Geschäftskreditkarte

28. Februar 2020 12:57; Akt: 28.02.2020 12:57 Print

Sekretärin prellt UBS um 1 Mio. Franken – Freispruch

von Stefan Hohler - Eine Chefsekretärin hat die UBS um eine Million Franken erleichtert – und wird dafür nicht bestraft.

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Die heute 56-jährige Direktionssekretärin hat zwischen 2005 und 2010 mit ihrer UBS-Geschäftskreditkarte für private Kleider- und Schmuckkäufe, Barbezüge, Reisen, Beautyoperationen, Hotel- und Restaurantbesuche über eine Million Franken ausgegeben – rund 450 Franken pro Tag. Der Fall flog auf, als die Frau in einer neuen Abteilung arbeitete und die neue Chief-of-Staff ob der horrenden Bezüge misstrauisch wurde. Anfangs betrugen die privaten Käufe rund 25'000 Franken pro Jahr, die dann systematisch bis auf 320'000 Franken stiegen. In der Anklageschrift sind über 800 private Spesenbezüge aufgelistet

«Es herrschte damals ein Klima der Selbstbedienung»

Gestern stand die Schweizerin vor dem Obergericht. Der Staatsanwalt hat sie wegen Veruntreuung angeklagt und eine bedingte Strafe von zwei Jahren verlangt. Die Frau habe ihre Vertrauensstelle in der Vermögensverwaltung der UBS missbraucht und Käufe getätigt, die nichts mit dem Beruf zu tun hätten. Er kritisierte aber auch die Vorgesetzten: «Die Starbanker fanden es offenbar unter ihrer Würde, die Spesen zu kontrollieren.» Als die Sache aufflog, seien die Herren dann ins Schwitzen geraten.

Die Frau, die mit ihrem Mann, einem Golflehrer, inzwischen in London wohnt und als Hausfrau und Hundesitterin tätig ist, stritt die Bezüge nicht ab. Nur: «Es herrschte damals ein Klima der Selbstbedienung.» Man habe jeglichen Bezug zur Realität und zum Geld verloren. Sie habe die Spesenrechnungen immer ihren Vorgesetzten gezeigt. «Die Rechnungen wurden Punkt für Punkt kontrolliert. Es war immer klar, dass es sich um private Auslagen handelte», sagte sie den Richtern. Ihr Anwalt forderte einen Freispruch. «Alle Rechnungen wurden von den Chefs abgesegnet und Monat für Monat genehmigt.» Die Schadenersatzforderung der UBS sei abzulehnen.

«Spesen mangelhaft geprüft»

Die Rechtsvertreterin der Bank sagte, dass die ehemalige Chefsekretärin das Vertrauen der Vorgesetzten systematisch missbraucht habe, und forderte knapp eine Million Franken zurück.

Das Obergericht sprach die Frau frei, wie schon das Bezirksgericht Zürich im Oktober 2018 und verwies die Schadenersatzforderung auf den Zivilweg. Dass über Jahre hinweg niemand den Missbrauch bemerkt habe, sei nicht vorstellbar. «Entweder haben die Chefs die Abrechnungen genehmigt oder beide Augen zugedrückt oder die Spesen mangelhaft geprüft», sagte der Richter.