Expertise. Zudem setzte sich der Anwalt für eine Senkung der Strafe auf zwei Jahre ein.

Im Gegensatz zum zuständigen Staatsanwalt Alexander Knauss , der eine markante Straferhöhung auf neun Jahre Freiheitsentzug verlangte. Er stufte die Beschuldigte als gefährliche und manipulative Person ein. Knauss kaufte der Beschuldigten ihren angeblichen Affekt nicht ab. Vielmehr forderte er die Bestätigung des Pfäffiker Schuldspruchs wegen versuchter vorsätzlicher Tötung.

Strafe verschärft

In seinem am Mittwoch eröffneten Urteil hat das Obergericht den Schuldspruch wegen Tötungsversuchs nicht nur bestätigt, sondern auch die Strafe deutlich erhöht. Auf neu sechseinhalb Jahre Freiheitsentzug. Das Obergericht legte zudem eine stationäre Massnahme zur Behandlung von psychischen Störungen fest und schob zu diesem Zweck den Strafvollzug auf. Eine schriftliche Begründung des Urteils liegt noch nicht vor. Allerdings ist klar, dass die Oberrichter das Verschulden der Angeklagten schwerer als die Vorinstanz gewichtet haben. Zudem haben auch sie einen entschuldbaren Affekt verneint und auf die Einholung eines neuen Gutachtens verzichtet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Samara Morgaine am 22.12.2011 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Strafe erhöht

    Strafmasse für schwere Delikte, wie in diesem Fall, sollten in der Schweiz die Norm sein und nicht die Ausnahme.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Samara Morgaine am 22.12.2011 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Strafe erhöht

    Strafmasse für schwere Delikte, wie in diesem Fall, sollten in der Schweiz die Norm sein und nicht die Ausnahme.