Bezirkgericht Zürich

12. Januar 2016 05:51; Akt: 12.01.2016 15:00 Print

Selbst ernannter Robin Hood muss zum Psychiater

von A. Szenogrady - Ein Zürcher hat in sechs Wochen neun bewaffnete Raubüberfälle verübt und die Beute nicht nur für sich, sondern auch für arme Leute ausgegeben. Statt in den Knast muss er zum Psychiater.

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Am Montag sass ein 21-Jähriger vor dem Bezirksgericht, der in sechs Wochen neun Überfälle verübte. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Musste sich am Montag ein selbstloser Sozialrebell à la Robin Hood oder ein psychisch gestörter Serienräuber vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten? Diese zentrale Frage stellte sich das Gericht nach dem ersten Prozesstag und schickte den 21-jährigen Schweizer vor einem Urteil zu einem Psychiater. Dieser soll nun abklären, ob der vorbestrafte Stadtzürcher psychisch gestört ist und allenfalls eine therapeutische Massnahme angezeigt ist.

Unbestritten war, dass der umfassend geständige Täter ab 15. Januar 2015 in der Region Zürich als unheimlicher Serienräuber Angst und Schrecken verbreitete. Er beging nicht weniger als neun Raubüberfälle auf Tankstellen-Shops, Lebensmittel-Filialen und einen Kiosk. In sechs Fälle bedrohte er die Angestellten mit einer echten Pistole. Bei drei Überfällen setzte er ein Küchenmesser als Tatwaffe ein.

Gelder auch an Eltern und Arme verteilt

Die Tatorte waren mit der Stadt Zürich, Dübendorf, Riedikon sowie Horgen relativ weit über das Kantonsgebiet verteilt. Bei den meisten Coups war der Täter erfolgreich und konnte insgesamt rund 16'000 Franken erbeuten. Viele der Opfer erlitten einen gehörigen Schreck und leiden teilweise heute noch unter den Folgen der dreisten Überfälle. Der Täter stellte sich im letzten März freiwillig, nachdem ihn viele Personen aufgrund eines Pflasters auf der Nase erkannt hatten.

Vor Gericht gab der junge Räuber finanzielle Not als Tatmotiv an und versuchte sich auch als moralischer Täter zu verkaufen. So habe er die Gelder einerseits für Esswaren verbraucht. Andererseits habe er seine mittelosen Eltern unterstützt und arme Personen. So einen Strassenbettler ohne Beine, erklärte er. Nicht zur Erbauung des Staatsanwaltes, der sich gegen ein «Robin Hood-Image» wehrte und dem Beschuldigten rein egoistische Motive unterstellte. So sei dieser beispielsweise mit Luxusfahrzeugen herumgefahren.

Umstrittenes Strafmass

Der Ankläger verlangte eine hohe Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Im Gegensatz zum Verteidiger Valentin Landmann, der sich für eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren einsetzte. Die Hälfte davon unbedingt. Landmann betonte, dass sein Klient mit einer ungeladenen Waffe gedroht und niemanden der Überfallopfer verletzt habe. Eine einzige Körperverletzung leistete sich der Täter, als er laut Anklage bei einer Schlägerei einem Gegner einen Faustschlag gegen den Kopf versetzte.

Nach einem mehrstündigen Prozess unterbrach das Gericht die Verhandlung und beschloss, den jungen Zürcher vor einem Urteil einer Begutachtung eines Gerichtspsychiaters zu unterziehen. Diese soll klären, ob der Täter psychisch gestört ist. Wenn ja, dann soll der Arzt die geeignete Massnahme benennen. Diese könnte von einer Arbeitserziehung für junge Erwachsene bis zu einer kleinen Verwahrung reichen.